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Wir brauchen ein neues Layout – aber…

Unsere Nummer 400 wollen wir feiern – darin waren wir uns alle einig. Seit 1973 erscheinen die Lateinamerika Nachrichten (ehemals Chile-Nachrichten) regelmäßig. Geplant, produziert und auch verschickt von einem nach wie vor unentgeltlich arbeitenden Redaktionskollektiv. Ist das nicht genug Grund zur Freude?

Eigentlich ja. Aber wir wollten noch eins draufsetzen. Für die 400. Ausgabe haben wir es nun pünktlich geschafft, ein neues Layout umzusetzen. Denn dass der LN ein neues Erscheinungsbild „eigentlich“ gut zu Gesicht stünde, das hat im Kollektiv der Lateinamerika Nachrichten schon lange niemand mehr abgestritten. Auch von außerhalb hatte es einen Anstoß gegeben: 2005 wurden uns die letzten regelmäßigen Zuschüsse gestrichen. Eine der Begründungen dafür: unser unzeitgemäßes Layout!

Wir brauchten also ein neues. Im Grunde zumindest. Denn das „aber“ kam immer direkt danach: „Aber…wer soll das machen?“ – „Aber…legen unsere LeserInnen nicht sowieso mehr Wert auf den Inhalt? – „Aber…auf keinen Fall darf Platz für den Inhalt verloren gehen.“
Dieses Für und Wider ist nichts Neues bei LN. Über die letzte Layoutumstellung 1998 schrieb ein damaliges Mitglied der Redaktion: „Die Fans eines sorgfältig gestalteten Layouts sahen sich indessen immer dem Generalverdacht ausgesetzt, die Form höher zu bewerten als den Inhalt.“ Und 1990 war in einer Kurzcharakteristik der LN zu lesen: „Die äußere Aufmachung, das Layout, ist viel schlechter als ihr Inhalt. Zwar wollen und können wir keine Glanzdruck-Illustrierte werden, aber auf die Dauer ist es doch bedenklich, wenn wir uns von einem technischen Niveau abkoppeln, das inzwischen allerorten erreicht wird“.
Und so stellte sich auch in den vergangenen Monaten immer wieder die Frage nach der Form – und dem Inhalt. Bedeutet ein modernes Layout auch weniger Platz für Text und Informationen? Ist eine weißere Variante des Altpapiers weniger gut, nur weil sie nicht auf den ersten Blick in politisch korrektem Grau daherkommt? Heißt eine zeitgemäße äußere Aufmachung auch, mit den Werten der Zeit unkritisch umzugehen?
Selbstverständlich ist und bleibt uns die Vermittlung von Inhalten wichtiger als deren visuelle Aufmachung. Doch sollen sie zugleich ansprechend vermittelt werden.

Veränderungen bringen zwar oft erst einmal Ungewissheiten mit sich und sicher auch immer die Aufgabe von Altbewährtem und Liebgewonnenem – aber meist eben auch viele Vorteile. Bessere Übersichtlichkeit, Lesbarkeit und Bildqualität sind in diesem Fall die Vorteile. So denken wir zumindest. Und die kollektiven Prozesse? Auch die wurden und werden vom neuen Layout keinesfalls beeinträchtigt – im Gegenteil. Zwar haben wir uns entschlossen, den Entwurf unseres neuen Outfits professionellen Graphikerinnen zu überlassen – und sagen wir professionell-solidarischen, denn sonst hätten wir uns das gar nicht leisten können. Dennoch wurde jedes noch so kleine Entwurfsdetail wie gewohnt kollektiv diskutiert und beschlossen. Und im Resultat ist das neue Layout kollektiver als das alte. Denn durch einfachere Prozesse und klarere Vorgaben können es in Zukunft noch mehr Menschen schnell lernen und umsetzen.
Ein echter Zugewinn also für die Lateinamerika Nachrichten – sowohl für die Redaktion als auch für die LeserInnen, letzteres hoffen wir zumindest!

PS: Damit uns Eure/Ihre Meinung auch endlich wieder einmal direkt erreichen kann, haben wir dieser Ausgabe eine LeserInnenumfrage beigelegt. Wir würden uns sehr freuen, wenn Ihr Euch/Sie sich die Zeit nehmen würdet/würden, um unsere Fragen zu beantworten und den Fragebogen an uns zu schicken, zu faxen oder ihn direkt im Internet auszufüllen. Damit auch noch weitere 400 und mehr Ausgaben der Lateinamerika Nachrichten erscheinen, die Euch, Ihnen und uns gefallen!

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