Berlinale | Nummer 620 - Februar 2026

Papayas und Fliegen

Trotz Mileis Kino-Kahlschlags kommt ein starkes Programm aus Lateinamerika zur Berlinale 2026

Von Dominik Zimmer

Auf der 76. Berlinale (12. – 22. Februar) wird Lateinamerika mit insgesamt 34 Beiträgen vertreten sein. Freuen können sich vor allem die Fans des Kinos aus Brasilien (10 Filme) und Mexiko (8 Filme). Stark reduziert dagegen die argentinische Filmauswahl (3 Filme) – der von Mileis Regierung betriebene kulturelle Kahlschlag infolge der Abschaffung der Finanzierung der staatlichen Filminstitutsagentur macht sich leider schnell bemerkbar. Ein bitterer Verlust, denn das Cine Argentino sorgte in den ver—gangenen Jahren mit Innovation und Humor immer wieder für filmische Highlights und Auszeichnungen auf dem drittgrößten Filmfestival der Welt.

Um den Goldenen Bären konkurriert diesmal als lateinamerikanische Produktion zwar nur der mexika—nische Beitrag Moscas (Fliegen) von Regisseur Fernando Eimbcke, in dem eine Frau einen Untermieter aufnimmt, der auch seinen 9-jährigen Sohn mit ins Zimmer schmuggelt. Dazu be—wirbt sich aber der brasilianische Regisseur Karim Aïnouz mit Rosebush Pruning (Den Rosenbusch stutzen) um den wichtigsten Preis des Festivals. Die Co-Produktion aus verschiedenen europäischen Ländern (unter anderem Deutschland) folgt vier US-amerikanischen Geschwistern in einer spanischen Villa und wartet mit Starbesetzung auf (unter anderem Elle Fanning und Pamela Anderson). Auch in den anderen Sektionen gibt es Vielversprechendes vom Cine Latino zu entdecken: Zum Beispiel stellt Marcelo Martinessi (Paraguay), der 2018 mit Herederas zwei Silberne Bären gewinnen konnte, sein neuestes Werk Narciso vor. Darin geht es um einen Rockstar zu Zeiten der Militärdiktatur, der nach seinem letzten Konzert tot aufgefunden wird. Gespannt sein darf man auch auf Forest up in the Mountain (Argentinien), eine Dokumentation über den Mord an einem jungen Mapuche in Patagonien, und den Debütfilm Hangar Rojo (Chile), der einem Luftwaffenausbilder mit Gewissensbissen während des Militärputsches von 1973 folgt. Der queere Kurzfilm La hora de irse (Time to Go) aus Argentinien schockt mit einem überraschenden Twist und besticht mit Atmosphäre und schwarzem Humor. Und auch in der Kinderfilm-Sektion Generation sind wie so oft großartige Filmperlen aus Lateinamerika zu entdecken: Der süße Zeichentrickfilm Papaya über einen Papayakern, der gegen das Agrobusiness kämpft, und die berührende Enkel-Großmutter-Geschichte Gugu’s World (beide aus Brasilien) sollten gute Chancen haben, Preise zu gewinnen. Als besonderes Extra sind auf dem Festival diesmal erneut drei ehemalige lateinamerikanische Gewinnerfilme des queeren Filmpreises Teddy zu sehen, der dieses Jahr sein Jubiläum feiert.

Rezensionen, Infos und Interviews von der Berlinale 2026 gibt es ab sofort fortlaufend hier auf unserer Webseite, auf unseren sozialen Netzwerken und selbstverständlich in der nächsten Ausgabe der LN.


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