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Eine Erfolgsgeschichte der besonderen Art

1979 als Karnevalsvereinigung gegründet hat Olodum einen entscheidenden Anteil an der kulturellen Rückbesinnung der Schwarzen auf ihre eigenen Wurzeln und der Entstehung einer politisch starken Schwarzenbewegung in Bahia und in ganz Brasilien. Der Name Olodum leitet sich von “Olodumare” ab, dem “Gott des Himmels und des Lebens” der westafrikanischen Yoruba.
Heimisch ist die Gruppe im Pelourinho, einem Altstadtviertel von Salvador und ehemaliges Zentrum des brasilianischen Sklavenhandels. 80 Prozent der Bevölkerung von Salvador de Bahia sind Schwarze; die Kultur und die Religion der Stadt sind geprägt von den afro-brasilianischen Wurzeln ihrer BewohnerInnen. Olodum wandelte sich dort nach den Worten einer Zeitschrift der Fundaçao Getúlio Vargas “von einer Afrogruppe, die anfänglich von vielen als ein Haufen von Prostituierten, Drogensüchtigen, Schwulen und Straßenhändlern gesehen wurde” zu einem “Wirtschaftsunternehmen und gleichzeitig einer starken Kulturbewegung, die für die Renovierung und die Aufwertung des Pelourinho kämpft”.
Mit über 1000 festen Mitgliedern macht Olodum im historischen Zentrum der Zwei-Millionen-Metropole Salvador, der Hauptstadt der Schwarzen Brasiliens ) sozio-kulturelle Arbeit in allumfassendem Sinne. Olodum betreibt eigene soziale und pädagogische Einrichtungen, wie Theater- und Tanzgruppen, ein Büro- und Versammlungshaus, ein Lokal, eine Boutique, Werkstätten, eine Schule und eine Zeitung. Nach eigenen Angaben der Gruppe beziehen über vierzig Prozent der BewohnerInnen des Pelourinho und des angrenzenden Maciel siebzig Prozent ihres Einkommens im Zusammenhang mit den regelmäßigen öffentlichen Auftritten Olodums.
Die Mitglieder von Olodum suchen auf allen Ebenen Erfolg zu erringen, auf denen die schwarze Bevölkerung diskriminiert wird: in der Artikulierung ihrer eigenen Kultur und eines eigenen Selbstbewußtseins, in der aktiven Teilhabe am ökonomischen Prozeß und in der politischen Vertretung ihrer Interessen. Gerade diese Vielschichtigkeit macht die Arbeit der “Grupo Cultural Olodum” nicht nur in Brasilien zu einer Ausnahmeerscheinung.
“Die einzige NGO, die auch Musik macht”, so der Leiter von Olodum, Joao Jorge, kann im Juni/Juli in verschiedenen deutschen Städten “ao vivo” erlebt werden. Ihrem Anspruch entsprechend werden sie auch über ihre soziale und politische Arbeit im Pelourinho und darüber hinaus informieren. Das Berliner Konzert findet am 4. Juli im Tempodrom statt. Am 5. und 6. Juli gibt es einen Workshop in der Ufa-Fabrik und eine politische Informationsveranstaltung (Ort bitte der Tagespresse entnehmen).

Hier der Tourneeplan von Olodum (Stand 16.6.93; Änderungen möglich):
1.7. Hamburg, Fabrik; 3.7. München, Muffathalle; 4.7. Berlin, Tempodrom sowie 5. und 6.7. Workshop, Ufa-Fabrik; 7.7. Kiel, MAX Music Hall; 9.7. Den Haag, North Sea Festival; 15.7. Amsterdam; 16.7. Köln, Live-Music-Hall; 17.7. Kassel, Kulturzelt Kassel; 18.7. Mainz, KUZ; 19.7. Oldenburg, Schloßplatz; 20.7. Nijmegen; 21. und 22.7. Nürnberg; 23.7. Zürich; 24.7. Nyon, Paleo-Festival; 25.7. Freiburg, Jazz-Haus; 27.7. Dresden; 29.7. Jena, Kulturarena.

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