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Staatsjagd auf Ex-Guerillero

Paco wurde am 8. Oktober San Miguel vor zahlreichen ZeugInnen von Angehörigen der Dirección de Investigaciones Criminales (DIC), der Kriminalpolizei der Zivilen Nationalpolizei (PNC) mit einem Schuß aus nächster Nähe in Höhe des rechten Ohres erschossen. Es war eine Hinrichtung. Der Polizist schoß mit einem M-16-Gewehr, einer Kriegswaffe, und benutzte Explosivmunition, die in El Salvador verboten ist.
Der Tat waren drei Hausdurchsuchungen durch fünf in Zivil gekleidete und bewaffenete Männer vorausgegangen, bei denen seine Lebensgefährtin bedroht wurde: “Wenn wir diesen Ex-Guerillero nicht erwischen, werden wir seine Familie umbringen.”
Am Tag seiner Ermordung war er dabei, die Flucht zu seiner Schwester Rosa Marina Manzanares de Lotze in die Bundesrepublik vorzubereiten.
Nach Aussagen der ZeugInnen war es ein Mord im Stile der Todesschwadrone: Die Mörder benutzten zwei Fahrzeuge mit verdeckten Nummernschildern und machten Videoaufnahmen – auch von den Umstehenden, die sich seither bedroht fühlen.
Die ZeugInnen berichten, daß Paco zusammen mit einem Begleiter, dem Polizisten Edgar Bernardo Barahona, zu Fuß unterwegs war, als sie plötzlich von den beiden Fahrzeugen gestoppt wurden. Elf Männer sprangen aus den Fahrzeugen und schossen sofort. Während Paco tödlich getroffen wurde, wurde sein Begleiter nur leicht verletzt.
Pacos Begleiter wurde unter der Beschuldigung, Erpresser zu sein, verhaftet und nach San Salvador gebracht. Auf Erpressung stehen sechs bis zwölf Jahre Haft, eine eventuelle Haftstrafe wird seit Inkrafttreten der Notstandsgesetze vom Mai 1996 um ein Drittel erhöht.
Da die Ermordung des Sängers und Ex-Guerrilleros in San Miguel zu Protesten führte, gab die PNC mittlerweile zu, daß der Mörder ein Mitglied der DIC sei: Leutnant Guillermo Ernesto Linares Carranza. Er wurde mittlerweile wegen “nicht beabsichtigten Mordes” verhaftet. Die PNC teilte mit, Linares habe aus Notwehr geschossen. Paco und Barahona seien Erpresser, und bei der Operation habe es sich um eine Festnahme gehandelt. Über die Identität der anderen Mitglieder des Kommandos hat sie bis heute keine Auskunft gegeben.
Um ihre Version der Ereignisse und ihre Behauptung, Paco und Barahona seien Erpresser, zu stützen, spricht die PNC von einer Videoaufnahme, auf der Paco mit einem Päckchen zu sehen sei. Die PNC hat jedoch bis heute keinerlei Beweise vorgelegt, die belegen, daß Paco in eine Erpressung verwickelt gewesen ist. Es steht zu befürchten, daß die PNC bei ihrem Konstrukt bleibt und die Ermittlungen einstellt.
Familienangehörige, AugenzeugInnen und FreundInnen von Paco werden bedroht und sind angesichts der Umstände der “Ermittlungen” eingeschüchtert, Einige haben sich bereits versteckt.
Das Verbrechen darf nicht, wie bereits so viele in El Salvador, unaufgeklärt und ungesühnt bleiben. Zur Zeit wird an der juristischen Vertretung der Familie, die als Nebenklägerin auftritt, gearbeitet. Für die Rechtshilfe und zur Unterstützung von Pacos Familie gibt es ein Spendenkonto: Kto.Nr. 0220090503, Postbank Köln (BlZ. 370 100 50), El Salvador Hilfe, G.v. Koerber. Stichwort “Justicia”.
Beim Ökumenischen Büro für Frieden und Gerechtigkeit, Pariserstraße 13, 81667 München können Protestbriefe an Präsident Calderón Sol angefordert werden.

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