Español | Literatur | Nummer 619 - Januar 2026

panfleto #2

Valeria Román Marroquín
Ilustration: Joan Farías Luan (www.cuadernoimaginario.cl)

verás, el hambre es un régimen de rigor,
¿qué clase de poemas eres capaz de escribir sabiendo eso?
innecesariamente largos, pretenciosos
vacíos entre palabra y palabra
pura estética excremental
no puedes alimentar a nadie con palabras brillantes
un objeto así de bello no es posible de comer, hiere el músculo muelas y encias sangran
¿dime que clase de poemas
puedes escribir sabiendo eso?
ninguno cuando digo que el hambre es un régimen de rigor:
no hay cuerpo que se contente
entregado a la regla de la escasez
y aguante
no hay cuerpo que resista sin revancha, la carne no desaparece así nomás como desaparecen
salivando sin apetito
tus maravillosos poemas fragantes
verás,
a quienes desaparecen en el régimen
del hambre
los verás, regresando a sentarse en el mismo sitio de la misma mesa
—verás, algún día— y comerán, no col ni res,
pero comerán

pamphlet #2

du wirst feststellen, hunger
ist ein strenges regime
wenn du dies weißt, was für gedichte
kannst du dann schreiben?
unnötig langatmige,
protzige
eine worthülse nach der anderen
reinste Fäkalästhetik
du bekommst niemanden satt
mit glänzenden wörtern
ein derartig schöner gegenstand
ist nicht essbar,
verwundet den muskel
schneidet ins zahnfleisch
sag, wenn du dies weißt, was für gedichte
bist du dann fähig zu schreiben?
kein einziges, wenn ich sage,
hunger ist ein strenges regime:
kein körper lebt freiwillig
nach der regel der knappheit
und ausdauer
kein körper
hält stand ohne vergeltung,
das fleisch verschwindet nicht einfach so
auf die gleiche art wie
speichelnd
appetitlos
deine herrlichen, wohlriechenden gedichte verschwinden
du wirst feststellen,
wer unter dem regime des hungers
verschwindet
du wirst feststellen,
dass sie zurückkehren
an denselben platz
am selben tisch
– eines tages wirst du dies feststellen –
und sie werden essen, weder kohl noch rind,
aber sie werden essen

Übersetzung: Laura Haber

Valeria Román Marroquín (Arequipa, Peru, 1999) studierte Philosophie und arbeitet als Dolmetscherin und Übersetzerin. Veröffentlichungen: feelback (Poesía Sub25, 2016), Matrioska (APJ, 2018; Auszeichnung mit dem Premio Nacional de Poesía José Watanabe Varas 2017), Triza la luz (Meier-Ramírez, 2020), ana c. buena (Taller Editorial La Balanza, 2021; daraus stammt das hier abgedruckte Gedicht) und MULTITUDES (Taller Editorial La Balanza, 2023). 


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