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Fit for Fair

Die CCC, eine Kampagne, an der sich Nichtregierungsorganisationen und Privatpersonen aus den unterschiedlichsten politischen Spektren beteiligen, prangert schon lange die schlechten Arbeitsbedingungen in Sportartikelfirmen und deren Zulieferern in der Dritten Welt an. Niedriglöhne von höchstens 180 Euro im Monat, Kameras sogar auf den Toiletten, unbezahlte Überstunden und fristlose unbegründete Kündigungen sind hier an der Tagesordnung. Die seit 1990 bestehende Clean Clothes Campaign fordert, dass ein von ihr selbst aufgestelltes Regelwerk von den Sportartikelherstellern unterzeichnet und durch eine unabhängige Kommission überwacht wird. Das Regelwerk enthält bestimmte Sozialstandards: Versammlungsfreiheit, Einhaltung der Arbeitsstunden, existenzsichernder Lohn, Verbot von Kinderarbeit und Zwangsarbeit sowie Diskriminierung und verschiedenes mehr.
Der Kongress sollte alle Beteiligten zusammenbringen: ManagerInnen, ArbeiterInnen, Gewerkschaften, Sportverbände, die Kampagne für Saubere Kleidung, PolitikerInnen und VerbraucherInnen diskutierten Konzepte, die menschenwürdige Arbeitsbedingungen möglich machen sollen. Diskussionspunkte waren vor allem die Frage nach der Kontrolle und die Aufgabe der Politik. Schwerpunktmäßig wurde Globalisierung zum Thema gemacht. Teilgenommen an den Debatten haben Vertreter der CCC, des Weltverbandes der IG Metall (die den Kongress auch finaziell unterstützt hat), der Katholischen Landjugendbewegung, der Evangelischen Studentengemeinde und von attac. Angereist waren zum Beispiel Sandra Ramos aus Nicaragua vom Movimiento de Mujeres (Frauenbewegung), und Sonia Lara Campos, Näherin aus El Salvador. Vertreter der Sportartikelhersteller waren unter anderem André Gorgemanns vom Weltverband der Sportartikelindustrie und David Husselbee von Adidas-Salomon.

Markenware und Menschenwürde

Es wurden verschiedene Workshops angeboten: Themen waren zum Beispiel die Fragen „Selbstverpflichtung oder Gesetzesinitiative – was bringt mehr?“ und „Markenware und Menschenwürde – Arbeitsbedingungen verbessern, aber wie?“
ArbeiterInnen schilderten ihren Arbeitsalltag. Im Hinblick auf die weitere Arbeit der Kampagne wurde über Globalisierung von unten diskutiert.
Im Laufe des Fit for Fair Kongresses wurden zwei Probleme deutlich: Viele große Unternehmen haben sich bereits einem Sozialstandard verpflichtet, der ILO (International Labour Organisation) oder FLA (Fair Labour Association). Diese Einigung scheitert jedoch oft daran, dass die Sozialstandards nicht gleich hoch sind und in einem Zulieferbetrieb (in dem ja die Arbeitsbedingungen am schlechtesten sind) oft mehrere Firmen produzieren, die Artikel aber von denselben ArbeiterInnen produziert werden. Da die verschiedenen (oft eher niedrigen Sozialstandards) in einem Unternehmen nicht zu koordinieren sind, wird meist gar kein Verhaltenskodex eingehalten.
Das zweite Problem ist die Kontrolle der Einhaltung der Sozialstandards. Nicht selten beauftragen Firmen eigene Leute mit der Kontrolle und entziehen sich so der Öffentlichkeit. Auch sind Kontrollen bis jetzt sehr unregelmässig und willkürlich.
Patentlösungen wurden in Köln keine ausgearbeitet. Ein Vorschlag kam von einer teilnehmenden Politikerin: Sie bot an, einen sogenannten Runden Tisch zu organisieren, an dem VertreterInnen der Sportartikelindustrie, Gewerkschaften, PolitikerInnen und ArbeiterInnen teilnehmen sollen. Hier könnten dann konkrete Lösungen erarbeitet werden.

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