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Das grüne Gold

Mate ist für die meisten seiner Konsumenten mehr als nur ein Getränk. Der stark konzentrierte, bittere Sud der Yerba-Mate-Blätter, der durch einen metallenen Strohhalm (bombilla) aus einem speziellen becherartigen Gefäß (mate) gesogen wird, ist vor allem in Argentinien, Uruguay und Paraguay, aber auch in Teilen Chiles und Brasiliens fester Bestandteil der Alltagskultur. Aroma des Südens ist eine von sehr wenigen deutschsprachigen Veröffentlichungen über Brauch und Gebrauch des Mates.
Die Guaraní tranken Mate schon lange bevor sie die Spanier entdeckten. Nicht zuletzt wohl auch wegen seiner positiven Eigenschaften. Er vertreibt Hunger und Müdigkeit und soll sogar gut für die Haut sein. In einer Zeit, in der Schlankheit, Schönheit und Leistungsfähigkeit vielerorts wie eine heilige Dreifaltigkeit verehrt werden, sollte einer steilen Karriere des Mate also eigentlich nichts im Weg stehen. Dennoch gehört der Mate nicht gerade zu den berühmtesten kulturellen Eigenarten Lateinamerikas. Und in unseren Breiten und Längen wird er in absehbarer Zeit wohl auch kein Importschlager werden. Denn irgendwie entspricht die Teetradition nicht so recht dem europäischen Zeitgeist. Zum einen braucht man für einen Mate wesentlich mehr Zeit und Ruhe, als für einen Coffee to go. Zum anderen trinkt die ganze Runde gemeinsam aus ein und derselben bombilla. Undenkbar vor allem hierzulande, wo viele Menschen, nicht erst seit den großen Grippepandemien, Flaschenhälse abwischen, bevor sie den Mund als Zweite ansetzen.
Für alle, die den bitteren Geschmack des Mates dennoch mögen und einen Sinn für gesellige und entschleunigende Rituale haben, gibt es nun das Büchlein Aroma des Südens mit dem etwas hölzernen Untertitel „Das kleine Buch zu Mate“. Darin trägt die Autorin Margarita Barretto viel Wissenswertes über das bittere Heißgetränk zusammen. Von der Zeremonie über die notwendigen Zutaten und Gerätschaften, bis hin zur Geschichte des Mate und deren Verarbeitung in Mythen und Folklore. Auf 80 Seiten, die auch viele Darstellungen enthalten, erfahren die LeserInnen, dass der Yerba-Mate-Baum nur alle drei bis vier Jahre geerntet werden kann, die fertige Yerba im 19. Jahrhundert als „grünes Gold“ zur Bezahlung von Tagelöhnern diente und dass, wer sich für einen Mate bedankt, in der nächsten Runde ausgelassen wird.
Leider war die Autorin offenbar vor allem auf Vollständigkeit bedacht. Sehr sachlich und systematisch wird das Thema von Anfang bis Ende abgehandelt. So heißt es in einem insgesamt eher überflüssigen Kapitel über den Wasserkessel: „Die sogenannten Pfeif- oder Flötenkessel verfügen über eine Dampfpfeife, die beim Ausströmen von Dampf einen Ton erzeugt. Heute stehen uns auch elektrische Wasserkocher zur Verfügung“. Auch eine Aufzählung der über 21 chemischen Bestandteile der Yerba-Mate bleibt den LeserInnen nicht erspart.
Doch wer aufmerksam über inhaltliche Längen und sprachliche Holprigkeiten hinweg liest, entdeckt auch die eine oder andere Anekdote, wie beispielsweise die von der Erfindung des „hygienischen“ Mate um 1920. Das Ensemble bestand aus einem abwaschbaren Wasserglas, anstelle der sonst typischen Gefäße aus Kalebassen oder Holz, einem ebenso leicht zu reinigenden Aluminiumsieb und einer bombilla mit abnehmbaren Mundstücken. Eines für jeden Teilnehmer und jede Teilnehmerin der Runde. Aufgrund des Migrationshintergrundes seiner Erfinder wird dieser Mate auch „deutscher Mate“ genannt.

Margarita Barretto // Aroma des Südens – Das kleine Buch zu Mate // Schmetterling Verlag// Stuttgart 2009 // 80 Seiten // 14,80 Euro // www.schmetterling-verlag.de

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