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Reparacão já – Entschädigung jetzt

Reparacão já – Entschädigung jetzt“ war die Forderung der tausenden von schwarzen DemonstrantInnen, die in Salvador da Bahia am 20. November, dem Tag des schwarzen Bewusstseins in Brasilien auf die Straße gingen. Laut Luiz Alberto, schwarzer Abgeordneter der Arbeiterpartei PT in Bahia, wird heutzutage zum ersten Mal in der brasilianischen Geschichte durch Forschungsergebnisse eindeutig belegt, dass die afrostämmige Bevölkerung in der Schule und auf der Arbeit benachteiligt ist. „Unter den Armen sind die Schwarzen und die so genannten Pardos (Anm. d. Red.: Mischlinge) die Ärmsten. Brasilien war das letzte Land der Welt, das die Sklaverei abschaffte und wird auch das letzte Land sein, das die Konsequenzen aus der Sklaverei ziehen wird.“ 1888 wurde in Brasilien die Sklaverei offizeill abgeschafft. Der 20. November erinnert an den wohl wichtigsten Anführer der Sklavenaufstände Zumbi dos Palmares.
In Salvador da Bahia, der Cidade Negra (Schwarzen Stadt) Brasiliens formierte sich an jenem Novembertag im Stadtteil Liberdade (Freiheit) ein Demonstrationszug. Die Menschen zogen von dort in zwei Richtungen zum Pelourinho, dem ehemaligen Sklavenmarkt. Aufgerufen hatte die Coordenacão Nacional de Entidades Negras (CONEM). Nach ihren Angaben ist die Hälfte der brasilianischen Bevölkerung schwarz, das sind rund 50 Millionen Menschen. In Salvador sind es 80 Prozent. Das Bündnis setzt sich zusammen aus Gruppen wie den MNU (Movimento Negro Unificado), Os Negões, ANAAD (Associacao Nacional dos Avogados Afro-Descentes), aber auch die aus den Bloco Afro des bahianischen Karnevals bekannten Gruppen wie Olodum, Ilê Ayê oder Muzenza.

Kultur und schwarzes Bewusstsein in den Straßen

Zwar wurde der Tag bereits zum 22. Mal begangen, dieses Mal stand eraber ganz im Zeichen der Anti-Rassismuskonferenz, die kürzlich im südafrikanischen Durban stattfand. Die Forderungen waren unter anderem die Wiedergutmachung und Entschädigung des durch die Versklavung von afrodescendetes (Vorfahren aus Afrika) hervorgerufenen Schadens in der Form, dass öffentliche Regierungsgelder für antirassistische Propaganda eingesetzt werden sollen. Eine Sprecherin der CONEM: „Wir wollen, dass die Regierungen den Schwarzen gleiche Bedingungen für den Zugang zur höheren Schulbildung geben. Schwarze müssen auch in Berufen wie Medizin und Recht vertreten sein, Trommel zu spielen ist zwar wichtig, aber wir können viel mehr. Die Farbe der Arbeitslosigkeit in Salvador ist schwarz.“
Auch der populäre Musiker Carlinhos Brown macht mobil gegen Rassismus: „Es gab eine Zeit, in der die schwarze Präsenz in manchen Stadtvierteln verboten war wie beispeilsweise in Barra, wo der Schwarze nicht den Strand besuchen durfte“ erinnert sich Brown. Seine Kampagne unter der Schirmherrschaft der „Associacao Pracatum Ação Social“ gibt folgenden Slogan aus: „Black or white? A raça é humana. Combater o racismo é um tarefa de todos nós“ – „Schwarz oder weiß? Die Rasse ist menschlich. Gegen den Rassismus zu kämpfen ist eine Aufgabe von uns allen.“

www.ileaiye.com.br/20Novembro.htm

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