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Tatwaffe Sprache

In dem kleinen Ort Puerto Esfinge an der argentinischen Atlantikküste stranden drei tote Seelöwen. Esfinge, Sphinx, ein Wesen, das im alten Griechenland ein mythisches Ungeheuer mit Frauenkopf und Körper eines geflügelten Löwen darstellte. Und gerade hier in dem abgelegenen Ort Puerto Esfinge findet ein Übersetzerkongress statt, in dessen Verlauf drei Mitglieder auf mysteriöse Weise zu Tode kommen. Bei allen Toten wird eine Münze gefunden, die sie unter der Zunge hatten. In der griechischen Mythologie galt eine dem Toten in den Mund gelegte Münze als Fährgeld für die Übersetzung über den Fluss Acharon, der die Welt der Lebenden von der Welt der Toten, dem Hades, trennt.
Der Autor Pablo de Santis, geboren 1963 in Buenos Aires, arbeitete lange als Drehbuchautor, schrieb Jugendbücher, entdeckte aber früh seine Liebe zu Kriminalromanen: „Mich faszinierten die Bücher der Agatha Christie mit ihrer merkwürdigen, fast klaustrophobischen Atmosphäre sehr und jetzt versuche ich eben diese Atmosphäre ihrer Geschichten zu imitieren“, sagte er in einem Interview. Mit seinem zweiten Roman „Die Übersetzung“ kam er in die Endauswahl für den Premio Planeta Argentina. In dieser fantastisch angehauchten Geschichte ist für Pablo de Santis „die Aufklärung des Verbrechens viel wichtiger als das Verbrechen selbst“. Dem typischen Aufbau eines Kriminalromans wird stets gefolgt : zuerst das Geheimnis, dann die Suche und letztendlich die Lösung.

Die Übersetzung

Miguel de Bast, ein menschenscheuer und wortkarger Übersetzer, fährt eigentlich nur zum Kongress, um seine verflossene Liebe Ana wieder zu sehen. Er wird auch auf seinen langjährigen Freund und Rivalen Naum treffen, der ihm Ana vor zehn Jahren ausgespannt hatte. Bei den Nachforschungen, die De Bast anstellt gerät Naum immer mehr in Verdacht und eine uralte unbekannte Sprache wartet auf die endgültige Übersetzung.

Pablo de Santis: Die Übersetzung. Aus dem Spanischen von Gisbert Haefs. Unionsverlag, Zürich 2000,160 S., 26,- DM (ca. 14 Euro)

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