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Licht im neoliberalen Dschungel

Enthusiastisch wie am ersten Tag
… Nicht die Perspektive der europäischen linken Denker war gefragt, sondern die Ansicht der Macher vor Ort. Damit hoben sich die Lateinamerika Nachrichten von anderen deutschen Publikationen zum Thema ab, und das Soliheftchen mutierte schrittweise zu einer angesehenen Fachzeitschrift, die man in den Redaktionen genausowenig entbehren konnte wie an den entsprechenden Universitätsfakultäten. Dies ging auch den Redakteuren in der DDR so, die zum Teil auf abenteuerlichen Wegen versuchten, einzelne Hefte zu bekommen. Über Westberliner Freunde wurden sogar kostenlose „Knast-Abo“ zugestanden, doch der Weg von einem Teil der Stadt in den anderen dauerte oft Wochen, da die Genossen von der Stasi kräftig mitlasen. …
Berliner Zeitung vom 26. Juni 1998

Licht im neoliberalen Dschungel
… Die klassenkämpferische Rhetorik der früheren Ausgaben wich in den achtziger Jahren zunehmend einer differenzierten und sich selbst stärker hinterfragenden Schreibhaltung – eine Veränderung, die damals keinesfalls konfliktfrei vonstatten ging. Seit der Abwahl der Sandinisten in Nicaragua 1990 befindet sich die Solidaritätsbewegung in einer tiefen Krise. Die LN thematisieren die Orientierungsschwierigkeiten im „neoliberalen Dschungel“. …
Freitag vom 26. Juni 1998

Sieg im Volkssport
… Die LN haben sich als eine der wichtigsten „Dritte Welt“- Zeitschriften etabliert, und die Redaktion kann sich sogar über steigende Auflagen freuen. Die Entwicklung ist auch dem Umstand zu verdanken, daß sie sich neben der weiterhin ausführlichen politischen Berichterstattung zunehmend kulturellen Themen geöffnet hat. In kaum einer anderen Zeitschrift wird so umfangreich über lateinamerikanische Filme, Kunst und Literatur berichtet und über den Fußballstar Romario. Aus dem Sieg im Volkskrieg wurde nichts, Pinochet sitzt immer noch im chilenischen Parlament. Aber vielleicht siegt Lateinamerika im Volkssport, und Brasilien gewinnt auch diesmal wieder die WM.
jungle world vom 10. Juni 1998

Ein echtes Phänomen
… Keine Frage, die in Berlin produzierte Monatszeitschrift Lateinamerika Nachrichten ist ein echtes Phänomen. Sie hat es geschafft, auch nach dem Abebben der Solidarbewegung für Lateinamerika in den 70er Jahren zu überleben. Die Zeitschrift, einst als Chile-Nachrichten gegründet, hat längst bewiesen, daß sie ein ernstzunehmendes Hintergrund- und Informationsblatt ist. …
Tagesspiegel vom 25. Juni 1998

Erst waren es nur ein paar kopierte Seiten
Das Fest war so ausdauernd wie die Zeitschrift. Von Samstag nachmittag bis in die späte Nacht feierten die LN ihren Fünfundzwanzigsten mit hunderten Gästen und einem bunten Kulturprogramm. Das Achtelfinalspiel zwischen Brasilien und Chile ließ die passende Woge lateinamerikanischer Solidarität in den Mehringhofin Berlin-Kreuzberg schwappen. …
taz vom 29. Juni1998

Felicidades
… Erfeulich ist, daß die Lateinamerika Nachrichten im Zuge der allgemeinen Desorientierung und Resignation nach 1990 nicht der Depression anheimfallen, sondern weitermachen. Die neue Unübersichtlichkeit geht an dem Blatt aber auch nicht spurlos vorbei: Mit wem können wir solidarisch sein?, fragen sich Zeitung(en) und Bewegung(en). Statt eindeutiger Antworten überwiegen jetzt eher offene Fragen: Was kann heute Sozialismus sein, welche Motive liegen hinter unseren internationalistischen Aktionsformen, wie ist das Verhältnis von Solidarität und Paternalismus – diese Fragen diskutiert man in der Solibewegung oder dem, was davon übrig ist, und in der LN. Wir jedenfalls wünschen für die nächsten 25 Jahre viel Elan und Esprit zum Weitermachen. …
ak vom 2 Juli 1998

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