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Die Gewinne denen, die den Kaffee anbauen…

Nun hat sich die Situation ja gründlich geändert. Nicaragua wird seit 1990 von konservativen Kräften (die Regierungsbeteiligung der FSLN sei hier mal vernachlässigt) regiert, die willfährig die Politik von IWF und Weltbank durchführen. Dabei ist Privatisierung das Zauberwort, Sozialdemontage soll ein Wirtschaftswunder einleiten.
Im Kaffeebereich stand die Rückgabe der enteigneten Betriebe an die alten BesitzerInnen auf dem Programm der Regierung. Dagegen setzte die ATC (LandarbeiterInnengewerkschaft) ihr Konzept der arbeiterInneneigenen Betriebe (APT). Dieses Modell ähnelt dem einer Aktiengesellschaft, wobei die ArbeiterInnen AktienhalterInnen sind, aber jede Person bei der Generalversammlung nur eine Stimme hat. Das Unternehmen hat bei Verkauf der Aktien ein Vorkaufsrecht. (Für weitere Information seien zwei Broschüren zum APT vom Informationsbüro Nicaragua, Postfach 101320, 42013 Wuppertal empfohlen.) Nach heftigen Konflikten mit der Regierung und früheren EigentümerInnen wurde schließlich erreicht, daß von den 132 staatlichen Betrieben die ArbeiterInnen 36, Ex Contras 21 und entlassene Armeeangehörige 19 erhielten. Der Rest wurde an die ehemaligen BesitzerInnen zurückgegeben, ein Teil aber ist nach wie vor besetzt. Als Kaufpreis für die 36 Betriebe wurden ca. 6 Millionen US $ vereinbart, die über 10 Jahre abzuzahlen und mit 7 Prozent zu verzinsen sind. Dies entspricht ca. einem Drittel bis einem Viertel des “Marktwertes”. Zudem gelten folgende “Rabattregelungen”:
Bis zum 30.3.94 zählt jeder gezahlte US $ wie 2 US $, es gibt also einen Rabatt von 50 %. Danach fällt der Rabatt jedes Jahr, erst auf dreißig Prozent, dann auf fünfzehn. Für Zahlungen ab dem vierten Jahr gibt es keine Ermäßigungen mehr.
Besagte Kaffeebetriebe, die sich zwischenzeitlich zu “Agrocafé S.A.” zusam-mengeschlossen haben, traten nun mit verschiedenen möglichen Kreditgebern in Kontakt, während gleichzeitig auch die Chancen diskutiert wurden, die Betriebe besetzt zu halten und die Landtitel zu “erkämpfen”, dies vor allem unter Berücksichtigung eines möglichen Wahlsieges der FSLN im Jahre 1996. Letzteres wurde verworfen, da es für die weitere Entwicklung des APT wichtig ist, “daß sich die ArbeiterInnen auch als EigentümerInnen fühlen”.
Schließlich betreiben reaktionäre Kräfte eine systematische Arbeit, um den APT zu destabilisieren. Also doch – unter völlig veränderten Bedingungen – das Land denen, die es bebauen?

Das Darlehensmodell

Wir von Ökotopia haben uns zusammen mit “Fairhandeln” aus Kiel das Ziel gesetzt, bis zum 20.3.93 einen Kredit von 250.000 US $ für Agrocafé aufzutreiben. Dies ist der Wunsch von Agrocafé! Die Entscheidung ist nicht leicht gefallen, schließlich gibt es genügend Fragen und Unwägbarkeiten: Inwieweit wird mit der Konzentration der ATC auf den APT (oh, diese Abkürzungen) deren Interessenvertretung für Landlose, Arbeitslose und Beschäftigte im privaten Sektor geschwächt? Wie verhält sich die ATC zu Entlassungen in den selbstverwalteten Betrieben? Inwieweit handelt es sich beim APT wirklich um ein partizipatives Modell? …. dies und noch viel mehr galt und gilt es zu bedenken. Außerdem haben wir eben den “alternativen Kaffeeberg” (LN berichtete) überlebt – sollten wir nun also schon wieder eine zusätzliche Verpflichtung eingehen?
Nach Abklärung der vielen rechtlichen Fragen ergibt sich jetzt folgende Situation:
I H R gebt mindestens DM 3000,- als Darlehen. Die Anlagedauer ist zwischen 1 und 5 Jahren wählbar, die Zinsen betragen maximal 6 Prozent. Das Währungsrisiko (der Kredit lautet ja auf US $) trägt der/ die Darlehensgeber/in. Als Vermittler- und Clearingstelle hat sich die Gruppe “Fairhandeln! e.V.”, Kirchhofallee 14, 24103 Kiel, Tel. 0431/671008 zur Verfügung gestellt. Als Sicherheit dient eine Abnahmegarantie der MITKA (ein Zusammenschluß von alternativen Kaffeegruppen, u.a. Ökotopia), die sich verpflichtet, während der nächsten fünf Jahre Kaffee zu garantierten Mindestpreisen von 132 US $/46 kg von Agrocafé zu beziehen (zum Vergleich sei hier der aktuelle Weltmarktpreis von ca 75 US $ erwähnt). Agrocafé tritt die jeweils fällige Zins- und Tilgungsumme an die MITKA ab, die sie an “Fairhandeln!” weiterleitet. “Fairhandeln!” ihrerseits übernimmt die Zins- und Tilgungsverwaltung und erhält dafür von Agrocafé ein Prozent der Gesamtdarlehenssumme. Agrocafé zahlt also insgesamt 7 Prozent Zinsen.
Weitere Informationen und die Darlehensverträge sind bei “Fairhandeln!” (Adresse siehe oben) zu erhalten.
Nach diesen komplizierten, aber hoffentlich verständlichen Ausführungen bleibt für uns eigentlich nur noch zu sagen: Gebt Darlehen und kauft NICAKAFFEE! Schließlich müssen wir den abgenommenen Kaffee auch verkaufen. Als besondere Empfehlung geben wir dieses Mal:
Zarter Sandino: entsäuert, magenfreundlich, supergut! Das 5kg Paket kostet 104,90 zzgl Porto – und wenn Ihr mehr nehmt (z. B. als VerteilerIn) wird’s noch günstiger. Ach ja – wer’s noch nicht weiß – der Kaffee ist 12 Monate haltbar.

Hans Häge/Ökotopia, Gneisenaustr.2a, 10961 Berlin, Tel:030/6911077

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