Chile | Nummer 202 - April 1991

Kurioses: Revolver und Reformbeinkleider

Pfarrer Oskar Mehl, der in den Jahren 1906 bis 1910 im chilenischen Concepción tätig war, hat folgende Liste von Reiseutensilien zusammengestellt, die für ein „tüchtiges deutsches Pfarrerehepaar“ in der Fremde von großer Wichtigkeit waren

LN

Ausrüstung für den Pfarrer:

(…) -Schuhzeug: Ziegenleder für die wärmeren Monate, box-calf für die nassen Monate. Zwei Paar gute Gummischuhe für die südlicheren Gegenden oder lang­schäftige wasserdichte Stiefel. (Reitstiefel oder Gamaschen zum Reiten).
-Kopfbedeckung: Ein schwarzer weicher Hut, ein schwarzer steifer Hut, Cylinderhut – alles gute Qualität. Fr den Sommer: Strohhut. Eine leichte, eine wärmere Reisemtze.
-Mäntel:Dicker Herbstberzieher gengt für die kältesten Tage. Lodenmantel für Reisen zu empfehlen. Staubmantel (grau). Fr Regengegenden: Guter Regenmantel mit Kappe unerläßlich.
-Talar: Wie in Deutschland. Barett. Wer Filialen hat, bringe möglichst zwei Talare mit. Zur Aufbewahrung: mittelgroße lederne Handtaschen.
-Reitzeug: Evtl. Stephanisattel mitbringen.
-Waffen: Guter Revolver empfehlenswert, desgleichen starkes Jagdmesser.
-Bücher: Nicht mehr als zur geistlichen Erbauung, geistigen Auffrischung und Fortbildung und zur praktischen Arbeit nötig. Eine Taschenagenda.

Ausrüstung für die Pfarrfrau:

-Kleider: Wie in Deutschland, nur keine dicken Winterkleider.
-Leibwäsche: Für den Winter Wolle, sonst Baumwolle. Wollene Leibbinden, Reformbeinkleider.
-Unterröcke: Schwarzer Tuchrock, mittelfarbige Alpacaröcke, Waschröcke.
-Strümpfe: Schwarzwollene in verschiedener Dicke; für den Sommer baumwol­lene. Reichlich mit­bringen!
-Kopfbedeckung: Wie in Deutschland. Wer selbst garnieren kann, bringe sich Samt- und Seiden­bänder, sowie Filzstoff und Samt mit. Schiffsmtze, Schleier.
-Regen- und Sonnenschirme: halbseidener Regenschirm, waschbarer Sonnenschirm.
-Schuhzeug: Nur feinstes Leder und elegante Form für Gesellschaft und Straße, Filzschuhe für die kältere Jahreszeit, Gummischuhe. d
-Handschuhe: Wie in Deutschland, nur keine dicken Winterhandschuhe. Reichlich mitnehmen!(…)

(Der Text ist der „Condor“ vom Oktober 1990 entnommen, der Zeitung für die Deutschsprachigen in Chile.)

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