«

»

Artikel drucken

Qosqo statt Cusco

In Peru war Spanisch bis 1970 die einzige amtliche Sprache, obwohl mehr als die Hälfte der Bevölkerung Quechua, Aymara oder andere einheimische Sprachen sprach. Am 24. Juni 1970, am so genannten „Tag der Indios“, erkannte General Juan Velazco, der Chef der damaligen Militärregierung, zum ersten Mal in der Geschichte Perus Quechua als amtliche Sprache an. Das populistisch-links orientierte Regime druckte sogar eine Zeitung auf Quechua mit dem Namen Croniqahuan, eine Beilage seiner Propagandaorgan Die Chronik. Zudem wurden Zeitschriften, Sachbücher, Schulhefte, Märchen, Comics und viele andere Publikationen auf Quechua herausgegeben. Doch der Versuch, das Quechua zu fördern, scheiterte. Die Regierung bekam in ihrem Bemühen weder von den betroffenen Teilen der Bevölkerung noch von den ausgebildeten Schichten Unterstützung. Aus den Reihen der Intellektuellen schlugen ihr sogar Vorurteile entgegen. So behauptete beispielsweise Mario Vargas Llosa, damals schon einer der bekanntesten südamerikanischen Schriftsteller, die Sprache und die Kultur der einheimischen Bevölkerung Perus seien leider zum Aussterben verurteilt. Diese Überzeugung hat er später mehrmals wiederholt.
Aufgrund der Sprache werden in Peru immer noch viele Leute diskriminiert. Von den 28 Millionen EinwohnerInnen sprechen mindestens vier Millionen nur Quechua, Aymara oder eine andere einheimische Sprache. Weitere acht Millionen sprechen neben Spanisch eine oder sogar zwei dieser Sprachen als erste oder zweite Muttersprache. Diese Menschen haben kein Recht auf Papiere in ihrer Muttersprache. Es gibt keine amtlichen Informationen in ihrer Sprache, und nur sehr beschränkt wird der Unterricht auf dem Land in den ersten Schulklassen auf Quechua oder Aymara abgehalten. Rundfunksendungen in einheimischen Sprachen werden fast nur von privater Seite ausgestrahlt.

Erbe aus der Kolonialzeit
Bis 1970 gab es kaum Rechte für nicht spanisch sprechende PeruanerInnen. In den Schulen wurden die Kinder, wenn sie nicht Spanisch sprachen, als dumm oder zurückgeblieben behandelt. Das war schon in der Kolonialzeit so. Der damalige Vizekönig Francisco de Toledo, der sich „Beschützer der Indios“ nannte, ließ 1583 alle Kipus, die sprachlichen Symbole des Quechua in Knotenform, verbrennen. Sie wurden zerstört, weil sie als Kommunikationsmittel für die aufständischen Inkaerben und ihre Truppen dienten. Diese Politik der Unterdrückung und Zerstörung von Kultur und Sprachen der peruanischen Völker wird bis heute fortgesetzt.
Die amtliche Anerkennung aller einheimischen Sprachen in Peru ist ein großer Schritt. Damit könnte eine Grundlage geschaffen worden sein, um das Recht aller amerikanischen Völker auf ihre eigene Sprache und Kultur einzuklagen. Es bleibt zu hoffen, dass die Regierung Toledo auch die Erforschung und weitere Entwicklung aller peruanischen Sprachen fördert. Die einheimische Sprachgemeinde Perus wünscht sich den Einzug dieser Sprachen in das Erziehungssystem von der Grundschule bis zur Universität. Auch der Schriftverkehr auf den Ämtern sollte ebenso wie Texte auf öffentlichen Hinweisschildern künftig zweisprachig formuliert werden – besonders in den betroffenen Regionen.
Einen Teil dieser Maßnahmen hat der ehemalige linke Bürgermeister der alten Inka-Hauptstadt Cusco, Daniel Estrada, bereits in den 90er Jahren verwirklicht. Mit der Unterstützung der Mehrheit der Bevölkerung bekamen die Stadt, die Bezirke und Straßen ihre ursprünglichen Namen. Cusco selbst wurde in Qosqo umbenannt. Doch leider blieb es bislang bei symbolischen Akten.

Permanentlink zu diesem Beitrag: https://lateinamerika-nachrichten.de/artikel/qosqo-statt-cusco/