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Die stählernde Grenze USA-Mexiko

Der Beginn der konsequenten Abschottung der Grenze seitens der USA reicht bis in die 60er Jahre zurück. Zunächst wollte man damals unkontrollierte Wanderungsbewegungen mexikanischer Landarbeiter einschränken.
Die erste bedeutende Auswanderungswelle mexikanischer und zentralamerikanischer MirantInnen Richtung USA begann Anfang der 80er Jahre. Ausschlaggebend war dafür in Mexiko die Einführung eines neoliberalen Wirtschaftsmodells, das zu einem Abbau von Arbeitsplätzen und dem Sinken der Reallöhne führte. Die Verschlechterung der Lebensverhältnisse wurde durch die mexikanische Schulden- und Wirtschaftskrise noch verstärkt. Aus Zentralamerika kamen vor allem Bürgerkriegsflüchtlinge.
Diesen Migrationsbewegungen versuchten die USA 1986 mit einem neuen Gesetz, dem IRCA, zu begegnen. Nach diesem Gesetz sollten die bis zum 1. Januar 1982 ohne Dokumente eingewanderten MigrantInnen einen legalen Status erhalten, während für alle anderen eine härtere Abschieberegelung eingeführt wurde. Zudem wurden die Grenzkontrollen durch Aufstockung der Border Patrol (Grenzpolizei) massiv verschärft. Auch die Suche nach „Illegalen“ im US-Binnenland weitete sich aus.
Seit den 90er Jahren hat sich die Lage für MigrantInnen noch verschlechtert: Undokumentierte Personen in den USA wurden weitgehend entrechtet, Einwanderungskontingente (zum Beispiel zur Familienzusammenführung) stärker begrenzt und die Grenzanlagen weiter aufgerüstet. Allein zwischen 1993 und 1999 verdreifachte sich das Budget des INS (Immigration and Naturalization Service) auf 4,2 Milliarden US-Dollar. Dieses Geld floss vor allem in Operationen, die den illegalen Grenzübertritt so schwer wie möglich machen sollten. An gefahrlos zu überquerenden Stellen wurden so beispielsweise Stahlwände errichtet. Zusätzlich wurden mit den Operationen „Blockade“, „Safe-guard“ und „Gatekeeper“ die Zahl der GrenzbeamtInnen auf Rekordniveau angehoben und gezielt an Übertrittspunkten in der Nähe von Großstädten (Tijuana, El Paso, Nogales) eingesetzt, von wo aus die meisten MigrantInnen ihren Übertrittsversuch starten.
Dies alles dient der Abschreckung, da nur noch lebensgefährliche Übertrittspunkte wie ausgedehnte Wüstenregionen und der Rio Bravo (in USA Rio Grande) übrig bleiben. Die MigrantInnen, die den Weg dennoch wagen, kommen meist nicht sehr weit . Am Ende resignieren auch sie.
Der zu erwartende Anstieg an Todesfällen wird dabei als „Kolla-teralschaden“ in Kauf genommen. Jährlich sterben inzwischen circa 400 MigrantInnen an der US-Grenze. Sie ertrinken im Fluss, verdursten in der Wüste oder kommen bei gefährlichen Schlepperaktionen ums Leben. So etwa im Mai diesen Jahres, als 18 MigrantInnen in einem LKW-Anhänger erstickten (siehe LN 348). Lebensgefahr droht den MigrantInnen auch seitens paramilitärischer Gruppen in den USA, die wortwörtlich „Jagd“ auf die Einwanderer machen. Regelmäßig werden Leichen mit Kopfschüssen oder Schüssen in den Rücken auf US-Grenzgebiet gefunden. Auf mexikanischem Territorium werden MigrantInnen hingegen verstärkt Opfer von Überfällen von Banden, die es auf ihr Hab und Gut abgesehen haben. Dies alles konnte aber die Zahl der illegalen Grenzübertritte de facto nicht verringern; sie haben sich dadurch nur weiter zerstreut.
In Mexiko wird in den letzten Jahren immer mehr die Forderung laut, ein verbindliches Einwanderungsabkommen mit den USA zu treffen. Selbst Mexikos Präsident Vicente Fox fordert mittlerweile Aufenthaltsgenehmigungen für die vier Millionen illegal in den USA lebenden MexikanerInnen. Als erste Verbesserung gibt es seit neustem einen Ausweis, der sie als mexikanische MigrantInnen kenntlich macht, und mit dem sie in einigen US-Bundesstaaten auch einen Führerschein beantragen können. Für alle, die sich überlegt haben, die Grenze illegal zu überqueren, gibt es ein vom mexikanischen Konsulat in Kalifornien herausgegebenes kleines ABC, das beschreibt, was man dabei zu beachten hat und wie man in den USA möglichst unauffällig bleibt.

Viele interessante Informationen rund um mexikanische MigrantInnen gibt es in der wöchentlichen Internetbeilage der mexikanischen Tageszeitung La Jornada: www.jornadasinfronteras.com

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