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„Es war viel Geduld, aber auch Druck nötig.“

Worin besteht Ihre Arbeit?

Meine Arbeit besteht in der Durchführung von Bildungskampagnen, dem Schutz und der Aufzucht von Schildkröten, Leguanen und Kaimanen sowie der Wiederaufforstung des Mangrovenwaldes. Und natürlich muß das Naturschutzgebiet durch Patrouillen überwacht werden.

Was ist die traditionelle ökonomische Grundlage der Menschen dieser Region?

Vor allem Fischerei, Ackerbau und Holzwirtschaft, inzwischen auch ein bißchen Tourismus.

Werden die Maßnahmen zum Schutz der Reptilien akzeptiert?

Ja, weil sie erkannt haben, daß nur der Schutz der Schildkröten zu einem dauerhaften Gelderwerb führen kann. 1977 wurde Monterrico zum Naturschutzgebiet erklärt, die Zuchtstation 1982, als erste in Guatemala, aufgebaut. Es war viel Geduld, aber auch Druck nötig. Ich schätze, daß über 60 Prozent der Bevölkerung die Maßnahmen unterstützen.

Welches sind die kurzfristigen Ziele Ihrer Organisation?

In erster Linie geht es der Universität San Carlos, die dieses Projekt verwaltet, um die Bewußtmachung der Bedeutung von ökologischen Schutzmaßnahmen, die Erhöhung der Akzeptanz in der Bevölkerung und natürlich die Ausweitung der Aufzuchtstation. Und selbstverständlich sehen wir im Tourismus eine Möglichkeit, Geld für die Menschen und das Projekt herzuholen.

Gibt es finanzielle oder wissenschaftliche Unterstützung durch internationale Organisationen?

Nein, unsere Finanzmittel erhalten wir durch Spenden und eigene Aktionen, wie zum Beispiel den Verkauf von Postkarten und die „Patenschaften“ bei den Freilassungen. Zwar haben hier in der Vergangenheit manchmal Studenten gearbeitet, im Rahmen eigener Forschungen, aber direkten und kontinuierlichen Austausch mit anderen Wissenschaftseinrichtungen gibt es nicht. Leider. Wir werden zwar zu Kongressen ins Ausland, vor allem nach Mexiko, Belize und Costa Rica eingeladen, aber aufgrund unserer finanzieller Beschränkungen konnten wir noch nie dort teilnehmen.

Warum gibt es kein generelles Verbot, Schildkröteneier zu sammeln?

Für die Ärmsten ist das Sammeln der Schildkröteneier oft die einzige Erwerbsquelle. Denn dafür braucht man kein Boot, kein Netz, keine Angel, eben gar nichts. Aber obwohl sich einige nicht an die Gesetze halten, konnte wir in diesem Jahr die Zahl der ausgesetzten Schildkröten verdoppeln.

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