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WAS GEHT ES UNS AN?

Was haben wir mit Lateinamerika zu tun? Mehr als man denkt, könnte man lapidar antworten. Eine vielschichtige und dezidierte Auseinandersetzung mit der Frage bieten die Bildungsmaterialien Fokuscafé Lateinamerika vom
Informationsbüro Nicaragua e. V. Die umfangreiche Box beinhaltet Werkhefte zu den Themen Klimawandel und Umweltkonflikte, Wirtschaft, Kolonialismus und Migration. Zusätzlich gibt es eine Handreichung sowie eine DVD mit ergänzendem Material. Die insgesamt fünf Hefte richten sich nicht nur an Bildungsschaffende oder Multiplikator*innen für Globales Lernen, sie sind auch für thematisch Interessierte sehr lesenswert. Die darin vorgestellten Methoden, Materialien und Hintergrundinformationen sind für die Umsetzung von Bildungseinheiten mit Teilnehmenden im Alter von 14 bis 27 Jahren gedacht. Die Ziele bestehen darin, für globale
Themen zu sensibilisieren und dazu anzuregen, globale und gesellschaftliche Machtverhältnisse zu hinterfragen.
Globales Lernen beginnt beim Entgrenzungsprozess der Globalisierung und der damit einhergehenden Komplexität. Am Beispiel des Lernbausteins zum – häufig nur national gedachten – Thema Kohle wird dies deutlich. Durch eine interaktive und partizipative Methodenausrichtung erarbeiten sich die Teilnehmer*innen ihre Wissensgrundlage, sie setzen sich mit Auswirkungen des Kohleabbaus sowie mit Protest- und Widerstandsformen auseinander und ziehen eine Querverbindung zum vorherrschenden Konsumverhalten. Damit wird eine Vertiefung in das Thema angeregt, bei der nicht nur Kolumbien im Zentrum steht, sondern
auch weltweite ökologische und gesellschaftliche Dimensionen des Kohleabbaus angesprochen werden. Ein Element, bei dem der direkte Lebensweltbezug der Teilnehmenden deutlich wird, ist die Erstellung einer Nachrichtensendung. Die Aufgabe der Lernenden ist es hier, Verbindungen zwischen dem Steinkohleabbau in Kolumbien und der Energieversorgung in Deutschland aufzuzeigen. Zur Auswertung der Lernbausteine sind die in den Heften angebotenen Reflexionsebenen hervorzuheben, die nicht nur auf die Evaluation einer Wohlfühlatmosphäre abzielen, sondern den Teilnehmenden in der Auswertung der Lernprozesse Tiefe und Selbstreflexion abverlangen. Anwender*innen werden mit den äußerst durchdachten methodischen und didaktischen Hinweisen sowie mit dem Verweis auf Fallstricke, die beim Durchführen der Bildungseinheiten auftreten können, sehr gut auf die Veranstaltungsdurchführung vorbereitet. Was die Hefte darüber hinaus so wertvoll und lesenswert macht, ist die Offenheit, mit der die Autor*innen ihren eigenen Arbeits- und Lernprozess bei der Erstellung der Werkheftbox beschreiben. Die Leser*innen bekommen damit eine Idee davon, welche besondere Bedeutung es im Globalen Lernen hat, die eigene Position und die damit verknüpften gesellschaftlichen und weltweiten Machtstrukturen zu überdenken. Die Werkheftbox Fokuscafé Lateinamerika zeigt anschaulich und lebensnah, dass Globales Lernen mehr sein kann als ein bloßes Bildungskonzept, nämlich eine Lebenseinstellung.

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