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Für Chile immer engagiert

1970 ging Peter Simon als Lehrer an die deutsche Schule in Concepción in Chile. Auf der Hinreise per Schiff begann er, Spanisch zu lernen. Als er dort ankam, war der Sozialist Salvador Allende gerade Präsident geworden. Peter engagierte sich sehr schnell politisch, gemeinsam mit dem Pfarrer Helmut Frenz und anderen, bei den Landbesetzern des Campamento Lenin. Diese suchten nach Orten zum Überleben und besetzten ein brachliegendes Gelände, um dort ihre Hütten aufzubauen. Zur Zeit der Unidad Popular unter Präsident Allende hatten diese Menschen gute Chancen, ihr Leben besser gestalten zu können, doch nach dem Putsch im September 1973 änderte sich die Situation schlagartig. Peter wurde als „Umstürzler und Kommunist“ verhaftet. Mit Hilfe von Vertretern der deutschen lutherischen Kirche in Chile, Helmut Frenz und Fritz Wirnsberger sowie anderen Freund_innen, kam er wieder frei und musste im Oktober 1973 sofort das Land verlassen.
Zu diesem Zeitpunkt lernten ich, und mit mir viele andere an Chile interessierte Menschen in Berlin, ihn kennen. Seine Wohnung in Friedenau wurde ein Treffpunkt für die Chile-Solidarität, ein Ort für Information und Austausch, ein Ort, wo die Exilchilen_innen, ob von MIR oder von Izquierda Cristiana, ein und aus gingen. Viele von uns begannen zu der Zeit, in dieser Wohnung, bei seiner chilenischen Frau Cristina oder anderen Chilen_innen Spanisch zu lernen, auch um den aus ihrem Land Geflohenen eine Verdienstmöglichkeit zu schaffen. Peter nahm die Arbeit im Berliner Schuldienst wieder auf, er war dann bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1998 an der Martin-Buber-Gesamtschule in Spandau als Deutsch- und Englischlehrer tätig. Nebenher aber, oder vielmehr hauptsächlich, war er immer in der Chile-Solidarität aktiv. Im Chile-Komitee in Berlin engagierte er sich sofort nach seiner Rückkehr und blieb dabei, solange es existierte.
Bei den Lateinamerika Nachrichten war er über viele Jahre dabei, schrieb Artikel über die politischen Entwicklungen in Chile. Er las hier in Berlin chilenische Zeitungen auch schon zu Zeiten, als sie noch nicht online verfügbar waren und konnte deshalb immer die neuesten Tendenzen mitteilen und kommentieren. Wenn sein Namen langjährigen LN-Leser_innen nicht geläufig sein sollte, dann mag das daran liegen, dass er immer das Prinzip des kollektiven Projekts vertrat und sich dafür einsetzte, dass die Artikel nicht mit den Namen von Autor_innen versehen werden sollten.
Etwa Ende der 1990er Jahre, als wieder ein Generationenwechsel bei den LN stattfand, begann er, sich dort fremd zu fühlen. Er reduzierte seine Tätigkeit und gab sie schließlich auf, blieb aber immer ein treuer Leser.
Nach Chile fuhr Peter regelmäßig, um seine dort lebende Tochter und die Enkel zu sehen und um zu schauen, wie sich die Demokratie entwickelte. Dieses Jahr hatte er vor, im November zu reisen. Dazu ist es nun nicht mehr gekommen.

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