Literatur | Nummer 620 - Februar 2026

Lyrik aus Lateinamerika

Von Mauricio Almanzor

RÍO DE FUEGO

Hay un río de fuego
que nunca pude ver,
un cauce que cruzaba mis días de infancia
en donde no sabía del porvenir,
y jugaba un juego sin fin,
y su comienzo nunca lo advertí,
y el río era un país frugal
y su flujo me hacía eterno
y era tan de fuego cada juego
y yo no sabía que era un río
y nunca supe de su fuego.

Ese río de fuego
alumbró mis miedos de niño,
quemó el sinsabor
de mis primeros desamores
y fue la lágrima tímida
que nació
cuando sospeché de la adultez,
esa brasa
que me abrasaba
nunca la supe cercana,
nunca olí su consuelo,
nunca la tuve en la certeza.

Hubo un río de fuego
que me fue velado
en la edad sin edad,
su caudal secreto se abrió paso
por toda mi vida
y yo nunca supe de afluentes,
ni de agitadas corrientes
ni que mi sonrisa adolescente
era mi propio río de fuego
que regaba los días más yermos,
los que viví
y los que viviría.

Hoy,
algunas veces,
en la comisura de los días,
puedo ver ese río de fuego
y veo cómo se lleva la desesperanza,
y la hoja caída ya no cae más
y el tedio de la hora más grave
ya no duele más
y el fuego es más agua que nunca
y el río es una lluvia de verano
y mi hogar,
por fin,
es ese arroyo flotante,
esa ventana alada
que muda y migra junto a mí.

Illustration: Maria Victoria Rodriguez Garcia

FEUERFLUSS

Es gibt einen Feuerfluss,
den ich nie zu sehen vermochte,
ein Flussbett, das meine Kindertage
durchschnitt,
als ich nichts vom Morgen wusste,
und ein endloses Spiel spielte,
und seinen Anfang nie erriet,
und der Fluss war ein karges Land
und sein Strömen machte mich zeitlos
und jedes Spiel war derart aus Feuer
und ich wusste nicht, dass es ein Fluss war
und nie begriff ich sein Feuer.

Der Feuerfluss
erhellte meine Kinderängste,
brannte den bitteren Nachhall
meiner ersten Liebesverluste aus,
und er war die scheue Träne,
die spross,
als ich vom Erwachsensein ahnte,
diese Glut,
die mich verbrannte,
nie wusste ich sie mir nah,
nie roch ich ihren Trost,
nie hielt ich sie für gewiss.

Es gab einen Feuerfluss,
der mir verhüllt blieb
im alterslosen Alter,
sein heimlicher Strom bahnte sich
durch mein ganzes Leben
und ich wusste nichts von Zuflüssen,
nichts von aufgewühlten Strömungen,
und nicht, dass mein halbwüchsiges Lächeln
mein eigener Fluss aus Feuer war,
der die ödesten Tage tränkte,
jene, die ich lebte,
und jene, die ich fortan leben würde.

Heute,
zeitweilig,
an der Schwelle der Tage,
kann ich diesen Feuerfluss anblicken
und sehe, wie er die Hoffnungslosigkeit fortträgt,
und das gefallene Blatt fällt nicht mehr
und der Überdruss der schwersten Stunde
schmerzt nicht mehr,
und das Feuer ist mehr Wasser als je zuvor
und der Fluss ist ein Sommerregen
und mein Zuhause,
endlich,
ist dieser schwebende Bach,
dieses geflügelte Fenster,
das sich wandelt und mit mir weiterzieht.

Mauricio Almanzor ist Dichter aus Los Andes, Chile, und lebt in Berlin. Dort ist er im Bildungsbereich tätig. In seinen lyrischen Texten setzt er sich mit Themen wie Natur, Politik, Migration und Liebe auseinander. Ein zentrales Anliegen seiner Dichtung ist die Sprache selbst: Ihre Möglichkeiten und Grenzen werden nicht nur thematisiert, sondern prägen auch den poetischen Schaffensprozess.

Übersetzung aus dem Spanischen vom Autor


Hola!

Wenn Dir gefällt, was du hier liest, dann unterstütze unsere ehrenamtliche Redaktion doch mit einem Abo! Das gibt's schon ab 29,50 Euro im Jahr. Oder lass uns eine Spende da! Egal ob einmalig 5 Euro oder eine monatliche Dauerspende – alles hilft, die LN weiter zu erhalten, Gracias ❤️

Ähnliche Themen

Newsletter abonnieren