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InterContinental Caravan

Wütend über ihre Machtlosigkeit und die Ar-
roganz, mit der andere über ihr Leben bestimmen, machen sich fünfhundert VertreterInnen aus Asien, Lateinamerika und Afrika im Frühsommer ’99 auf den Weg nach Europa. Sie wollen nicht mehr auf Almosen aus der westlichen Welt warten, sondern fordern Respekt für ihre ureigenen Rechte bei denen ein, die sie seit Jahrhunderten weltweit mißachten. Sie verstehen sich als Teil des internationalen Protests gegen ein ungerechtes Wirtschaftssystem, das sich nicht an den Bedürfnissen aller Menschen orientiert. Die Hoffnung darauf, daß nationale Regierungen beziehungsweise internationale Institutionen diese Probleme lösen können, haben sie aufgegeben, da genau in dieser Art von zentralisierter Macht ein Teil des Problems liegt.
Die Initiative wurde von der indischen Bauernbewegung KRRS aus dem Bundesstaat Karnataka vorgeschlagen, mit geschätzten zehn Millionen Mitgliedern eine der stärksten Bewegungen weltweit. Die indischen Bauernbewegungen kämpfen seit Jahren dafür, daß ihre Forderungen national und international gehört werden. Bisher nahezu ergebnislos, da die politischen Entscheidungen immer weit entfernt von ihrem Wohnort getroffen werden, zu weit, als daß ihr Protest registriert oder nur bekannt würde. Deshalb kommen sie nun selbst zahlreich nach Europa. Sie wollen mit möglichst vielen EuropäerInnen und europäischen Organisationen direkten Kontakt bekommen und sich über Globalisierungsfolgen und über alternative Entwicklungsmodelle austauschen. Ihren Protest wollen sie an den Toren der wichtigsten Transnationalen Konzerne und internationalen Institutionen sowie bei den Gipfeln der EU und der G8 äußern. Ihnen werden sich VertreterInnen aus der ganzen Welt anschließen, von der brasilianischen Landlosenbewegung Movimento Sem Terra über die Maori aus Neuseeland bis hin zu südkoreanischen GewerkschaftlerInnen, anschließen.
Geplant ist eine Route von den Niederlanden über Belgien, Großbritannien, Frankreich, Schweiz, Italien nach Deutschland. In den jeweiligen Orten werden Begegnungen mit unterschiedlichsten Bewegungen Europas stattfinden, sowie Aktionen und Demonstrationen vor den Hauptbüros von Multis und der Welthandelsorganisation. Den Schwerpunkt der Karawane in Deutschland werden die beiden Gipfel bilden, der EU-Gipfel am 3./4. Juni und der Weltwirtschaftsgipfel am 17./18. Juni in Köln. Es werden vor allem weiterhin Gruppen im süddeutschen Raum gesucht, die vom 15. bis 17. Juni eine größere Anzahl von TeilnehmerInnen beherbergen können. Eine Gruppe wird von Berlin nach Polen und in die Tschechische Republik fahren.
Dieses Projekt bietet die große Chance, daß nicht wie sonst EuropäerInnen über die Probleme in sogenannten Entwicklungsländern reden, sondern daß die Menschen dabei unterstützt werden, hierherzukommen und für sich selber zu sprechen. Diese Karawane ist keinen „Dritte-Welt-Karawane“, sondern ein gemeinsames internationales Projekt, was ein Ansatz für eine Umkehr sogenannter Entwicklungshilfe sein könnte. Die Menschen hier werden mit den Auswirkungen des globalen ökonomischen Wirtschaftssystems konfrontiert, und Menschen aus anderen Ländern haben die Möglichkeit, uns ihre Vorstellungen von Entwicklung nahezubringen.
Die Karawane findet im Rahmen des Anfang ’98 in Genf gegründeten Netzwerks von Basisbewegungen Peoples Global Action statt (www.agp.org).
Wir wünschen uns, daß das Projekt von vielen gesellschaftlichen Gruppen getragen und unterstützt wird. Wer noch weitere Informationen haben möchte, findet diese unter: http://stad.dsl.nl/~caravan/ oder wende sich direkt an uns: ICC99@gmx.de

Spenden bitte an: InterContinental Caravan, Kto:3701010441,Blz:50090100 Ökobank Berlin

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