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Was tun gegen Kinderarbeit?

Am 17. Juni diesen Jahres wur-
de von der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) in Genf die Konvention 182 zur Beseitigung der schlimmsten Formen der Kinderarbeit verabschiedet. Sie richtet sich vor allem gegen die Schuldknechtschaft, die Kinderprostitution und -pornographie, den Einsatz von Kindern im Drogenhandel und gegen gesundheitsschädigende Arbeiten. Doch abschaffen kann die ILO die Kinderarbeit so auch nicht. Im Gegenteil: Das generelle Verbot der Kinderarbeit ist in den letzten Jahren, auch mangels überprüfbarer Einhaltung, zunehmend in die Kritik geraten. Für eine ganz andere Art der Unterstützung der Kinder wirbt die Werkmappe von der Christlichen Initiative Romero aus Münster.
Grundsätzlich stehen sich zwei Positionen gegenüber. Zum einen wird die vollständige Abschaffung der Kinderarbeit durch Verbote und internationale Sanktionen gefordert. Hinter dieser Auffassung stehen neben der ILO auch fast alle Gewerkschaften, vereinzelt auch UnternehmerInnen aus den Industrieländern, um lästige Konkurrenz aus der 3. Welt auszuschalten. Dagegen wollen die Organisationen arbeitender Kinder aus der 3. Welt, aber auch einige nicht-staatliche Kinderrechts- und -hilfsorganisationen, ein Recht auf Arbeit in Freiheit und Würde für Kinder. Das bezieht übrigens auch die Kinder in Deutschland mit ein.

Achten statt ächten
Was auf den ersten Blick wie ein Rückschritt ins 19. Jahrhundert daherkommt, scheint auf den zweiten Blick nicht ganz abwegig. Die Argumentation ist einfach. Wenn das derzeitige Weltwirtschaftssystem mit der damit einhergehenden Massenarmut beibehalten wird, ist die Abschaffung der Kinderarbeit nur illusorisch. Verbote und Sanktionen treiben die arbeitenden Kinder und Jugendlichen verstärkt in die Illegalität. Internationale Unterstützung hingegen würde den Handlungsspielraum der arbeitenden Kinder erweitern, sie als aktive Subjekte anerkennen und so zu etwas besseren Arbeitsbedingungen führen, die eher mit ihrer Kindheit vereinbar wären.
Eine spannende Debatte also, die hier selbstverständlich nicht in allen Facetten nachgezeichnet werden kann. Wer einsteigen möchte in diese Kontroverse und gleichzeitig Materialien für die Bildungsarbeit sucht, kann in dieser Werkmappe sehr gut fündig werden. Neben zahlreichen Informationen, Hintergrundartikeln, Daten und Fakten finden sich in der Handreichung viele didaktische Hinweise zur Erarbeitung und eigenen Positionsfindung. Einige Materialien sind aufbereitet als Vorlagen für Overhead-Folien, Texte aus verschiedenen Perspektiven regen zur Diskussion an. Es wäre wünschenswert, gerade diese Kontroverse noch weiter auszubauen. Allerdings kann man sich in den zahlreichen Literatur- und Medienhinweisen sowie bei den aufgeführten Internet-Adressen noch weitere Infos besorgen.

Christliche Initiative Romero ( Hg.): Arbeitende Kinder achten statt Kinderarbeit ächten, Werkmappe für die Bildungsarbeit. Münster 1999, 47S. DIN-A4, 12,- DM.
Zu beziehen über: CIR, Frauenstr. 3-7, 48143 Münster, Tel.: 0251/89503, Fax: 0251-82541, e-mail: ci-romero@oln.comlink.apc.org

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