„Die Straßenecke gehört denen, die an ihr arbeiten”
Interview mit Elvira Madrid über Ausbeutung und Sexarbeit vor der Fussball-Weltmeisterschaft in Mexiko
Fußball-WM in Mexiko-Stadt
Das Büro der Brigada Callejera befindet sich im Viertel La Merced im Zentrum von Mexiko-Stadt, wo laut Zahlen der Organisation auf dem 18 Kilometer langen Tlalpan-Boulevard Richtung Süden über 3.500 Sexarbeiter*innen tätig sind. Im Zuge der Vorbereitungen auf die FIFA-Weltmeisterschaft hat die Stadtverwaltung dort eine neue Fahrradspur eröffnet – mit dem Ziel, Straßenverkäufer*innen und Sexarbeiter*innen zu vertreiben. Gegen die WM gibt es Proteste: Betroffene von Vertreibung, nach Vermissten suchende Mütter und Studierende prangern eine Verschlechterung ihrer Lebensstandards an: Es gebe Engpässe in der Wasserversorgung, illegale Räumungen sowie Immobilienspekulation und steigende Mieten, touristische Wohnungen würden bevorzugt (siehe LN 622).
Sexarbeit in Mexiko
Laut Zahlen der Brigada Callejera sind 95 Prozent aller Frauen, die Sexarbeit betreiben, alleinerziehende Mütter. Drei Viertel der Sexarbeiter*innen sind cis Frauen, 20 Prozent trans Frauen und 5 Prozent cis Männer. Seit der COVID-19-Pandemie ist die Zahl der Sexarbeiter*innen, die auf offener Straße arbeiten, exponentiell von 7.500 auf 15.000 gestiegen. Im Bericht „Indikatoren der geschlechtsspezifischen Gewalt in der Arbeitswelt der Sexarbeiter*innen in Mexiko“ beschreibt die Organisation detailliert, dass der Staat die Mehrheit der geschlechtsspezifischen Gewalt gegen Sexarbeiter*innen selbst ausübt.

