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Kaffeekrise in Chiapas

Vier Kaffeekooperativen aus Griechenland (Syn Allois), Italien (Tatawelo), Frankreich (Échange Solidaire) und Deutschland (Kaffeekollektiv Aroma Zapatista), die zapatistischen Kaffee importieren, waren kürzlich in Mexiko und haben mit Kaffeekooperationen vor Ort und den zapatistischen Räten der Guten Regierung (Juntas del Buen Gobierno) gesprochen. Anfang Oktober kam die vierköpfige Delegation aus Mexiko zurück und berichtete über ihren Besuch. Leider gibt es keine guten Nachrichten: In Chiapas hat sich die Kaffeekrankheit La Roya (auch als Kaffeerost bekannt) sehr stark ausgebreitet. Die zapatistischen Kaffeekooperativen rechnen mit Ernteeinbußen bis zu 75 Prozent.
Der Pilz La Roya, der schon vor einigen Jahren in Mittelamerika große Teile der Kaffee-Ernten zerstört hatte, führt dazu, dass die Kaffeepflanzen ihre Blätter verlieren und die Kaffeekirschen vor der Reife abfallen. Die befallenen Pflanzen gehen ein. Die Bekämpfung des Pilzbefalls wiederum ist schwierig. Viel Zeit und Geld ist nötig, um die Pflanzen zu pflegen und von der Krankheit zu befreien. Wichtig sind gute Düngung, vermehrter Anbau von Schattenbäumen, das Einsammeln der kranken Blätter sowie das Behandeln der Pflanzen mit Mikroorganismen und Pilzen, die wiederum den Roya-Pilz bekämpfen und Pflanzen und Boden stärken. Zudem ist der Aufbau von zusätzlichen Baumschulen wichtig, um die abgestorbenen Pflanzen zu ersetzen.
Diese Maßnahmen sind kostspielig. Für die Zapatistas ist es eine fatale Situation: Auch wenn die Gemeinden vor allem Nahrungsmittel zur Selbstversorgung anbauen, sind die Kaffee-Kooperativen ein relevanter Faktor im zapatistischen Widerstand. Für viele sind die Einnahmen aus dem Kaffeeverkauf die einzigen Einkommen. Die ohnehin schwierige Lage verkompliziert sich aber noch zusätzlich: Durch eine Dürreperiode fiel die Mais-Ernte in diesem Jahr sehr gering aus. Viele sind somit gleich doppelt betroffen.
Die Einnahmen aus dem Kaffeeverkauf würden also gerade jetzt dringend gebraucht, um Mais dazuzukaufen. Durch die Kaffeekrise bahnt sich aber – vor allem in finanzieller Hinsicht – eine kritische Versorgungssituation in den Gemeinden an.
Um die zapatistischen compañer@s bei ihrem fortlaufenden Aufbau von Selbstverwaltungsstrukturen zu unterstützen – darunter fallen auch die Kaffeekooperativen – hat Aroma Zapatista eine Spendenkampagne ins Leben gerufen. Die Spenden werden für die notwendigen Maßnahmen zur Erhaltung der Kaffeepflanzen, sowie für die Unterstützung der von der Dürre betroffenen Gemeinden zur Verfügung gestellt.

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