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Tore, Siege, Perspektive

Kein Tag vergeht, an dem nicht in den hiesigen Medien über Verbrechen und Revierkämpfe rivalisierender Banden, pandillas, in Nicaraguas Städten berichtet wird. Und tatsächlich tickt vor allem in Managua, Estelí, Masaya, Matagalpa und anderen Städten des Landes eine Zeitbombe, die treffender wohl kaum die Kehrseite neoliberaler Politik widerspiegeln könnte. Daß der Regierung von Präsident Arnoldo Alemán nichts anderes einfällt, als im August 1999 drastische Polizeimaßnahmen gegen die pandillas durchzuführen, verwundert nicht. Angesichts der real spürbaren Verrohung, die sich immer wieder in brutalen Überfällen, Vergewaltigungen und Gewaltexzessen durch Banden äußert, ist derartiges Law-and-Order-Gehabe durchaus populär, greifen tut es nicht. Über 100 Haftbefehle gegen pandilleros haben zwar die Knäste gefüllt, dem Boom von Schnüffelstoffen und Crack jedoch keinerlei Einhalt geboten.
Die 130.000 EinwohnerInnen zählende Pazifikmetropole León ist eine Stadt, in der Straßenkriminalität und Bandenbildung eher Randerscheinungen sind. Allerdings zeigte das Zerschlagen von sechs Drogenkartellen in León vor einem Monat, daß auch hier die charmante koloniale und touristisch-attraktive Fassade trügen kann.

Wichtig ist nicht nur auf’m Platz

Das 1974 nach chilenischem Vorbild von Priester Miguel d’Escoto gegründete Barrio Fundeci gehört zu den ärmeren, wenn auch nicht zu den ärmsten Vierteln Leóns. Und es verfügt seit dieser Zeit über einen im Stadtteil gelegenen Fußballplatz. Zwar war dieser im Laufe der Jahre heruntergekommen, die Fußballbegeisterung der Fundecianer war jedoch geblieben. Dem vom Hamburger Senat finanzierten Jugendaustausch 1999 ist es zu verdanken, daß im August diesen Jahres unter tatkräftiger Beteiligung von 15 Hamburger Jugendlichen der Arbeitsgemeinschaft Freier Jugendverbände, der Sportplatz erneuert werden konnte. Damit hat Fundeci in wenigen Monaten, wenn der Rasen angelegt ist, wieder ein öffentlich zugängliches Fußballfeld.
Nach der Aufnahme eines regelmäßigen Trainingsbetriebs stieg die Zahl der teilnehmenden Jugendlichen auf etwa 40 Kids täglich an. Waren es zunächst nur Jugendliche aus Fundeci, so trainieren jetzt auch Fußballer aus anderen Stadtteilen mit. Nicht zuletzt den Erfolgen des 1998 gegründeten FC Deportivo ist dies zu verdanken. Ab Oktober 1999 spielt der FC Deportivo in der 2. Nicaraguanischen Liga. Und entsprechend dem Konzept von GOOOLEON, jedes Jahr eine neue Sparte aufzubauen, sind mittlerweile eine U-21-Herrenmannschaft und ein B-Jugend-Team (U-17) für die städtischen Wettbewerbe gemeldet.
Sportliche Erfolge aufgrund eigener Trainingsleistungen bedeuten für die Jugendlichen des FC Deportivo Bestätigung und Ablenkung von doch zumeist bedrückenden sozialen Verhältnissen. Und daß gerade sie kein Geld für den Kauf von Fußballschuhen, Schienbeinschützern etc. haben liegt auf der Hand. GOOOLEON lebt von Spendengeldern. Allerdings ist es klar, daß dies an der schwierigen ökonomischen Situation der Spieler wenig ändert. Denn nicht Profi-Kicker sind das Ziel, sondern Schul- und Studienabschlüsse. Und diese sind angesichts der sich rapide verschlechternden finanziellen Lage vieler Familien mehr denn je bedroht. Aus diesem Grund bedeutet der Schritt der Universität UNAN-León, fünf Auswahlspieler des FC Deportivo mit Stipendien in Höhe von 50 DM monatlich zu unterstützen, eine wichtige und zukunftsweisende Hilfe. Aber ein Team besteht aus mehr Spielern.

Steuerlich absetzbare Spenden für Studienstipendien bitte an: Harms, Hamburger Sparkasse, BLZ 200 505 50, Konto-Nr.: 1238 / 445611, Stichwort: P-217 Fußball.
Kontakt in Hamburg: Joachim Holstein, Tel. 040-218496
Kontakt in León: GOOOLEON@HOTMAIL.COM

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