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Por esos ojos – Wegen dieser Augen

Mariana Zaffaroni ist ein geraubtes und adoptiertes Kind und heißt auch Daniela Furci. Sie teilt das Los vieler junger Menschen, die während der Militärdiktaturen der 70er Jahre in Argentinien, Uruguay und Chile ihren Eltern weggenommen wurden. “Por esos ojos” (Wegen dieser Augen) gibt Einblicke in ein Problem, das in den letzten Monaten zur Verhaftung hochrangiger Machthaber der argentinischen Militärdiktatur führte. Jorge und Maria-Emilia Zaffaroni de Islas, ein junges uruguayisches Studentenpaar, das sich in einer anarchistischen Gewerkschaftsbewegung engagiert hatte, suchte Anfang der 70er Jahre politisch verfolgt sein Exil in Buenos Aires. Als im März 1976 auch in Argentinien Militärs an die Macht kamen, wurden während der „Operación Condor“, bei der die Geheimdienste mehrerer Militärdiktaturen zusammenarbeiteten, auch Maria-Emilia, Jorge und ihr Kind Mariana in Buenos Aires festgenommen. Die Eltern blieben bis heute „verschwunden“, aber was geschah mit Mariana?
Im Fall von Mariana hieß ihr neuer Vater Miguel Angel Furci, ein Mitglied des argentinischen Geheimdienstes SIDE, der ihr eine neue Identität und einen neuen Namen gab: Daniela Romina Furci. Die Großmutter Esther Gatti de Islas leitete sofort nach Ende der argentinischen Militärdiktatur ein Gerichtsverfahren ein, doch einen Tag vor dessen Beginn floh Miguel Angel Furci aus Buenos Aires. Mariana verschwand ein zweites Mal.
Während der folgenden Jahre entstand die Kampagne „Por esos ojos“ und das Foto der kleinen Mariana wurde zum Symbol einer ganzen Bewegung. Jedes Jahr an ihrem Geburtstag wurden Demonstrationen abgehalten, ihr Foto wurde wie ein Banner vorangetragen, es klebte als Poster an jeder Straßenecke.
Der gleichnamige Dokumentarfilm „Por esos ojos“ wurde international viel beachtet, lief auf Festivals in Argentinien, Frankreich und den USA, und gewann Preise wie 1997 den „Premio Coral“ in Kuba.

Ein Film für Out- und Insider

Vor allem denjenigen, die sich erst neu mit dem Thema befassen, bietet der Film einen umfassenden Einstieg in die Geschehnisse. Gonzalo Arijón, ein seit 1979 im französischen Exil lebender Uruguayer, macht uns mit ruhigen, dem Thema angemessenen Bildern mit Esther Gatti bekannt, einer würdigen alten Dame, der man Bewunderung zollen muß. Die persönlichen Details, die der Film präsentiert, die tragische und teilweise absurde Realität der Familie Marianas, von der er ein authentisches Zeugnis abgibt, zeigen die Verbrechen der Militärregimes in einem neuen Licht. Dadurch wird „Por esos ojos“ auch für diejenigen sehenswert, die sich in der Geschichte der Militärdiktaturen auskennen.
1992, als Mariana 17 Jahre alt ist (oder 16, wie die gefälschten Papiere aussagen, durch die sie Daniela Furci wurde), wird Miguel Angel Furci gefaßt und erneut eine Gerichtsverhandlung eingeleitet. Es werden Blut- und Gentests durchgeführt, die die biologische Identität Danielas/Marianas feststellen: Als Resultat werden Geburtsurkunde und Registrierung offiziell geändert, von einem Tag auf den anderen wird aus Daniela Mariana. Der zuständige Richter Roberto Marquevich sagt: „Dieser offizielle Akt erscheint als nebensächliche Formalität, Tatsache aber ist, daß ihre Identität vergewaltigt, zerstört wurde und das ist schlimmer als getötet zu werden.“

Daniela gegen Mariana

Was für einen Wert hat die Wahrheit für Daniela oder Mariana, wenn sie in einer anderen Wahrheit lebt, auch wenn diese für ihre Großmutter Lüge ist? Daniela will bis heute nichts von der Familie Zaffaroni wissen, sie blieb bei einem Familienmitglied der Furcis und studiert heute Jura, denn Sie möchte später bei der SIDE arbeiten.

„Por esos ojos“, Frankreich/Uruguay 1997, 60 Minuten, Regie: Gonzalo Arijón, Virginia Martínez, Original mit englischen Untertiteln. Dieser Film ist im Forum auf der Berlinale zu sehen

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