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Cholera-Erreger aus Nepal?

Eine Untersuchung von Stuhl-, Blut- und Wasserproben durch das US-amerikanische Zentrum für Seuchenkontrolle (CDC) ergab, dass die in Haiti aufgetauchten Cholera-Erreger mit Stämmen identisch sind, wie sie in Südasien vorkommen. Im Verdacht stehen die UN-SoldatInnen aus Nepal. Sie könnten, so berichtete der haitianische Rundfunksender Radio Metropole, die Krankheit mit nach Haiti gebracht haben. Cholera kommt normalerweise nur bei einem geringen Teil der Infizierten zum Ausbruch. Das jetzige nepalesische Kontingent war erst vor Kurzem im Rahmen einer üblichen Rotation ins Land gekommen.
Schon kurz nach Ausbruch der Epidemie waren Gerüchte aufgetaucht, dass möglicherweise mit Cholera infizierte MitgliederInnen der Blauhelmtruppe aus Nepal die Seuche ausgelöst hätten. Deren Lager liegt in Mirebalais, nordwestlich von Port-au-Prince und somit in der Nähe eines Zuflusses des Artibonite. Die Mehrzahl der Cholera-Erkrankten soll Wasser aus diesem Fluss genutzt haben.
Das Lager der SoldatInnen sei erst im September mit einem geschlossenen Klärgrubenkreislauf ausgerüstet worden, heißt es in einer Erklärung der UN-Mission für die Stabilisierung Haitis (MINUSTAH). Es entspreche internationalen Umweltschutzvorschriften. Die Gruben würden wöchentlich geleert und mit Lastkraftwagen entsorgt. Die Deponie befinde sich 250 Meter vom Artibonite-Zufluss Meille entfernt, was internationalen Standards entspreche. Auch Wasserproben hätten keine Kontaminierung festgestellt.
Bisher haben Verantwortliche der in Haiti stationierten MINUSTAH Meldungen, die nepalesische UN-Truppe sei der Auslöser und trüge Verantwortung für den Krankheitsausbruch, kategorisch zurückgewiesen. Insgesamt sind in Haiti rund 7.800 SoldatInnen und 2.100 PolizistInnen stationiert. Das Untersuchungsergebnis des CDC bringt die UN-Verantwortlichen nun in Erklärungsnotstand. Zumal bekannt wurde, dass noch im Sommer in Nepal die Cholera grassierte. Ein Zusammenhang könnte bestehen – obwohl es derzeit keinen hundertprozentigen Beweis gibt.
Die Missstimmung dürfte sich noch weiter verschärfen. Immer wieder hatte es in den vergangenen Wochen Demonstrationen gegen die Anwesenheit ausländischer Truppen gegeben. In der Hafenstadt St. Marc machten DemonstrantInnen die fremden SoldatInnen für den Ausbruch der Seuche verantwortlich und forderten deren Abzug. Sie versuchten, ein Krankenhaus zu stürmen, in dem Cholera-Opfer untergebracht werden sollten, aus Angst vor einem Übergreifen der Seuche.
Die Sterblichkeit der Erkrankten ist inzwischen auf unter zehn Prozent gesunken. Allerdings habe die Ausbreitung der Krankheit ihren Höhepunkt noch nicht erreicht, warnte die Direktorin der Weltgesundheitsorganisation (WHO) Claire Chaignat in Genf. Mehr als 800 Menschenleben hat die Cholera in Haiti seit ihrem Ausbruch vor drei Wochen bereits gekostet. Weit über 11.000 Menschen gelten inzwischen als infiziert.

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