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Salz und Pfeffer

Ist der Son der Vater der Salsa? Die Frage ist rhetorisch gestellt, denn der Autor Olavo Alén Rodriguez beantwortet sie nicht. Das kann man ihm aber nicht vorwerfen. Der Buchtitel „From Afrocuban Music to Salsa“ ist wohl eher eine Verlagserfindung und das Vorwort, in dem die Vaterfrage gestellt wird, hat der Autor nicht geschrieben.
Olavo Alén Rodríguez ist Leiter des 1978 gegründeten Forschungs- und Entwicklungszentrums für kubanische Musik in Havanna. 1992 erschien das Buch in spanischer Sprache und wurde jetzt auf Englisch herausgebracht. Aufgemacht ist es wie ein dickes CD-Booklet, mit vielen schönen Schwarz-Weiß-Fotografien von Instrumenten und MusikerInnen und in der Umschlagseite steckt ein Silberling: Die CD im Buch.
Rodríguez ist ein Kenner seiner Materie. Wer schon immer etwas Tiefergehendes über Entstehung und Entwicklung afrokubanischer Musik lesen und hören wollte, ist bei ihm an der richtigen Adresse. Daß er in dem Büchlein eine Vorlesungsreihe zum Thema zusammengefaßt hat, verweist nicht auf dröge Wissenschaftlichkeit, sondern auf interessante Detailfülle. Von der Ankunft der Spanier auf Kuba bis in unser Jahrhundert hinein reicht seine Zeitreise. Die Perkussionsinstrumente der nach Kuba verschleppten AfrikanerInnen werden eingehend vorgestellt und der Einfluß ihrer Religionen auf Instrument und Musik wird erklärt. Alén Rodríguez schildert eindrucksvoll den Verschmelzungsprozeß afrikanischer und europäischer Musiktraditionen und Spielweisen anhand von fünf Kategorien: Son, Rumba, Canción Cubana, Danzón und Punto Guajira. Kuba erscheint als Kosmos einer sich neu herausbildenden Musik mit Zusammenspiel von Geigen und Trommeln, Piano und Holzkiste. Faszinierend! Und wie der Autor die Entwicklung der Musikstile in den verschiedenen Landesteilen beschreibt, läßt eher an einen großen Kontinent denn an eine kleine Insel denken.
Die mit 26 Beispielen hervorragend zusammengestellte CD trägt auf hörbare Art zum Verständnis afrocubanischer Musik bei. Buch und CD ergänzen sich, denn an der entsprechenden Stelle im Text ist ein Verweis auf das dazugehörige Musikstück auf der CD.
Es ist eine interessante, durch ein leicht verständliches Englisch gut lesbare und mitunter faszinierende Lektüre. Nur schade, daß keinerlei Register angefügt wurde, denn bei der Fülle von Instrumenten, Begriffen und Personen wird das Nachschlagen ab und an notwendig, und wäre hilfreich über den ersten Genuß hinaus. Und frei nach Tito Puente: Die Salsa bleibt in der Flasche.

Alén Rodríguez, Olavo: From Afrocuban Music to Salsa, Berlin, 1998, Piranha Records, ISBN 3-9805863-0-8, Buch incl. CD 45.- DM (ca. 26 Euro).

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