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Ami-Weizen Go Home

Ägypten befindet sich nach Einschätzung des Internationalen Getreiderates (London) auf dem Weg, mit einer Nachfrage von 6,5 Mio. Tonnen im laufenden Wirtschaftsjahr weltweit der größte Importeur von Weizen zu werden . Bereits jetzt ist der nordafrikanische Staat die Nummer 2 hinter Japan im Weizenimport aus den USA.
Das ägyptische Gesundheitsministerium hatte kürzlich eine Verordnung (Decree 242) erlassen, die für eingeführte Agrarprodukte (commodities) den Nachweis verlangt, daß bei ihrer Erzeugung keine Gentechnik im Spiel war. Diese Verordnung wurde Mitte Juli 1997 bekannt – kurz nachdem Meldungen über mögliche Exporte amerikanischen Weizens nach Ägypten die Weizenpreise ansteigen ließen. Nun wäre es für die USA ein leichtes Unterfangen die gewünschte Bescheinigung auszustellen, denn der amerikanische Weizen ist „gentechnikfrei“. Gentechnisch veränderter Weizen ist in den USA wie auch anderswo auf der Welt kommerziell noch nicht verfügbar, obgleich von der US-amerikanischen Firma Monsanto bekannt ist, daß sie Gentechnik-Weizen mit Resistenz gegen den Pilz Fusarium bzw. mit Herbizidresistenz entwickelt. Auch sind bereits Freisetzungsversuche mit Gen-Weizen bekannt geworden: 1995 in Chile mit herbizidreistentem Weizen und sechs in der EU mit transgenem Weizen. Auch wurde im Januar 1997 das erste Weizen-Patent an Norvatis Seeds für ein Verfahren, um Weizen gentechnisch zu verändern, vergeben.

Handelskrieg gegen die EU

Die Clinton-Adminstration befindet sich gerade mit der EU im Vorfeld eines neuen Handelskrieges. Die Pläne für die Durchführungsbestimmungen der kürzlich verabschiedeten Novel Food Verordnung der EU wie auch die durchgeführte Änderung des Anhanges III der EU-Freisetzungsrichtline 90/220/EWG stoßen auf die schroffe Ablehnung der USA. Seit Ende Juli müssen gentechnisch veränderte Lebensmittel durch ein Label oder Begleitdokument als gentechnisch verändert ausgewiesen sein, ferner ist eine getrennte Lagerung bzw. Behandlung der Gentechnikware von der nicht gentechnisch veränderten Ware in der Diskussion. Für die USA, die in der Vergangenheit in vielen Umweltbereichen eher ein Vorreiter in Sachen Produktinformation und öffentlicher Zugang zu Informationen waren (z.B. Freedom of Information Act, Toxic Release Inventory), ist jegliches Labelling oder Getrennthalten (Segegration) von Gentechniklebensmitteln ein Handelshemmnis. Wenn nun neben der EU und Japan auch ein Land wie Ägypten anfängt, für den Handel mit gentechnisch veränderten Organismen oder daraus hergestellten Lebensmitteln Regeln aufzustellen, schwächt dies die Position der Nordamerikaner und eröffnet einen neuen „Kriegschauplatz“.
Für US-Landwirtschaftsminister Dan Glickman entwickelt sich die Debatte um Kennzeichnungspflicht und getrennte Lagerung zum ersten erbitterten Kampf in der Landwirtschaft des 21. Jahrhunderts: „This is really shaping up to be the first battle royale of 21st century world agriculture“, wie er in einer Rede Anfang Juli vor dem Washington Commodity Club, einer Gruppe von Agrobusiness-Lobbyisten, ausführte.
Doch Ende August 1997 war dann die Aufregung so schnell vorbei wie sie entstanden war. Stolz konnte Glickman verkünden, daß er die ägyptischen Bedenken über die Gentechologie zerstreuen und in Verhandlungen den nordafrikanischen Staat davon überzeugen konnte, daß importierte, gentechnische veränderte Agrarprodukte, die in ihren Ursprungs- bzw. Anbauländern zugelassen sind, ohne Kennzeichnungspflicht nach Ägypten eingeführt werden können.

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