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Anstelle eines Nachrufs

Leopoldo ist tot. Ich traf ihn zum letzten Mal vor seinem endgültigen Weggang aus Berlin nach Heidelberg, und eigentlich kann ich seinen Tod noch nicht richtig glauben. Ich erinnere ihn als einen quicklebendigen, oftmals chaotischen Menschen, immer auf Achse, der sich für viel mehr Dinge interessierte, als er selbst bearbeiten konnte. Er war offen für Experimente, konnte die Grenzen seiner eigenen Fähigkeiten akzeptieren und bereitwillig auch von anderen lernen. Darin unterschied er sich auch von vielen, die wir als Dozenten an den Universitäten kennenlernten. Er hörte nie mit halbem Ohr zu, hatte Spaß daran, mit StudentInnen zu sprechen, war ohne Allüren. Leopoldo gehörte nicht zu den scheinbar kumpelhaften Dozenten, die in Wahrheit lediglich wenig Arbeit mit den Studis haben wollen. Als Dozenten habe ich ihn kennengelernt, einen kleinen Ausschnitt nur aus seinem Leben. Als er sich bei der Alternativen Liste um die Ausarbeitung eines Konzeptes für ein “Landesamt für Entwicklungszusammenarbeit” kümmerte, und wie andere an der verwaltungstechnischen Umsetzung politischer Gedanken fast verzweifelte, hörte ich Menschen über ihn schimpfen. Es sei doch nicht pragmatisch, was er vorschlug. Er sei eben ein Akademiker, der von den Niederungen der Verwaltung keine Ahnung habe. Vielleicht. Vielleicht aber ist es auch das, was Leopoldo neben aller Politik zu dem schätzenswerten Menschen machte, als der er mir in der Erinnerung bleibt.
Bernd Pickert

Eine meiner ersten Erinnerungen an Leopoldo liegt in einem Kellerraum des Lateinamerika-Instituts. Nach einem Film über die Verschuldungskrise wurde für Uni-Verhältnisse lebhaft diskutiert. Im Gegensatz zu anderen Seminaren nahmen einige Lateinamerikaner teil. Daß Leopoldo der Dozent war, wurde mir erst klar, als er die Filmrollen zusammenpackte. Eine meiner letzten Erinnerungen liegt in einem Café im lärmenden Buenos Aires, wo wir aufgeregt unsere Ideen austauschten, bis Leopoldo aufsprang, weil er gerade einen Termin verpaßte.
Leopoldo war einer der ungewöhnlichen Dozenten, weil er so herzlich und fehlbar war, kein bißchen einschüchternd, und weil er sich und mich und andere immer wieder für Themen, für Politik, für Lateinamerika begeistert hat.
Meine Erinnerungen sind lange her. Ich habe damals immer vergessen zu fragen, warum er nach Deutschland gekommen ist.
Karin Gabbert

Mein Interesse an der politischen Situation in Argentinien führten mich 1984 in ein Seminar von Leopoldo Mármora. Er war mir auf Anhieb sympathisch, mit seinem argentinischen Akzent, Bart und Brille, hinter der die lebhaften Augen sein persönliches Engagement verrieten. Zugleich war er immer jemand, der anderen zuhören konnte, neuen Ideen offen gegenüberstand und seine eigenen Positionen ohne Arroganz vertrat. Er hat mir die Entwicklungstheorien und die Geschichte seines Landes nahegebracht und mich ermutigt zum Studium nach Buenos Aires zu gehen. Seitdem haben mich Argentinien und Lateinamerika nicht mehr losgelassen. Leopoldos Beiträge zur entwicklungspolitischen Diskussion haben unsere Diskussionen immer wieder bereichert. Seine herzliche Art und seine Solidarität werde ich nicht vergessen.
Veit Hannemann

Was mir bei dem so ungenügenden Versuch,
an deinen Tod zu denken, hilft,
ist zu wissen,
daß du das Leben geliebt und gelebt hast –
mit so viel Energie, Freude und Intensität,
einer Kraft, die du auch anderen gegeben hast,
wenn sie in deiner Nähe waren.
Du hast daran geglaubt und dafür gelebt,
gemeinsam mit anderen etwas von dem Unerträglichen,
das es heißt, in dieser falschen Welt zu leben,
ändern zu können,
und das ist es, was weiterlebt in mir –
dein herzliches Lachen und der Optimismus,
daß wir es schaffen können, wenn wir es wollen.
R.H.

Leopoldo Mármora

– te recordaremos como hombre consecuente y solidario.

Die Argentiniengruppen
– Koordination –

Petra Rohde, Berlin

Carlos Flaskamp, Köln  

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