«

»

Artikel drucken

Die Insel und das Exil

Seit 18 Jahren lebt der Schriftsteller Fernando Terry im Exil, als ihn aus Kuba eine unverhoffte Nachricht seines alten Freundes Álvaro erreicht. „Endlich gibt es eine heiße Spur“, heißt es darin, „Ich glaube, wir wissen jetzt, wo Heredias verschwundene Manuskripte sind.“ José Maria Heredia ist ein im Jahre 1803 in Santiago de Cuba geborener Poet, über den Fernando einst eine „unglückselige Doktorarbeit“ verfasst hat. Die Spur zur verschollenen, politisch womöglich heiklen Autobiografie des Dichters bringt ihn dazu, erstmals wieder nach Kuba zu reisen – mit einem Visum für 30 Tage.
Im Original bereits 2002 erschienen, liegt Leonardo Paduras Roman Die Palme und der Stern nun in deutscher Übersetzung vor. Endlich, denn es ist eines der besten Bücher des Erfinders der Mario Conde-Krimis und diesjährigen Preisträgers des spanischen „Prinzessin von Asturien“-Preises. In drei Handlungssträngen erzählt Padura von der Rückkehr und Suche Fernandos, dessen früherem Leben in Kuba und dem Lebensweg Heredias.
In Havanna macht sich Fernando nicht nur auf die Suche nach dem Manuskript und einer Antwort auf die Frage, warum dieses nie veröffentlicht worden ist, sondern wird auch mit seinem früheren Leben konfrontiert. Er trifft auf seine alten Freund*innen, von denen er bis heute nicht weiß, wer ihn damals verraten hat. Der Kampf für die Unabhängigkeit Kubas, Sklavenhaltung, Freimaurerei, kubanische Literaturgeschichte und die Rolle von Kritik unter spanischer wie sozialistischer Regierung sind nur einige der Themen dieses großen Romans. Es sind nicht weniger als zwei Jahrhunderten kubanischer Geschichte, aus denen Padura auf mehreren Ebenen erzählt.

Permanentlink zu diesem Beitrag: https://lateinamerika-nachrichten.de/artikel/die-insel-und-das-exil/