Literatur | Nummer 613/614 - Juli/August 2025

Lyrik aus Lateinamerika

Ein Gedicht von Sândrio Cândido Pereira

Von Sândrio Cândido Pereira
Zeichnung eines zerbrochenen Eis neben einem Vogelnest

Un cuerpo negro
no es más que esto:
carne, huesos, silencios.
Peligra,
desaparece en cada esquina.

Cuidado, hijo,
No hay patria que cobije
la piel que habitas.

Un cuerpo negro
no es más que eso:
peligra
cada vez que sale
porque su casa – digo, su cuerpo –
no tiene suelo en este mundo.

Un cuerpo negro
no es más que un río de dolores,
viaje en una gota de cicatrices.

Una mano negra
no es más que un pájaro
al que le arrebataron el nido.

Por eso
amar un cuerpo negro
es tenerle paciencia,
porque en sus ojos llueve,
todos los días,
llueve.

Ein schwarzer Körper
ist nichts weiter als das:
Fleisch, Knochen, Stille.
In Gefahr,
er verschwindet hinter jeder Ecke.

Pass auf, mein Sohn,
es gibt keine Heimat,
die die Haut birgt, in der du lebst.

Ein schwarzer Körper
ist nichts weiter als das:
in Gefahr
wann immer er rausgeht,
denn sein Haus – das heißt: sein Körper –
hat keinen Grund und Boden in dieser Welt.

Ein schwarzer Körper
ist nichts weiter als ein Fluss von Schmerzen,
eine Reise in einem Tropfen von Narben.

Eine schwarze Hand
ist nichts weiter als ein Vogel,
der seines Nestes beraubt wurde.

Deshalb
bedeutet einen schwarzen Körper zu lieben,
Geduld mit ihm zu haben.
Denn in seinen Augen regnet es,
jeden Tag
regnet es.

Sândrio Cândido Pereira (1991, Minas Novas, Minas Gerais) ist Afrobrasilianer, Campesino und Dichter. Seit neun Jahren lebt er in Cali, Kolumbien, wo er als Professor für Philosophie tätig ist. In seiner Lyrik setzt er sich mit der Realität marginalisierter Identitäten auseinander; verwurzelt in seiner eigenen Biografie.

Lea Rux (1999, Berlin) ist Studentin der Englischen Philologie und Kommunikationswissenschaften an der Freien Universität und arbeitet als Übersetzerin und Journalistin. In ihrer Freizeit schreibt sie selbst Gedichte und Lieder. 


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