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Aufstand an der Grenze

Bevor David Bacon als Journalist und Fotograf aktiv wurde, war er zwei Jahrzehnte lang Fabrikarbeiter und Gewerkschaftsaktivist in Kalifornien. Er begann bei Streiks und von ihm mitorganisierten Kampagnen zu fotografieren, um den ArbeiterInnen eine visuelle Vorstellung ihrer eigenen Wichtigkeit zu vermitteln. Indem er ihren Kampf fotografisch festhielt, gab er ihnen die Möglichkeit, sich selbst anzuschauen. Schließlich begriff er, wie wichtig es war, das Arbeitsleben einer globalen Wirtschaft zu dokumentieren, um eine breite Öffentlichkeit auf den Kampf von ArbeiterInnen für ein besseres Leben aufmerksam zu machen. Heute dokumentiert er hauptsächlich Kinderarbeit und das Elend der Feldarbeiter an der mexikanisch – US-amerikanischen Grenze und veröffentlicht seine Arbeiten in gewerkschaftlichen Schriften. Aufgrund seiner persönlichen Geschichte waren Journalismus und Fotografie für ihn nie neutral, sondern ein Weg, um eine soziale Bewegung für wirtschaftliche und politische Gerechtigkeit zu unterstützen.
„Aufstand an der Grenze“ ist ein fotografisches Projekt, das die Auswirkungen der globalen Wirtschaft von unten beleuchtet, insbesondere die Auswirkungen von neoliberaler Politik auf ArbeiterInnen und Gewerkschaften. In den letzten zwei Jahrzehnten ist der Lebensstandard der mexikanischen ArbeiterInnen gesunken, während die mexikanische Regierung unter dem Druck des Internationalen Währungsfonds und dem Programm der US-Regierung zur Rettung der Banken die niedrigen Löhne dazu benutzt, um ausländische Investoren anzulocken.
„Aufstand an der Grenze“ ist eine Bilderreihe, die mit der Dokumentation der Lebens- und Arbeitsbedingungen der ArbeiterInnen beginnt, die kurz hinter der US-amerikanischen Grenze in den Fabriken von Tijuana und auf den Feldern von Mexicali arbeiten. Die Bilder erzählen auch die Geschichte der ständigen Bemühungen, wirtschaftliche Gerechtigkeit von den Firmen einzufordern, die ihre Produktion dorthin verlagert haben, um die niedrigen Löhne auszunutzen.
Ein Höhepunkt des Widerstandes von ArbeiterInnen in den vergangenen drei Jahren war die Organisation der unabhängigen Gewerkschaft „6. Oktober“ in der Han Young Fabrik in Tijuana und die ständigen Streiks dort. Die Bilder dokumentieren eine Auseinandersetzung, die durch die enge Zusammenarbeit der Besitzer von Maquiladoras mit den Regierungsbehörden und regierungsnahen Gewerkschaften notwendig wurde.
Die Öffnung der mexikanischen Wirtschaft und das Vertrauen auf niedrige Löhne, um Fremdinvestitionen zu fördern, haben viele ArbeiterInnen gezwungen, mit ihren Familien in die USA zu wandern. Dieses Fotoprojekt bezieht auch ihre Erfahrung mit Arbeitsplätzen im Norden ein. Um in den USA soziale und wirtschaftliche Gerechtigkeit zu erringen, organisieren sich ArbeiterInnen sowohl wirtschaftlich, in ihrem Kampf um die Bildung von Gewerkschaften wie auch sozial, gegen Abschiebungen und einwanderungsfeindliche Hysterie.
Wir möchten uns sowohl bei David Bacon für die freundlich erteilte Abdruckerlaubnis als auch bei der IG-Metall in Frankfurt bedanken, die dessen instruktive Bilder in einem Ausstellungskatalog unter dem Titel: “Rebellion on the border” publiziert hat. Mit einem Teil dieser Bilderreihe haben wir den Schwerpunkt Gewerkschaften illustriert. Weitere Fotos und Texte bietet die Website: David Bacon: www.igc.org/bacon

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