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„Für die Leute hört das nie auf“

Was genau geschah am 25. Juli?
Wir haben im Haus einer Frau übernachtet, die Concepción heißt. Das Haus ist etwa eine halbe Stunde von der Gemeinde entfernt. Concepción hatte die Verfolgung und die ständigen Drohungen seitens der Bergbaufirma angezeigt, mit der das Unternehmen erreichen wollte, dass sie ihr Land verkauft.
Am nächsten Morgen ging unsere Gastgeberin früh aus dem Haus. Als sie um 8.30 Uhr zurückkehrte, warnte sie uns, dass bewaffnete Männer in der Gemeinde seien und es sich bei ihnen möglicherweise um Sicherheitsleute der Firma Minerales Victoria handele. Eine halbe Stunde später kamen zehn mit Gewehren bewaffnete Männer. Ihre Augen waren gerötet und ihre Gesichter wirkten seltsam, wie unter Drogeneinfluss. Mit ihnen kamen zwölf oder 13 Arbeiter der Bergbaufirma mit ihren Macheten und umstellten das Haus.
Daniel und ich gingen hinaus. Die Männer zielten mit den Gewehren auf uns und begannen uns zu sagen, dass wir hier nichts zu suchen hätten, dass wir die Arbeit in der Mine behindern würden. Sie fragten uns viele Male, weshalb wir versuchen würden, uns zu verstecken, ob wir Kommunisten wären.Sie luden ihre Gewehre und zielten dabei ständig auf uns.

Was geschah dann?
Plötzlich tauchten weitere Arbeiter der Firma auf. In diesem Moment bemerkten wir, dass das Haus von mehr als 40 mit Macheten und Gewehren bewaffneten Männern umstellt war.
Ungefähr eine Stunde lang versuchten wir, die Situation zu entschärfen. Die angeblichen Sicherheitskräfte wurden trotzdem immer nervöser und kamen näher. Sie sagten uns, wir sollten den Ort hier verlassen und mit ihnen gehen. In diesem Moment überkam mich die Angst, was uns wohl passieren könnte. Schließlich nahmen wir unsere Sachen und sie zwangen uns, eine halbe Stunde auf einem unbefestigten Weg zu laufen, bis wir an einen Ort kamen, wo ein Auto wartete. Die Arbeiter versuchten höflich zu uns zu sein, während die Wächter mit ihren Waffen auf uns zielten.

Wer war in dem Fahrzeug?
Es war ein Fahrzeug der Firma. Im Fahrzeug war eine Person, die ein Ingenieur derselben Firma gewesen sein könnte und Wilfredo Funes, ein Bewohner der Gemeinde, der schon immer das Bergbauprojekt unterstützt hatte, stieg ein. Hinten im Auto saßen mehrere bewaffnete Männer.
Sie ließen den Motor an und sagten zu uns, dass wir nicht in die Gemeinde zurückkehren würden, weil uns etwas Schlimmes passieren könnte. Wir versuchten, mit ihnen zu reden und fragten sie, wer sie geschickt habe. Sie gaben uns indirekt zu verstehen, dass es der Unternehmer Lenir Pérez sei. Schließlich ließen sie uns in der Gemeinde Nueva Florida heraus und mit Hilfe von Cofadeh und Proah gelang es uns, nach Tegucigalpa zurückzukehren.

Hast du zu irgendeinem Zeitpunkt gedacht, dein Leben sei in Gefahr?
Die bewaffneten Männer waren außer Kontrolle und wirkten sehr seltsam, nervös, und so als würde es sie überhaupt nicht interessieren, was gerade passiert und was mit unseren Leben geschieht. Danach hörten wir die Gewehrsalven. In diesem Moment dachte ich, sie würden uns erschießen und dass es auf ein Massaker in der Gemeinde hinauslaufen könnte.
Trotzdem, meine größte Sorge ist, was die Menschen dieser Gemeinde durchmachen. Für uns waren es zwei Stunden Terror. Aber für die Leute hier hört das nie auf. Es ist ihr Alltag.
In diesem Sinne müssen wir diese Entführung nutzen, um national und international anzuzeigen, was in dieser Region vor sich geht. Ich spüre in mir eine große Wut und das wird uns Kraft geben, um unsere Arbeit fortzusetzen.

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