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Dreckige Spuren unter der Lupe

Milliarden mit Rohstoffen heißt das Buch der schweizer Menschenrechtsorganisation Multiwatch, in dem sie die Aktivitäten des Großkonzerns Glencore Xstrata unter die Lupe nimmt. Geplant war ursprünglich ein Titel, der deutlich darauf verwiesen hätte, wie diese Milliarden zustande kommen: Sehr oft mittels zweifelhafter Geschäftspraktiken. Doch der Konzern reagierte darauf mit einer Klageandrohung.
Das schweizer Unternehmen Glencore Xstrata entstand im Mai 2013 aus der Fusion der Konzerne Glencore und Xstrata. Beide waren vorher bereits miteinander verflochten: Glencore hielt mehr als 30 Prozent der Anteile an Xstrata. War Xstrata schon seit Längerem ein öffentliches, an der Börse notiertes Unternehmen, konnte Glencore bis zum Börsengang im Jahr 2011 in Verschwiegenheit agieren. Verschwiegenheit war auch der Grundsatz von Glencore und des Firmengründers Marc Rich. Zu seinen Kund_innen zählte unter Anderem der damalige Apartheidstaat Südafrika. Die Entwicklung der beiden Unternehmen seit ihrer Gründung zeichnet Milliarden für Rohstoffe im ersten Teil des Buches kompakt nach und widmet sich dort auch der Rolle der Schweiz als global bedeutsamer Drehscheibe des Rohstoffhandels.
Brauchte es einer letzten Bestätigung, was für ein Schwergewicht mit globaler Marktmacht mit Glencore Xstrata im Entstehen war, erfolgte diese durch die chinesische Wettbewerbsbehörde: Sie stimmte der Fusion nur unter der Bedingung zu, dass Glencore Xstrata ein großes, milliardenschweres Bergbauprojekt aus seinem Portfolio verkauft. Der „Riese unter Riesen“ gehört nun zu den fünf größten Bergbaukonzernen der Welt. Er nennt Bergwerke und Raffinerien auf allen Kontinenten sein Eigen, handelt global mit metallischen, energetischen und Agrarrohstoffen und bietet auch logistische Lösungen. Dabei entstehen Gewinne im zweistelligen Milliardenbereich. Eine der Grundlagen: Ein sehr hoher Anteil der Produktionsstätten befindet sich – so die Deutsche Bank in einer Studie – in äußerst korrupten sowie hoch konfliktreichen Ländern.
In Lateinamerika agiert Glencore Xstrata schwerpunktmäßig in Kolumbien, Peru, Chile und Argentinien. Da sind zum Einen die Kohleminen in Kolumbien, wo Glencore Xstrata massiv und entgegen bestehender Arbeitsrechte gegen die gewerkschaftliche Organisation von Arbeiter_innen vorgeht. Bei Streiks sind oftmals Entlassungen die Folge. Es sind auch die Kohleminen, in denen die Gesundheit der Arbeiter_innen aufs Spiel gesetzt wird, die Umwelt und Trinkwasserquellen verschmutzen und die Luft verpesten. Im Umfeld von Kupferminen in Peru finden sich in Wasser und Boden erhöhte Konzentrationen an Schwermetallen. Betroffen davon ist auch die Bevölkerung, bei der sich erhöhte Schwermetallwerte in Blut und Urin finden. Der Konzern zieht sich gern aus der Verantwortung und behauptet, Grenzwerte seien nicht überschritten oder es bestehe kein Zusammenhang mit dem Bergbau.
Es sind ernüchternde Berichte über die globalen Operationen des Konzerns und ihre Auswirkungen, denen sich der Hauptteil des Buches widmet. Hier und da taucht ein Fünkchen Hoffnung auf, wenn juristische Urteile den ansonsten allmächtig wirkenden Konzern in seiner Macht zu beschränken scheinen. Das Buch macht mittels der global ausgewählten Fallbeispiele deutlich, dass es sich bei den Konflikten um keine Einzelfälle, sondern eher um eine systemisch bedingte Begleiterscheinung der Konzerntätigkeit handelt.
Vielleicht hätte Milliarden mit Rohstoffen ein kurzes Kapitel gut getan, das Erfolge und Erfolgskriterien im Widerstand gegen den Konzern und Menschenrechtsverletzungen herausarbeitet. Wichtig ist das Buch aber allemal, im Sinne eines „alternativen Unternehmensberichtes“, der eine Widerrede zur unternehmenseigenen Nachhaltigkeits-PR bietet. Und wer sich engagieren möchte, findet im Abschlusskapitel kritische Perspektiven für den Widerstand – denn derartige Konzerne verdienen unsere Aufmerksamkeit.

MultiWatch (Hrsg.) // Milliarden mit Rohstoffen. Der Schweizer Konzern Glencore Xstrata // edition 8 // Zürich 2014 // 18,20 Euro // ww.edition8.ch

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