Lyrik aus Lateinamerika
Ein Gedicht von Jose Carlos Días Silva
NUTZLOS
Die wichtigsten Dinge
nützen nichts
in der Welt.
Weder das Gedicht
noch das Lied,
noch die Liebe,
noch die Hände
die dich sanft
durch die Nacht tragen.
Denn nichts davon
lässt sich kaufen.
Denn nichts davon
lässt sich verkaufen.
Denn was zählt
ist das Geld.
Denn dort draußen,
im Reich der Notwendigkeiten
sind wir nichts als Waren,
nützliche, veräußerbare, abstoßende
Dinge.
Also,
nutzlos
müssen wir uns hergeben.
Die eigenen Verse schenken,
und seine Stimme,
und seine Liebe,
und seine Nacht,
und sein Alles,
im Tausch für nichts.
Hier drinnen,
im Reich der Menschlichkeit,
beginnt
die Gabe des Lebens,
wo es kein Geld mehr gibt.
Und so, unveräußerlich,
unermüdlich,
geben wir uns nutzlos her

INÚTIL
En el mundo
las cosas más importantes
no sirven para nada.
No sirve el poema,
ni la canción,
ni el amor,
ni las manos
que dulcemente te sostienen
durante la noche.
Porque nada de eso
se puede comprar.
Porque nada de eso
se puede vender.
Porque el dinero
es lo que sirve.
Porque allá afuera,
en el reino de la necesidad,
no somos sino mercancías,
cosas útiles, alienables,
repugnantes.
Entonces,
inútilmente
uno tiene que regalarse.
Entregar sus versos,
y su voz,
y su amor,
y su noche,
y su todo,
a cambio de nada.
Acá adentro,
en el reino de la humanidad,
el don de la vida
comienza,
donde ya no hay dinero.
Y así, inalienables,
incansables,
nos regalamos
inútilmente
Jose Carlos Díaz Silva ist Professor für Wirtschaft an der UNAM in Mexiko. Er ist ein begeisterter Leser, der davon überzeugt ist, dass Literatur vor und nach dem mexikanischen Schriftsteller und Drehbuchautor Juan Rulfo geschrieben wird.


