Bereit für den Kampf
Der Dokumentarfilm The Gospel of Revolution würdigt die Gläubigen, die durch das Evangelium zum Widerstand bewegt wurden

„Befreiungstheologie ist keine Theorie, sondern Praxis“, erklärt die Schriftstellerin und Chronistin María López Vigil und beschreibt eine katholische Kirche, die sich weigerte, die Armen im Stich zu lassen. Anhand hervorragenden Archivmaterials und rührender Interviews mit Ikonen der lateinamerikanischen Theologie und Revolutionseschichte, darunter López Vigil selbst, erzählt The Gospel of Revolution die Geschichte von Kirchenmitgliedern, die revolutionäre Bewegungen unterstützen. In vier Kapiteln stellt der französische Filmemacher François-Xavier Drouet mutige Lateinamerikaner*innen vor, die sich zusammen mit unterschiedlichen Gruppen innerhalb der katholischen Kirche gegen Ungleichheit und Autoritarismus erhoben. Der Film beginnt mit El Salvador als anschauliches Beispiel für die revolutionäre Umsetzung dieses radikalen Ansatzes des christlichen Glaubens in den 1980er Jahren. Wir folgen einem belgischen Priester, der zum Guerillakämpfer wurde, sowie rebellischen Katechetinnen, inspiriert vom Evangelium.
In El Salvador werden wir auch zum ersten Mal mit der brutalen Verfolgung der Anhängerinnen der Befreiungstheologie konfrontiert, die wiederum als Treibstoff für den Aufstand dient.
Zur selben Zeit suchen die revolutionäre Gesellschaft und Regierung in Nicaragua die Nähe zur katholischen Kirche, werden vom Vatikan jedoch scharf zurückgewiesen. Die Zurechtweisung von Papst Johannes Paul II. gegenüber den rebellischen nicaraguanischen Priestern gilt als wichtiger Rückschlag für die Sandinist*innen. Die Utopie Nicaraguas, die vier Jahrzehnte später in Tyrannei ausartete, markiert das bittere Ende eines hoffnungsvollen Kapitels in der Geschichte Lateinamerikas. In Mexiko beleuchtet Drouet die Transformation der Religion in Chiapas.
Jahrhunderte lang diente sie der brutalen Unterdrückung der Indigenen Bevölkerung, bevor sie sich zu einer Verbündeten der Rebellion entwickelte. Brasilien wiederum tritt in mehrfacher Hinsicht in Erscheinung: Als historische Hochburg der Befreiungstheologie, die den Widerstand gegen die Militärdiktatur prägte und Bewegungen gegen Unterdrückung Kraft verlieh; als Herkunft eines ihrer wichtigsten Vertreteri*nnen, Leonardo Boff; und schließlich als Schauplatz für die aktuelle Verbreitung evangelikaler Kirchen, die einen deutlichen Gegensatz zu dem zutiefst politischen Christentum im Rest des Films bilden. Drouet ergänzt die Kapitel durch persönliche Reflexionen über seinen Glauben. Diese Einschübe wirken jedoch wie ein Fremdkörper und stehen im Widerspruch zum kollektiven Geist der porträtierten Protagonistinnen. Die eigentliche Kraft des Films entfaltet sich, wenn er sich ihnen widmet. Drouet gelingt es, ihre Geschichten zu würdigen, ohne sie zu idealisieren, indem er ständige Niederlagen einem unerschütterlichen Optimismus gegenüberstellt. „In diesem System werden wir immer verlieren, aber wir werden kämpfen“, fasst es Pater Júlio Lancelotti zusammen. Trotz Unterdrückung, Martyrium und Verrat kämpfen die besiegten, aber treuen Revolutionär*innen weiter.



