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In revolutionärer Mission

In dem Prozess wegen des Überfalls auf die Kaserne von Moncada, äußerte der spätere Revolutionsführer Fidel Castro in seiner Verteidigungsrede erstmals öffentlich seine Vorstellungen über die Beziehungen eines revolutionären Kubas zum Rest der Welt: “Die Unterdrückten und Verfolgten dieser Erde sollen im Land Martís immer Asyl, Brüderlichkeit und Brot finden.“ Nach Übernahme der Macht im Jahr 1959 hatten die barbudos die Chance, den Worten Taten folgen zu lassen. Und so geschah es: angetrieben und inspiriert durch den leidenschaftlichen Internationalisten Che Guevara wurde die Solidarität mit der Dritten Welt Leitmotiv der kubanischen Außenpolitik. In den sechziger Jahren begann eine Epoche, in der revolutionäre Bewegungen und Regierungen in Asien, Afrika und Lateinamerika mit massiver Unterstützung aus Havanna rechnen konnten. Afrika, das sich im Prozess der Entkolonialisierung befand, wurde dabei als zentrales Schlachtfeld im Kampf für einen internationalen Sozialismus und gegen den Imperialismus ausgemacht.
Im Dezember 1964 hielt der damalige kubanische Industrieminister Guevara in New York eine Rede vor der UNO-Vollversammlung. Umfassend ging er auf die neokoloniale Intervention im Kongo und die Ermordung des Ministerpräsidenten und Revolutionärs Patrice Lumumba ein. „Alle freien Menschen auf der Welt müssen dazu beitragen, das Verbrechen im Kongo zu rächen“, apellierte er an die UN-Delegierten aus aller Welt.

Das wichtigste Schlachtfeld

Nach seiner Rede reiste er nach Algerien, wo zwei Jahre zuvor die Nationale Befreiungsfront FLN unter Ben Bella die Unabhängigkeit von der französischen Kolonialmacht erkämpft hatte. Algerien war das erste afrikanische Land, welches von der Solidarität der neuen Machthaber in Kuba profitieren konnte. Bereits im Jahr 1960 war eine Hilfssendung mit Waffen und Medizin bei den Nordafrikanern eingegangen. In Algier traf sich Che mit der Witwe von Frantz Fanon, der mit seinem Buch Die Verdammten dieser Erde eine der theoretischen Grundlagen für den Befreiungskampf der Dritten Welt geschaffen hatte und bei afrikanischen Revolutionären großen Einfluss genoss. Während ihrer Unterhaltung ließ Che eine Bemerkung fallen, die auf seine geheimen „Pläne“ hindeutete. „Afrika stellt ein, wenn nicht sogar das wichtigste Schlachtfeld dar. Es liegen große Erfolgsmöglichkeiten in Afrika, aber auch viele Gefahren.“ In den darauffolgenden drei Monaten besuchte Che verschiedene Länder Afrikas. Dort traf er mit den führenden Vertretern der afrikanischen Befreiungsbewegungen zusammen, die teilweise bereits an die Macht gelangt waren, so wie Ben Bella in Algerien, Alphonse Massemba Debat in der Volksrepublik Kongo, Kwame Nkrumah in Ghana und Julius Nyerere in Tansania. Bei den Gesprächen ging es hauptsächlich um Möglichkeiten für die Unterstützung der jungen, unabhängigen Staaten durch Kuba. Die Reise ermöglichte ihm auch ein Treffen mit dem Führer der angolanischen Revolution, Agostinho Neto. Im Auftrag Castros bot er ihm die Entsendung kubanischer Guerilla-Ausbilder an und überreichte eine handsignierte Ausgabe seines Buches Der Guerilla-Krieg.
Während seines Aufenthaltes in Tansania traf er auch Laurent Kabila, der als Anführer der kongolesischen Volksbefreiungsarmee (Armeé Populaire de Libération) das Marionettenregime von Tchombé stürzen wollte, um so den Kampf des ermordeten Lumumba fortzusetzen.

Das afrikanische Vietnam

Als Che Guevara nach Kuba zurückkehrte, stand sein Entschluss bereits fest. Er wollte unbedingt in den Kongo zurückkehren, um den Aufbau einer Guerilla zu unterstützen. Da die politische Situation in seinem Heimatland Argentinien, wo die Diktatur durch eine zivile Regierung abgelöst worden war, und auch in anderen Ländern Lateinamerikas zu dieser Zeit keinerlei Anhaltspunkte für die Schaffung eines „revolutionären Fokus“ boten, fiel seine Wahl auf Afrika. Castro unterstützte ihn bei diesem Vorhaben. Nicht etwa weil er so begeistert von Ches revolutionärem Elan war, sondern weil er verhindern wollte, dass die Situation durch ein unbedachtes Abenteuer in Lateinamerika außer Kontrolle geraten würde. Che, der sich nicht unbedingt durch seine Fähigkeit zur rationalen Abschätzung von Gefahren und Erfolgsaussichten einer militärischen Operation auszeichnete, war nicht der Einzige, dem das damalige Zaire als eine günstige Wahl erschien. Die linke Regierung der benachbarten Volksrepublik Kongo in Brazzaville hatte Kuba um Hilfe gegen das reaktionäre Regime in Kinshasa gebeten. Es existierte bereits ein ausgedehntes Gebiet, das von der Guerilla kontrolliert wurde, Waffen waren durch massive chinesische und sowjetische Lieferungen keine Mangelware und die strategische Lage im Zentrum Afrikas hätte besser nicht sein können. Die Vorrausetzungen für ein „afrikanisches Vietnam“, wie es Che gerne nannte, waren scheinbar gegeben. Auch auf die Warnung des ägyptischen Präsidenten Nasser, als Weißer einen schwarzen Befreiungskampf anführen zu wollen, versuchte Che einzugehen. Der schwarze Revolutionsveteran Víctor Dreke wurde damit beauftragt, eine afrokubanische Kampftruppe zusammenzustellen und auszubilden. Dreke wurde auf Ches Wunsch auch der Anführer der hochgeheimen Operation, während sich der Initiator derselben mit dem dritten Rang in der Hierarchie begnügte. Daher rührte auch der Deckname von Che in Afrika: „Tatu” bedeutet „Drei“ auf Suaheli. Am 2. April 1965 begann die erste internationalistische Mission, die von Kuba ausging. Schnell mussten die Kubaner feststellen, dass die kongolesische Befreiungsbewegung sehr zerstritten war und es keine besondere Kampfbereitschaft seitens der einheimischen Bevölkerung gab. Zudem bekam es die Truppe, nachdem ihre Anwesenheit in Afrika bekannt geworden war, mit einer massiven Intervention der US-Regierung zu tun.

Hauptquartier der Rebellion

Nach der missglückten Operation im Kongo nahm Fidel Castro etwas Abstand von allzu waghalsigen militärischen Interventionen in anderen Ländern. Nichtsdestotrotz wurden in derselben Zeit tausende kubanische Freiwillige nach Guinea-Bissau geschickt, um dort die Befreiungsbewegung PAIGC (Partido Africano da Independência da Guiné e de Cabo Verde) durch Militär- und Zivilberatung zu unterstützen. Durch maßgebliches kubanisches Engagement konnte die PAIGC unter Amílcar Cabral große Teile des Landes erobern. Cabral wurde 1973 ermordet, der Sieg über die Kolonialmacht Portugal, das zu dieser Zeit vom faschistischen Diktator Salazar regiert wurde, war jedoch nicht mehr aufzuhalten: im Jahr 1974 wurde Guinea-Bissau unabhängig.
Kurz nach Ches Rückkehr aus Afrika tat Kuba einen weiteren entscheidenden Schritt hin zu einem Hauptquartier der internationalen Rebellion. Im Januar 1966 wurde in Havanna die „Erste Konferenz der afrikanischen, asiatischen und lateinamerikanischen Völker“ eröffnet, die allgemein als die Trikontinentale bekannt ist. An der Konferenz nahmen 83 Delegationen aus den meisten Ländern der Dritten Welt teil, die als gemeinsamen Nenner die Opposition zum „Yankee-Imperialismus“ verband. Nicht ganz zu Unrecht wurde die Konferenz in einer US-Studie als „größtes Zusammentreffen pro-kommunistischer und anti-amerikanischer Kräfte in der Geschichte der westlichen Hemisphäre“ eingestuft. Die Passivität der Moskau-orientierten Kommunistischen Internationale wurde beklagt und für eine aktive Unterstützung aller Befreiungsbewegungen in der Dritten Welt votiert. In der Abschlussresolution wurde mit breiter Mehrheit eine massive und sofortige Intensivierung der Guerillaaktivitäten in Asien, Afrika und Lateinamerika beschlossen. Die anwesenden Delegationen verpflichteten sich, den Kampf gegen jede Form von Diskriminierung und des Rassismus voranzutreiben und dementsprechend alle Aktionen gegen Apartheid und Segregation in Afrika und den USA zu unterstützen. Revolutionäre Gewalt wurde als Mittel zur Durchsetzung der gesteckten Ziele explizit befürwortet. Man setzte viele Hoffnungen in die radikale Schwarzenbewegung, die sich in den USA formierte, da man sich von ihr eine Destabilisierung des US-Imperialismus von innen versprach. Die Black Panther Party bezog sich neben Malcolm X auch auf Frantz Fanon und Che Guevara und ihre Thesen zur Revolution der kolonialisierten Völker. Die African Americans wurden als innere Kolonie definiert. So wurde der Bezug zu den Befreiungsbewegungen der Dritten Welt geschaffen. Nach einem wahren Vernichtungsfeldzug des FBI stellte Kuba neben den unabhängigen Staaten Afrikas einen wichtigen Rückzugsort des Black Liberation Movement dar.
Während der schwarze Widerstand in den USA Anfang der siebziger Jahre gebrochen wurde, hatte Kuba die Phase, in der es um das Überleben der Revolution ging, überstanden und sich stabilisiert. Dies hatte zur Folge, dass man sich wieder verstärkt in Afrika engagierte. Man griff nun auf die von Che geknüpften Kontakte mit den afrikanischen Revolutionären zurück. Das Hauptaugenmerk Kubas verlagerte sich auf das südliche Afrika, denn dort befanden sich mit Rhodesien (das spätere Simbabwe), Mosambik, Angola, Südwest-Afrika (später Namibia) und dem Apartheid-Staat Südafrika die letzten Bastionen weißer Vorherrschaft auf dem Kontinent. Konkreter Anlass für die größte militärische Intervention in der Geschichte der kubanischen Fuerzas Armadas Revolucionarias (FAR) war ein Hilferuf Agostinho Netos, des Vorsitzenden der Volksbewegung für die Befreiung Angolas (MPLA). Im Januar 1975 hatte Neto ein Abkommen mit den beiden anderen Konfliktparteien in Angola verabschiedet: der Nationalen Befreiungsfront von Angola (FNLA), die vom Norden aus agierte, und vom Mobutu-Regime und den USA unterstützt wurde, und der UNITA (Nationalunion für die totale Unabhängigkeit Angolas), die ebenfalls durch die USA, sowie Südafrika massive Unterstützung erhielt. In dem Friedensabkommen von Alvor wurde ein Fahrplan bis zur Unabhängigkeit des Landes festgelegt, die Ende des selben Jahres begangen werden sollte. Kurz nach Ende der Verhandlungen starteten FNLA und UNITA eine gemeinsame Initiative, um die absehbare Machtübernahme der sozialistischen MPLA zu verhindern. Kuba sagte der marxistischen MPLA direkte Hilfe zu, da es Netos Ansicht teilte, dass es sich beim Kampf um Angola um eine entscheidende Auseinandersetzung zwischen Imperialismus und Sozialismus handelte. Die Sowjetunion, über deren mangelnde Unterstützung sich Neto bitter beklagt hatte, betrachtete die MPLA und das kubanische Engagement mit unverhohlenem Misstrauen.
Im Oktober 1975, ein Monat vor der geplanten Machtübernahme der angolanischen Unabhängigkeitsbewegung griff die Armee des rassistischen Apartheidregimes Südafrika direkt in den Konflikt ein. Gemeinsam mit den Truppen der UNITA wurde vom Süden aus eine militärische Großoffensive gestartet, der die MPLA wenig entgegenzusetzen hatte. Das war der Moment, in dem Castro sich entschied, die Unterstützung der MPLA, die sich bis dahin auf Militärberater, Waffen und Ausbilder beschränkt hatte, um die massive Entsendung kubanischer Truppen zu erweitern. US-Präsident Ford und sein damaliger Staatssekretär Henry Kissinger, hatten stets behauptet, dass die kubanischen Truppen bereits vor der südafrikanischen Invasion in Angola gelandet seien.

Henrys Masterplan

Der US-Forscher Piero Gleijese hat nachgewiesen, dass beide bei der entsprechenden Befragung im Kongress gelogen hatten. In seinem neuesten Buch Conflicting Missions. Havanna, Washington, and Africa, 1959-1976, das auf kürzlich deklassifizierten Geheimdaten der CIA basiert, beweist Gleijese, dass Kissinger lange vor der südafrikanischen Invasion die entsprechenden Pläne kannte und diese finanziell und militärisch unterstützte. Kissinger hatte bereits ein Jahr zuvor eine seiner „covert actions“ in Angola gestartet, um eine Machtübernahme der MPLA zu verhindern. Die UNITA fungierte in Kissingers Masterplan als angolanische Befreiungsbewegung, die der Operation den Anstrich politischer Legitimation geben sollte. Die Machtübernahme einer komplett weißen Armee wäre wohl doch etwas schwer vermittelbar gewesen.
Doch was waren die Gründe für die militärische Intervention eines kleinen Inselstaates, der sich nicht unbedingt in der günstigsten Position befand, um sich in die Auseinandersetzung zweier Supermächte um die Weltherrschaft einzumischen? Die offizielle Version ist klar: proletarischer Internationalismus, Vereinigung der Welt unter dem Sozialismus, die selbstlose und bedingungslose Solidarität mit nationalen Befreiungsbewegungen und progressiven Regierungen, wie es Che immer gefordert hatte.
Es gab aber auch weitaus pragmatischere Gründe für ein internationales Engagement Kubas. Kuba strebte eine Führungsrolle in der Dritten Welt an und wollte das Ende der totalen Moskau-Abhängigkeit einleiten. Man erhoffte sich eine Aufwertung zum gleichberechtigten Partner der Sowjetunion. Es ging also auch um globalen Einfluss und Autonomie. Innenpolitisch sollte die heroische Afrika-Mission das Nationalgefühl der Kubaner stärken und so interne Probleme vergessen machen. Was auch immer den Ausschlag für die Entscheidung Castros zur Entsendung der kubanischen Streitkräfte gegeben hat, wirtschaftliche Vorteile für Kuba ergaben sich daraus nicht. Ganz im Gegenteil, unter anderem als Folge des langen militärischen Engagements sank das wirtschaftliche Wachstum der Insel von 16,3 Prozent im Jahr 1976 auf 4,1 Prozent im Jahr 1980.
Die Motivation der Kubaner sich massenweise freiwillig für den Einsatz in Afrika zu melden ist vielschichtig. Öfter als von so manchem Skeptiker erwartet, werden „die revolutionäre Verpflichtung“ und der „Stolz auf die Rolle Kubas als Befreier des südlichen Afrika“ als Gründe angeführt. Andere, nicht weniger triftige Motivationen waren die „einmalige Chance, Kuba für einige Zeit zu verlassen“ und „die Aussicht auf gute Bezahlung und bevorzugte Behandlung nach der Rückkehr“.
Ein großer Verdienst des bereits erwähnten Buches Conflicting Missions ist es, mehr Licht auf die entscheidende Rolle geworfen zu haben, die Kuba bei der Befreiung des südlichen Afrika gespielt hat. Eine der großen Propagandalügen Washingtons bestand darin, Kuba als den verlängerten Arm Moskaus darzustellen. Gleijese zeigt anhand von kubanischen Dokumenten, dass die Unterstützung für die MPLA auf eigenes Risiko geschah. Erst nach der Unabhängigkeitserklärung und Machtergreifung der MPLA, die nur auf Grund der massiven militärischen Präsenz kubanischer Freiwilliger stattfinden konnte, begannen sich die Sowjetunion und andere Länder des sozialistischen Blocks verstärkt in Angola zu engagieren. Die DDR sandte 5000 Lkw´s und technisches Personal, um diese in Stand zu halten und Angolaner auszubilden.

Sieg in Cuito Canvale

Am 27. März 1976 konnten die vereinigten Truppen der MPLA und der FAR den Invasoren eine empfindliche Niederlage zufügen, die sie zum vorübergehenden Rückzug aus Angola zwang. In seiner Rede zum 15. Jahrestag der erfolgreichen Zurückschlagung der Schweinebucht-Invasion konnte Castro ein zweites, ein „afrikanisches Girón“ feiern. Und er zog eine weitere Verbindung: „Die, die vor 400 Jahren die Afrikaner versklavten, hätten wohl nie erwartet, dass eines der Völker, das zum großen Teil aus den Nachfahren dieser Sklaven besteht, nun seine Kämpfer nach Afrika schickt, damit sie dort für die Befreiung kämpfen.“ In dieser Zeit herrschte ununterbrochen Krieg, da die UNITA mit US-amerikanischer und südafrikanischer Unterstützung einen zermürbenden und blutigen Guerillakrieg gegen die sozialistische Regierung und die Zivilbevölkerung führte. Insgesamt kämpften in den 16 Jahren kubanischer Präsenz 300.000 Kubaner in Angola, von denen mehrere Tausend ihr Leben ließen. Eine genaue Zahl wurde von der kubanischen Regierung nie preisgegeben. Castro hatte den Abzug der Truppen an ein Ende der Apartheid in Südafrika und Unabhängigkeit für das völkerrechtswidrig von Südafrika besetzte Namibia, geknüpft. Ende 1987 bot sich die Chance, durch einen entscheidenden Sieg die Vorrausetzung für einen Rückzug ohne Gesichtsverlust zu schaffen. In der südangolanischen Stadt Cuito Canvale lieferten sich die vereinigten Streitkräfte der MPLA, der namibischen Befreiungsbewegung South Western People´s Organization (SWAPO) und der Kubaner eine monatelange Schlacht mit der südafrikanischen Armee und der UNITA. Zumindest politisch konnte die afrokubanische Allianz einen überwältigenden Sieg feiern, denn Südafrika musste sich erneut aus Angola zurückziehen.

Castro macht´s möglich

Für Kuba bedeutete der Sieg in Cuito Convale die Möglichkeit zum ehrvollen Abgang, der im Jahr 1991 nach einem Friedensvertrag mit dem Abzug der letzten verbliebenen Truppen vollendet wurde. In der Dritten Welt erreichte die Popularität Kubas auf Grund seines aufopferungsvollen Engagements ungekannte Ausmaße. Die Insel hatte in der internationalen Politik ein politisches Gewicht gewonnen, welches in keinem Verhältnis zu ihrer wahren Größe stand. Nach 1991 hatte Kuba Botschaften in 30 afrikanischen Ländern, mehr als jedes andere lateinamerikanische Land.
Die Niederlage der südafrikanischen Armee gilt als entscheidender Wendepunkt im Befreiungskampf des südlichen Afrika. Cuito Canvale erlaubte die Konsolidierung der MPLA in Angola, führte zur Unabhängigkeit Namibias von südafrikanischer Kolonialherrschaft und hatte weit reichende Auswirkungen auf die soziale Situation innerhalb Südafrikas. Das Apartheidregime wurde in seinen Grundfesten erschüttert, da die Niederlage gegen eine farbige Dritt-Welt-Armee das Selbstverständnis der white supremacists durcheinanderbrachte und die schwarze Bevölkerungsmehrheit ermutigte, die Unterdrücker herauszufordern. Die kurze Zeit später folgende Legalisierung des ANC, die Freilassung Nelson Mandelas im Jahr 1990 aus jahrzehntelanger Haft, und letztendlich das Ende der Apartheid nach den ersten freien Wahlen im Jahr 1994 werden von den meisten südafrikanischen Freiheitskämpfern als direkte Folgen des Sieges der antikolonialen Armee in Cuito Canvale angesehen. Bei der Amtseinführung des ersten schwarzen Präsidenten Südafrikas wurde Fidel Castro von den versammelten Veteranen der afrikanischen Revolution überschwenglich gefeiert. Während Al Gore, der in Vertretung des „leider verhinderten“ Bill Clinton der Zeremonie beiwohnte, etwas verlassen in der Ecke stand, musste er zähneknirschend beobachten, wie Castro vom neuen Präsidenten Mandela innig umarmt wurde. Laut genug, so dass es alle im Raum verstehen konnten, flüsterte er dem Kubaner ins Ohr: „Du hast das möglich gemacht.“

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