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KUBAS STAATSFEIND NR. 1

6. Oktober 1976. Cubana-Flug 455 macht sich auf den Weg über Jamaika nach Havanna. Kurz nach dem Start auf Barbados explodiert die Maschine – alle 73 Menschen an Bord sterben. Ein Anschlag, organisiert und befehligt vom exilkubanischen CIA-Agenten Luis Posada Carriles. Bis zum 11. September 2001 war der Anschlag auf den Cubana Flug der verheerendste Terroranschlag in der Luftfahrt der westlichen Hemisphäre. Allerdings blieb es bei weitem nicht das einzige Verbrechen, das dem militanten Gegner der kubanischen Revolution Posada Carriles zugeschrieben wird.

Posada Carriles kam am 15. Februar 1928 in Cienfuegos auf Kuba zur Welt, die meiste Zeit sei-nes Lebens verbrachte er im Exil. Von der CIA ausgebildet, widmete er sich als Söldner und Glücksritter dem bewaffneten Kampf gegen den Kommunismus in Zentralamerika. Im Juni 1976 begann eine Gruppe von Castro-Gegner*inen mit der Planung von Entführungen und Anschlägen auf Reiseagenturen, die mit Kuba Geschäfte machten. Diplomatische Vertretungen, Botschaftspersonal und Konsulate von Ländern, die ihre Beziehungen zu Kuba verbessert hatten, gerieten ins Visier der Terrorist*innen. Kolumbien und Mexiko im Juli, Argentinien und Panama im August, Trinidad und Washington D.C. im September des Jahres 1976.

„Er wäre vielleicht nie aus dem Gefängnis gekommen, wäre er nicht geflohen.“

Im Oktober folgte der Anschlag auf den Cubana-Flug. Unter den Toten der Flugzeugexplosion war auch das olympische Fechtteam Kubas. Laut Geheimdienstberichten von CIA und FBI gelten Orlando Bosch, Chef der im gleichen Jahr gegründeten Kampftruppe gewaltbereiter exilkubanischer Gruppen „Koordination der Verein­igten Revolutionären Organisationen” und Posada Carriles als Drahtzieher des Anschlags. Wegen der Vorbereitung des Attentats kam Posada Carriles in ein venezolanisches Gefängnis, aus dem er 1985 floh. Kuba habe Venezuela in diesem Fall unter Druck gesetzt, sagte sein Rechtsanwalt Arturo Hernández im Januar 2018 gegenüber LN: „Er wäre vielleicht nie aus dem Gefängnis gekommen, wäre er nicht geflohen.“ Eine Flucht, vermeintlich finanziert und organisiert von dem Geschäftsmann Jorge Mas Canosa, einer weiteren schillernden Figur im exilkubanischen Widerstand mit großem Einfluss auf die Kubapolitik der USA.

Unter dem Decknamen Ramón Medina unterstützte Posada Carriles im Auftrag der Reagan-Administration die Contras in Nicaragua. In den 80ern arbeitete er für die guatemaltekische Regierung und erarbeitete neue Anschlagspläne. Während er in Kuba als Staatsfeind Nummer eins galt – als „Osama bin Laden Lateinamerikas“, so die staatliche Presse – wurde er von den USA nie wegen terroristischer Verbrechen verurteilt oder gar ausgeliefert. 1997 konterkarierte Posada Carriles die seit der Kubanischen Revolution 1959 stets schwierige, diplomatische Arbeit zur Verbesserung der Beziehungen zwischen Kuba und den USA. Zwischen April und September explodierten mitten in Havanna Bomben in Diskos und Hotels. Ein Italiener kam ums Leben. Wieder galten Posada Carriles und seine Mitstreiter als die Urheber. Sie erreichten ihr Ziel: Die für Kuba wichtigen Tourismuszahlen gingen zurück.

Zeit ihres Lebens bekämpften Luis Posada Carriles und Fidel Castro einander, ohne sich persönlich allzu nahe zu kommen. Kurz nach Castros Ableben im November 2016 sprach Posada Carriles von einem „ungerechten“ Tod. „Im besten Krankenhaus Kubas, mit den besten Ärzten und den besten Medikamenten. Das war nicht das, was ihm widerfahren sollte.“ Posada Carriles überlebte seinen Erzfeind um eineinhalb Jahre. Am 23. Mai starb Posada Carriles im Alter von 90 Jahren in Florida an den Folgen eines Schlaganfalls und Wasserablagerungen in der Lunge.

 

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