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UNERMÜDLICHE KÄMPFERIN

Denken wir an Berta Cáceres, dann sehen wir sie als erstes auf einem Pickup mit einem Megafon, inmitten einer Demonstration, wie sie kämpferisch ruft: „La tierra no se vende, la tierra se defende!“ – Das Land verkauft man nicht, das Land verteidigt man! Sie war nicht nur die unbestrittene Führungspersönlichkeit der indigenen Organisation COPINH (Ziviler Rat der Völker und Indigenen von Honduras), sondern auch eine unermüdliche, kompetente und motivierende Kämpferin vieler sozialer Bewegungen in Honduras. Nach dem Putsch von 2009 musste sie zeitweise im Untergrund leben, weil die Morddrohungen gegen sie immer zahlreicher wurden. Als Mitbegründerin von COPINH wählten sie die mehr als 200 indigenen Lenca-Gemeinden zur Generalkoordinatorin. In dieser Rolle förderte sie Basisdemokratie und Partizipation. Junge Frauen und Männer trugen im Leitungsteam von COPINH gemeinsam mit den Älteren die Verantwortung für den politischen Widerstand gegen die zerstörerischen Umweltprojekte der honduranischen Regierung.
„Wann auch immer Berta in die Gemeinden kam, wurden spontane Versammlungen einberufen“, berichten Paola Reyes und Domingo Marin, internationale Menschenrechtsbeobachter*innen, die COPINH 2013 und 2014 begleiteten. „Sie war eine mitreißende Rednerin, die komplexe Inhalte in einfachen, aber klaren Worten erklären konnte. Ganz gleich, ob sie über den Artikel 169 der Internationalen Arbeitsorganisation oder den Zusammenhang zwischen Minenkonzessionen und Privatisierung der Flüsse sprach. Dabei hat sie es verstanden, den Lenca zu vermitteln, dass sie stolz auf ihre Identität sein können, auf ihre Weltsicht und Lebensweise, ihren Widerstand gegen Rassismus und gegen die Ausbeutung der Natur.“
Berta Cáceres selbst schöpfte Kraft aus ihrer tiefen Verwurzelung in der Kultur der Lenca und ihrer spirituellen Verbindung zu Land und Natur. Zuletzt kämpfte sie gegen die Errichtung des Wasserkraftwerkes Agua Zarca am Fluss Gualcarque, ein Kampf gegen die Oligarchie ihres Landes, gegen transnationale Unternehmen und internationale Banken. Dieser Fluss ist für die Lenca heilig: „Nach unserer Kosmovision wird er von femininen Geistern bewohnt, sie verkörpern die Spiritualität, sie schenken und bewahren Leben“, betonte Berta Cáceres, als sie 2015 den renommierten Goldman Umweltpreis entgegennahm.
Geprägt wurde sie in ihrer Kindheit und Jugend von der Arbeit ihrer Mutter Austra Bertha Flores, Hebamme und zeitweise Bürgermeisterin in La Esperanza. Das repressive politische Klima im Honduras der 1980er Jahre und die Situation der vor dem Krieg in El Salvador Geflüchteten beeinflussten sie. Als junge Erwachsene wurde sie zur Aktivistin gegen eine US-amerikanische Militärbasis. Sie engagierte sich in den sozialen Kämpfen in Honduras und in anderen Ländern, mit den Mapuche gegen Staudämme oder beim Kampf um Autonomie in Kurdistan. Nicht zuletzt durch diese internationale Ausrichtung inspirierte sie Menschen auf der ganzen Welt.
Berta Cáceres hinterlässt vier Kinder. Tausende begleiteten ihren Sarg in Tegucigalpa und trugen sie in La Esperanza zu Grabe. Der Welt hinterlässt sie die Mahnung, die Zerstörung der Umwelt aus Profitgier zu beenden: „Lasst uns erwachen, Menschheit, wir haben keine Zeit mehr!“

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