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UMDENKEN MAL ANDERS

Maledúcate – bilde dich falsch! Dem Titel ihres ersten Studioalbums macht die im Jahr 2013 in Berlin gegründete Band Vello Público alle Ehre, denn in ihren Texten fordern sie ein Umdenken, das bestehende Ordnungen und Herrschaftsprinzipien hinterfragen soll.

Vello Público // Maledúcate // Flowfish Records // 2016 // ab 13,99 Euro // www.vellopublico.net

So auch in dem gleichnamigen Song „Maleducáte“: „Bilde dich falsch / Vergiss deine Bildung / Deinen Kopf programmieren sie im Sinne der Herrschaft“. Sie fordern die Hörer*innen dazu auf, ihr bisher erworbenes Wissen und die Strukturen, in denen es vermittelt wurde, zu hinterfragen. Schließlich ist es im Kontext von kolonialistisch und rassistisch geprägtem Eurozentrismus entstanden, der die Basis für bestehende soziale Ungerechtigkeiten darstellt. Vielmehr sollen wir uns, so die Forderung ihres Songs „En nombre de la Libertad“, auf die Realität verlassen, die wir mit unseren eigenen Augen wahrnehmen: „Ich spreche von dem, was deine Augen sehen / Im Namen der Freiheit / Gerade für diejenigen, die alles zurückgelassen haben“.
Obwohl sie erst vergangenes Jahr ihre erste EP veröffentlichten, wirken die Zusammensetzung und der Stil ihres ersten Albums so, als ob sie bereits Jahrzehnte zusammenarbeiteten. Abgesehen vom deutschen Schlagzeuger, stammen die drei Musiker aus Brasilien, Chile und Peru. Sie haben sich erst in Berlin kennengelernt, wohin sie ihr Studium verschlagen hat. Sie verbindet die Erfahrung der gelebten Realität Lateinamerikas, geprägt aus den Gegensätzen wie die der Favelas und Gated Communities. Der sozialkritische Anspruch darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass ihre Lieder eine Energie und Hoffnung versprühen, die alles andere als schwermütig ist. Dabei bedienen sie sich verschiedener Genres, von Rap, Rock, Funk und Ska bis hin zu Reggae, und schaffen somit ihren ganz eigenen Stil. Es ist ein absoluter Gewinn, dass so Manches ihrer Musik an bekannte Gruppen wie Molotov, Calle 13 oder an die brasilianische Reggae-Combo Natiruts erinnert. Es handelt sich schließlich nicht um eine billige Kopie, sondern vielmehr um eine kreative Umgestaltung und Neuverwendung bekannter Elemente und musikalischer Einflüsse aus Lateinamerika. Maledúcate ist ideal zum Tanzen und Feiern, aber bei genauerem Hinhören auch eine willkommene Anregung zum Nachdenken.

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