„Wertschätzen, was Leben in sich trägt“

Melina Castillo (zweite von links) und Luisa Carrera Altamirano (ganz links) arbeitens seit mehr als zehn Jahren im Kaffeekollektiv Foto: Paola Reyes
Für Degrowth Melina Castillo (zweite von links) und Luisa Carrera Altamirano (ganz links) arbeitens seit mehr als zehn Jahren im Kaffeekollektiv (Foto: Paola Reyes)

Ihr seid ein Bildungskollektiv, das auch Kaffee verkauft. Was hat das eine mit dem anderen zu tun?
Melina: Kaffee ist ein zentrales Beispiel dafür, wie die heutige Wirtschaft in ihrer kolonialen Kontinuität funktioniert. In ihm spiegeln sich alle ungerechten Strukturen der Ausbeutung. Unser Fokus liegt jedoch nicht darauf, dass im Detail verstanden wird, wie genau die Produktionskette und das ökonomische System funktioniert, sondern dass wir den Menschen den Kaffee auf eine Weise näherbringen, die eine Verbindung zur Pflanze, zum Leben, zur Erde und zu den Menschen herstellt. Ich glaube, viele Menschen wissen, dass es Ungerechtigkeit in der konventionellen Kaffeeproduktion gibt, aber es fehlt oft der emotionale Moment, der zum Paradigmenwechsel führt. Wir glauben, dass dieser Moment über eine emotionale Verbindung kommen muss, die über das rein kognitive Verstehen hinausgeht.
Luis: Von Anfang an war das Kaffeeprojekt eine gemeinsame Arbeit mit der Kooperative, bei der es um ein Zusammenlegen von Kräften, um Selbstverwaltung und Lernen ging. Durch den Verkauf von Kaffee haben wir auch auf unserer Seite die Machtasymmetrien deutlich erkannt. Hier vor Ort haben wir zum Beispiel viel zu sagen, wenn es darum geht, dass die Kooperative bestimmte Voraussetzungen erfüllen soll, um ein Siegel zu erhalten. Es ist absurd, dass die Regeln von hier aus festgelegt werden – und das hat mit kolonialen Kontinuitäten zu tun. All das bringen wir in unsere Bildungsarbeit ein. Es geht darum, das Produkt wertzuschätzen, das Leben in sich trägt – von lebendigen Pflanzen, von lebendigen Menschen, die ihre Energie dafür einsetzen, was von der Erde selbst kommt.

Was haltet ihr von den verschiedenen Siegeln, wie Fairtrade oder Bio?
Luis: Wir haben das Bio-Siegel, weil es stark mit dem Schutz der Erde verbunden ist. Die Menschen, die den Kaffee anbauen, kämpfen dafür, ökologischer zu produzieren, denn sie sind diejenigen, die am stärksten unter dem Einsatz von Pestiziden und Chemikalien leiden. Aber es wäre besser, wenn es andere Formen gäbe, ökologische Arbeit anzuerkennen, die nicht so bürokratisch sind.
Allgemeiner betrachtet denken wir, dass diese Siegel Projekte, die soziale Gerechtigkeit anstreben, eher negativ beeinflussen, weil sie das System stabilisieren. Es wirkt fast wie eine ethische Pflicht, wie eine schnelle Lösung, solche Produkte zu konsumieren – und das ist eine Form, das System zu entschärfen. Die, die davon profitieren, sind die großen Unternehmen, die keine Schwierigkeiten haben, Zertifizierungen zu bezahlen. Für kleine Gruppen ist das jedoch ein Problem, denn unsere Kriterien passen in kein Siegel.

Ihr arbeitet mit der Idee der solidarischen Ökonomie. Was bedeutet das für euch und die Kooperative in Guatemala, mit der ihr zusammenarbeitet?
Luis: Wir distanzieren uns ein wenig von dem, was hier in Deutschland unter dem Konzept der solidarischen Ökonomie verstanden wird. Wir gehen nicht davon aus, dass wir Strukturen verändern, sondern wir bündeln unsere Kräfte mit denjenigen, die tatsächlich im Widerstand sind und den Wandel vorantreiben. Gute Beispiele für solidarische Ökonomie sind für uns die Kaffeekooperativen in Guatemala. Sie sind sehr unterschiedlich in Größe und Struktur, aber sie haben alle gemeinsam, dass sie durch Selbstverwaltung Arbeit und ein gutes Leben für viele Menschen schaffen.
Melina: Das hiesige Verständnis von solidarischem Handel beinhaltet eine Hierarchie. Es wird so verstanden, dass man von hier aus Solidarität mit denen dort zeigt – und schon darin liegt ein Machtverhältnis, in dem ich die Macht habe, solidarisch mit dir, dem anderen, zu sein. Davon wollen wir uns lösen. Anstatt die Sichtweise zu haben, dass man „solidarisch ist“, was fast das Gleiche ist wie „ich helfe dir“, schlagen wir vor, das Wissen anzuerkennen, das soziale Gruppen wie die Kooperativen einbringen und diese Form politischer Organisation wertzuschätzen.

Kaffee hat eine gewaltvolle Kolonialgeschichte. Wo sieht man noch heute koloniale Strukturen im konventionellen Kaffeehandel?
Melina: Kaffee kam durch die Kolonisierung nach Abya Yala. Der erste große Produzent von Kaffee war Haiti. Als Haiti durch die Revolution die sklavenbasierte Kaffeeproduktion beendete, wurde der Anbau unter Anderem nach Guatemala verlagert. Dort verließen während des Genozids in den 60er- und 80er-Jahren viele Kaffeebauern ihr Land. Es gab auch schon vorher Kolonisierungsprojekte und viele Siedler in Guatemala besaßen Haciendas. Doch im letzten Jahrhundert, insbesondere nach dem Genozid in Guatemala, gab es eine Rekolonisierung dieser Ländereien – auch durch Deutsche. Heute sieht man koloniale Strukturen zum Beispiel am Kaffeepreis, der aus diesem kolonialen Wirtschaftssystem kommt, in dem Rohstoffe zunächst einen sehr niedrigen Preis haben und erst, wenn sie durch die Maschine laufen, der Preis steigt. Der Kaffeepreis spiegelt nicht die Produktionskosten wider, sondern die Spekulation des Marktes. Zudem ist die Mehrheit der Kaffeebauern in Guatemala Indigener Herkunft. Sie sind bis heute die am meisten diskriminierten Gemeinschaften in Abya Yala.
Luis: Die kolonialen Strukturen stecken auch in uns: diese Tendenz, dass Geld und Effizienz uns mehr anziehen und beeinflussen als die Sorge für unseren Planeten, für unsere Schwestern und Brüder, für das Leben. Kolonialismus bedeutet Tod, Ausbeutung aller Lebewesen und der Natur, einzig mit dem Ziel, den Profit zu maximieren.
Melina: Und es zeigt sich auch daran, dass Kaffee trinken – hier in Berlin, in Europa – eine Frage des sozialen Status ist. Je schicker und cooler ein Café aussieht, desto mehr Status gibt es dir. Es geht dabei nie um die Menschen, die den Kaffee anbauen, um die Erde oder die Pflanze, sondern um Innovation, Geschmack und die Zubereitungsart. Während rassifizierte Hände den Kaffee anbauen und verarbeiten, sind es die privilegierten weißen Hände, die ihn weiterhin ausbeuten und Gewinne daraus ziehen.

Wie könnten eurer Meinung nach diese kolonialen Logiken durchbrochen werden?
Luis: Es braucht mehr Bewusstsein, um aus dieser Normalität auszubrechen, in der das Wichtigste ist, dass die Wirtschaft so weiter­funktioniert. In Wirklichkeit basiert unser gesamter Lebensstil auf Ausbeutung und Zerstörung – und er hat Folgen an anderen Orten, die wir oft gar nicht sehen. Es gibt das Konzept der „imperialen Lebensweisen“, das sehr gut vermittelt, worin der Zusammenhang dazwischen besteht, dass wir hier das Licht anhaben können, während dafür so viel Wald zerstört werden muss, warum Flüsse gestaut und Dämme gebaut werden, damit wir ein immer schnelleres Leben führen können. Unser Versuch, da anzusetzen, ist unsere Bildungsarbeit.
Melina: Persönliches Bewusstsein ist immer gut. Aber wir sehen auch Gefahren darin, weil durch individuellen Konsum keine Strukturen verändert werden. Deshalb muss es mit politischem Druck und Boykott einhergehen, wie zum Beispiel dem Boykott, den wir jetzt im Zusammenhang mit dem Genozid gesehen haben. Darin sehe ich im Moment das größte Potenzial.

Welche Bedeutung haben für euch Allianzen? Und was gibt euch Hoffnung, dass sich etwas ändern kann?
Luis: Mit der MITCA, der Genossenschaftsstruktur, über die der Kaffeehandel organisiert ist, und mit der Kooperative La Voz sehe ich ein dauerhaftes Netzwerk, von dem wir viel lernen können. Wir haben auch viele Kooperationen mit Bioläden in Berlin und Brandenburg, die jedoch leider nach und nach weniger werden, da die kleinen Läden nicht genug Umsatz machen. Das ist schade, weil sie genau das Gegenmodell zur Industrialisierung sind – zu den zertifizierten Massenprodukten, zu den Supermärkten, in denen alles im großen Stil verkauft wird. Vielleicht ist unsere Arbeit keine Veränderung des Ganzen, aber doch eine Veränderung in bestimmten Teilen der Bevölkerung. Die Entstehung der Kooperative La Voz führte zu einem Wandel für die Menschen dort. Und auch für uns hier stellt sie eine bedeutende Veränderung dar, denn wir konnten uns dadurch eine Einkommensquelle und Arbeit aufbauen.
Melina: Wir sind sehr kritisch gegenüber diesen großen Transformationsnarrativen im Stil von „Wir verändern die Welt“. Denn die hängen auch mit kolonialen Denkmustern zusammen, in denen wir glauben, viel Macht zu haben. Aber wir haben gar nicht so viel Macht! Für mich liegt der Wandel in unserer Gemeinschaft. Ich glaube, die Prozesse der letzten Jahre und die Kooperationen haben uns verändert – durch das Verstehen und Kennenlernen all dessen. Wir arbeiten auch viel mit anderen selbstverwalteten Gruppen aus Abya Yala und aus der Diaspora und mit anderen Organisationen, die sich mit denselben Themen beschäftigen, zusammen. Auch dadurch hat sich etwas verändert: Früher gab es keine Räume, in denen wir Veranstaltungen zu einem bestimmten Thema organisieren konnten und jetzt haben wir sie geschaffen und erleben sie.


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Gaza-Notfallkonferenz in Bogotá

Vom Reden ins Handeln kommen Kolumbiens Präsident Petro fordert mehr Veranstwortungsübernahme, ob beim Klima (wie hier auf der COP) oder in Solidarität mit der palästinensischen Bevökerung (Foto: UNclimatechange via Flickr (CC-BY-NC-SA 2.0))

Die UN-Sonderberichterstatterin für die besetzten Gebiete Palästinas, Francesa Albanese, dokumentiert in ihren Berichten die sich verdichtende Beweislage zu israelischen Kriegsverbrechen. Im Februar 2025 wurde Albanese in Deutschland von Berliner Politiker*innen wie dem Bürgermeister Kai Wegner (CDU) und der Wissenschafts-Senatorin Ina Czyborra (SPD) als Antisemitin beschimpft. Sowohl die FU Berlin als auch die LMU München sagten Veranstaltungen mit ihr ab. Im Rahmen des Narrativs, dass die UNO von der Hamas instrumentalisiert werde, verhängte die Trump-Regierung Sanktionen gegen sie. Albanese erklärte die Sanktionen wiederum für illegal und als Missachtung der Immunität von Amtsträger*innen und Sachverständigen im Dienst der UN.

Bereits zuvor haben die USA Sanktionen gegen Richter*innen des Internationaler Straf­gerichtshof (IStGH) und dessen Chefankläger Karim Khan verhängt, die die Verbrechen der israelischen Regierung sowie der Hamas untersuchen. Laut Le Monde war unter anderem das Auswärtige Amt unter Leitung von Annalena Baer­bock in Einschüchterungsversuche gegen Karim Khan verwickelt. Vor diesem Hintergrund eröffnete Albanese am 15. Juli in Bogotá die Ministerkonferenz der Haager Gruppe so: „Viel zu lange wurde die internationale Ordnung als etwas Optionales betrachtet – selektiv angewandt auf diejenigen, die als schwach wahrgenommen werden, und ignoriert von jenen, die sich als mächtig darstellen. Dieser Doppelstandard hat die Grundfeste der internationalen Ordnung untergraben. Dieses Zeitalter muss ein Ende haben.“

Zusammenschluss für das Ende der israelischen Besatzung

Die Haager Gruppe ist ein Zusammenschluss von Staaten des Globalen Südens. Sie wurde im Januar 2025 von den Regierungen von Bolivien, Kolumbien, Kuba, Honduras, Malaysia, Namibia, Senegal und Südafrika gegründet. In ihrem Gründungsdokument erklären sie, entschlossen zu sein, „ihren Verpflichtungen zur Beendigung der israelischen Besatzung des Staates Palästina nachzukommen und die Verwirklichung des unveräußerlichen Rechts des palästinensischen Volkes auf Selbstbestimmung zu unterstützen“.

Im Juli 2025 luden Kolumbien und Südafrika als Vorsitzende der Haager Gruppe zu einer ministeriellen Notfallkonferenz in Bogotá über die Lage in Gaza ein. Insgesamt nahmen Minister*innen aus 30 Ländern, darunter China, Ägypten, Brasilien, Spanien, Norwegen, Schweden und die Türkei, teil. Im Gegensatz zu den USA oder der EU haben die Gründungsstaaten der Haager Gruppe begrenzte Einflussmöglichkeiten auf das Geschehen in Palästina oder die Politik Israels, beispielsweise hinsichtlich von Waffenimporten und -exporten oder Handelsbeziehungen, über die Druck ausgeübt werden kann. Der Wert der Gruppe liegt jedoch darin, sich dafür starkzumachen, dass von der Rhetorik zum Handeln übergegangen werden muss, und zu zeigen, dass es eine Verpflichtung jedes Staates ist, sich der Straflosigkeit Israels entgegenzustellen – so wie es das Völkerrecht fordert.

Albanese stellte ihren Bericht „Von der Besatzungswirtschaft zur Völkermordwirtschaft“ (Januar 2025) in Bogotá vor und plädiert dafür, Maßnahmen zu ergreifen, um nicht nur gegen die Ausführenden, sondern auch gegen jene vorzugehen, die den Völkermord ermöglichen. Viele Unternehmen bereichern sich an der illegalen Besatzung, Apartheid und dem Völkermord. Die damit gemeinten Unternehmen stammen aus vielen Teilen der Welt. Sie zur Rechenschaft zu ziehen, „ist ein notwendiger Schritt, um den Völkermord zu beenden und das globale System zu demontieren, das ihn ermöglicht hat“, so der Bericht. Außerdem bleibe eine zentrale Maßnahme, ein Waffenembargo gegen Israel umzusetzen. Die zweitägige Notfall-Konferenz führte zu sechs konkreten Maßnahmen, auf die sich die teilnehmenden Ländervertreter*innen einigten. Dazu gehören: die Unterbindung der Lieferung und des Transits von Waffen und militärischem Material, das Verbot der Nutzung von Häfen und Schiffen zur Versorgung Israels mit militärischem Material sowie die Überprüfung öffentlicher Verträge, die etwa den Handel mit Israel regeln.

Dreizehn Teilnehmerstaaten verabschiedeten die Maßnahmen umgehend. Schlüsselländer wie Brasilien, China und die europäischen Staaten haben sich jedoch noch nicht angeschlossen. Die Haager Gruppe setzte den 20. September als Frist. An dem Tag findet die 80. UN-Generalversammlung statt, bei der weitere Staaten Palästina als Staat anerkennen wollen. Bis dahin soll Israel gemäß der letztjährigen UN-Resolution die illegale Besatzung Palästinas beenden. Es ist bereits klar, dass Israel diese Resolution nicht einhalten wird.

Umfassende Solidaritätspolitik mit Palästina

Auch der Kohlehandel ist Thema in Bogotá, denn 60 Prozent der Kohleimporte Israels stammen aus Kolumbien. Darauf hatte zuvor die niederländische NGO SOMO im Bericht „Powering Injustice“ hingewiesen. Laut SOMO, die Lieferbeziehungen weltweit aufdeckt, könnten diese Kohlelieferungen „zu schweren Verstößen gegen das Völkerrecht beitragen, die von Israel in den besetzten palästinensischen Gebieten, einschließlich Gaza, begangen werden“. Der Hinweis zeigte Wirkung: Nach der Konferenz unterzeichnete Präsident Gustavo Petro im August ein neues Dekret, mit dem er die Ausfuhr von Kohle nach Israel stoppen will. Bereits vor einem Jahr hatte er eine ähnliche Regelung erlassen, die jedoch zuvor genehmigte Lieferungen nicht verbot und daher wirkungslos blieb. Das investigative Medium Vorágine hatte festgestellt, dass seit August 2024 die Konzerne Drummond und Glencore mindestens 30 Schiffe mit 1 Mio. Tonnen kolumbianischer Kohle an Israel geliefert haben.

Der Versuch, diese Lieferungen nun zu unterbinden, wurde von der Opposition scharf kritisiert. Ex-Präsident Iván Duque warf Petro vor, die Hamas zu unterstützen, und besuchte Netanyahu. Petros Regierung ist dennoch entschlossen, eine aktive Politik angesichts des Völkermords in Gaza zu verfolgen. Neben der Ausrichtung der Haager Konferenz und dem Kohleboykott kündigte er Ende August eine „umfassende Solidaritätspolitik mit dem palästinensischen Volk“ an. Diese verpflichtet kolumbianische Minister*innen, Botschafter*innen und andere Beamt*innen dazu, Abkommen mit Israel zu überprüfen, um die Übereinstimmung von Beschaffung u. a. von Waffen und Software mit den Grundsätzen des Völkerrechts sicherzustellen. Auch der Handel mit Palästina soll gestärkt werden.

Boykott und Handelsstopp

Parallel dazu haben regierungsnahe Abgeordnete entsprechende Initiativen vorangetrieben: So kündigte die Repräsentantin der Kolumbianer*innen im Ausland, Carmen Ramírez, die Einrichtung einer Solidaritätskommission für Palästina im Kongress an. Diese soll das 2020 unter der Regierung von Iván Duque unterzeichnete Freihandelsabkommen mit Israel überprüfen und gegebenenfalls aufheben.
Auch die türkische Regierung hat die in Bogotá vereinbarten Maßnahmen umgesetzt. Die Türkei spielt aufgrund ihrer geografischen Nähe zu Israel eine besonders wichtige Rolle. Ende August erklärte der türkische Außenminister Hakan Fidan seinerseits: „Wir erlauben nicht, dass türkische Schiffe israelische Häfen anlaufen. Wir erlauben nicht, dass Schiffe, die Waffen und Munition nach Israel transportieren, unsere Häfen anlaufen.“ Damit will Erdoğans Regierung, die in anderen Zusammenhängen Menschenrechte allerdings systematisch missachtet, nun den Druck auf Israel erhöhen. Am 8. September kündigte auch die spanische Regierung ähnliche Maßnahmen an.

Handeln auch ohne die Mächtigen

Derweil hat Deutschland ein Teilwaffenembargo verhängt und symbolisch Hilfsgüter über dem Gazastreifen abgeworfen. Doch eine Revision des Assoziierungsabkommens sowie Sanktionen gegen Israel blockiert Deutschland bis dato immer noch. Die Geschäfte deutscher Unternehmen – wie Axel Springer und Heidelberger Materials – bleiben unangetastet. Die USA zeigen ihrerseits keinerlei Absicht, etwas gegen das israelische Vorgehen in Gaza zu unternehmen.

Angesichts der Tatenlosigkeit der Verbündeten Israels stellen koordinierte Maßnahmen wie jene der Haager Gruppe konkrete Schritte dar, um den Völkermord in Gaza zu stoppen. Auch unilaterale Aktionen wie der Rückzug des norwegischen Staatsfonds aus Israel oder die Aussetzung schwedischer Rüstungsabkommen sind Beispiele dafür, dass es Staaten gibt, die Verantwortung übernehmen. Nicht zu übersehen sind auch die Bemühungen der internationalen Zivilgesellschaft – etwa Blockaden von Häfen im Mittelmeer oder die Aktionen der Freedom Flotilla Coalition.

Bisher ist der Zusammenschluss der Haager Gruppe die größte gemeinsame Strategie, die unternommen wurde, um dem Völkermord in Gaza ein Ende zu setzen. So zeigt die Konferenz einen Handlungsweg auf – im Einklang mit dem Völkerrecht und auch ohne Beteiligung der „Mächtigen“.


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„Koloniale Wunden heilen“

Portrait von Pancho Godoy mit seinem Buch

Woher stammt die Idee zu deinem Buch?
Ich zitiere gerne bell hooks, um zu erklären, warum ich dieses Buch geschrieben habe. Sie sagt, dass sie zur Theorie kam, weil sie Schmerz empfand und die Theorie half ihr, einen Weg zu finden, um bestimmte Wunden zu heilen, die sie nicht verstand. Für mich war das Schreiben dieses Buches ein persönliches und kollektives Werkzeug, um zu überlegen, wie man das benennt, was einen verletzt. Wie man das benennt, was auf eine sehr subtile, alltägliche Weise unterdrückt. Indem man es benennt, entstehen auch Formen der Anerkennung, die es ermöglichen, sich eine gewisse Heilung vorzustellen. Für mich bedeutet Heilung, anzuerkennen, dass wir mit diesen Schmerzen, Wunden, Traumata leben. Wenn wir mit nicht-gemischten Gruppen arbeiten, zum Beispiel mit Migrantinnen oder Dissidentinnen, nenne ich diese gerne „Gemeinschaften des Schmerzes und der Freude“. Wir umarmen den Schmerz, aber entkommen ihm auch durch Freude: durch das Zusammensein, das gemeinsame Essen, Tanzen, Teilen.

Was ist die Blancografíe und wozu dient sie?
Die Blancografíe ist ein kritisches Werkzeug, das von Denkerinnen wie Michelle Mattiuzzi, Jota Mombaça und Jess Oliveira entwickelt wurde. Sie begannen, den Begriff – auf Englisch whitenography – zu verwenden, um zu analysieren, wie der dekoloniale Diskurs stark von weißen Männern dominiert wird. Aus dieser Kritik entstand eine Methode, um Weißsein als Machtsystem zu lesen. Ich habe sie als persönliche Methodologie übernommen, um meine Beziehung zu Europa zu verstehen: wie sich Gewalt wiederholt, wie weiße Körper nach sich wiederholenden, fast mechanischen Mustern handeln. Das ist nichts Neues. Schon Frantz Fanon, aber auch viele Indigene Völker haben das analysiert.

Du sprichst oft von „Weißsein“ – warum ist dieses Wort wichtig?
Weißsein zu benennen war sehr schwer. Die Spanier – spätestens seit Hegel sie als Teil Afrikas bezeichnete oder sie sich selbst in den 2000ern als Teil der „PIGS“ (Portugal, Italien, Griechenland, Spanien) bezeichneten – glaubten an das Märchen, „Süden“ zu sein. Also hielten sie sich nicht für so europäisch, so westlich wie Nordeuropa. Es gibt viel Widerstand, wenn man sagt: „Seht her, es gibt eine koloniale Geschichte, eine koloniale Erinnerung.“ Alles, was im Prado oder im Museu Nacional d’Art de Catalunya (MNAC) steht, basiert auf kolonialem Raub. Mein Buch enthält Texte, die ich vor über zehn Jahren begonnen habe zu schreiben. Damals war es extrem schwer, das Weißsein in Spanien überhaupt zu benennen. Jemandem zu sagen „Du hast weiße Privilegien“ oder „Du übst weiße Vorherrschaft aus“, stieß sofort auf Ablehnung. Im Vergleich dazu gibt es in Ländern wie Frankreich oder Großbritannien – trotz starkem strukturellem Rassismus – zumindest eine gewisse Anerkennung weißer Privilegien. Doch Spanien war und ist eine koloniale Macht und das wird selten kritisch reflektiert.

Wie zeigt sich diese Verleugnung der kolonialen Vergangenheit in den Kulturinstitutionen?
Man muss nur in den Prado oder ins MNAC schauen. Der Reichtum, der dort gezeigt wird, basiert auf kolonialer Ausbeutung. Es geht nicht nur um Objekte aus Lateinamerika, Afrika oder den Philippinen, sondern auch um Paläste, monumentale Architektur, ein ganzes weißes Wohlstandssystem, das auf kolonialer Gewalt basiert. Im Buch erwähne ich Potosí, eine Stadt in Bolivien, über die man sagte: mit all dem gestohlenen Silber könnte man eine Brücke bis nach Sevilla bauen. Dieses Bild sagt alles. Heute gibt es zwar ein gewisses Interesse, Museen zu „dekolonisieren“ oder Narrative zu überdenken, aber oft bleibt es bei oberflächlichen Gesten. Eine echte Anerkennung der kolonialen Erinnerung würde tiefgreifende politische, wirtschaftliche und rassistische Strukturen infrage stellen.

Welche Folgen hatten die Haitianische Revolution und andere Dekolonisierungsprozesse für Afrika und Lateinamerika?
Die Haitianische Revolution war ein Wendepunkt in der Kolonialgeschichte: eine radikale Revolution, später wiederholt in Algerien oder Äquatorialguinea, bei der versklavte und kolonialisierte Völker die Kolonisatoren vertrieben und in einigen Fällen töteten. Die Reaktion des Westens? Strafe. Politisch, wirtschaftlich, symbolisch – und diese Strafe dauert bis heute an. Afrikanische Geschichte ist kaum bekannt, und im globalen Vorstellungsraum ist Afrika fast unsichtbar. Das politische und wirtschaftliche System hat diese Gesellschaften an einen Ort der „Bestrafung“ verbannt und ihnen Strukturen wie den Nationalstaat auferlegt, die ihren kulturellen Realitäten nicht entsprechen. Gleiches gilt für Lateinamerika. In Argentinien etwa, das sich selbst als „weißestes“ Land der Region darstellt, existieren mindestens sechsunddreißig Indigene Nationen. Aber der Staat strebt eine homogene Nation an und verleugnet diese Vielfalt. Und mit „Vielfalt“ meine ich nicht oberflächliche Kulturfragen, sondern tiefgehende Unterschiede: wie man das Leben versteht, wie man mit Umwelt, Gemeinschaft, Erinnerung und Zukunft umgeht.

Was hat all das mit Kapitalismus in Afrika und Lateinamerika zu tun?
Es ist wichtig zu erkennen, dass die Migration rassifizierter Menschen nach Europa nicht erst mit der Europäischen Union begann, sondern schon 1492 – als Indigene und Afrikanerinnen versklavt und auf die iberische Halbinsel gebracht wurden, um weißen Menschen zu dienen. Der Kolonisator hatte eine rein extraktive Beziehung zur Natur – und diese steht im Zentrum kapitalistischer Entwicklung. Deshalb spreche ich im Sinne afroamerikanischer Theoretikerinnen von einem „rassistischen Kapitalismus“. Die Stellung eines weißen Körpers ist nicht dieselbe wie die eines rassifizierten Körpers. Ein prekarisierter Spanier, der nach Lateinamerika migriert, erlebt sofort sozialen Aufstieg, allein durch seine Hautfarbe. Die Kolonisierung suchte nicht nur nach Gold oder Silber, sondern auch nach Farben, Düften, Gewürzen. Produkte wie Zucker, Kaffee und Tabak, für deren Produktion Millionen versklavt wurden, waren nicht lebensnotwendig, sondern für das Vergnügen gedacht. Das zeigt: Das koloniale System war eine Extraktion – materiell und symbolisch – zugunsten der weißen Bevölkerung.

Wie unterscheidet sich das Indigene Verhältnis zur Natur vom europäischen?
Indigene Gemeinschaften haben eine Beziehung zur Natur, die nicht rein utilitaristisch ist, sondern auch affektiv. Wenn man zum Beispiel Farbe aus einer Pflanze nimmt, tut man das nicht einfach wie bei einem Rohstoff. Es gibt ein Band, eine Absicht. In der Kolonialgeschichte wurden Farben wie Rot oder Blau für Monarchien und Gemälde gestohlen. Hinter diesen Farben steckt Gewalt, Ausbeutung. Dasselbe gilt für Paläste und Denkmäler: Wer hat sie gebaut? Mit welchen Materialien? Welche Geschichten verbergen sich darin? Wenn man diese Schichten aufdeckt, versteht man, dass vieles, was in Europa als selbstverständlich gilt, auf verschwiegenen Ausbeu­tungs­­prozessen beruht.

Welche spirituellen Folgen hatte das koloniale Naturverständnis?
Die Indigene Beziehung zur Natur ist von Respekt und Spiritualität geprägt. Wenn ein Tier getötet wird, geschieht das mit Vorsicht und Ritual, als Teil eines besonderen Moments der Gemeinschaft. Dasselbe gilt für Flüsse, Pflanzen, Berge – es gibt Kommunikation und Gegenseitigkeit. Die Kolonisatoren nannten das „Ausrottung von Götzendienst“, weil sie diese Verbindung ablehnten. Deshalb wurde der Katholizismus als einzig legitimer spiritueller Weg aufgezwungen. Die Kolonialisierung zerstörte nicht nur diese Praktiken, sondern säte auch Scham. Indigene und afrodiasporische Menschen schämten sich ihrer Wissensformen, ihrer Naturbeziehungen. Das betraf nicht nur das Materielle, sondern auch das Symbolische, das Sexuelle. In vielen Indigenen Kulturen war Heterosexualität keine politische Norm. Der Kolonisator brachte sein Produktionsmodell zusammen mit seiner Moral, seinem Strafbegriff und seiner Vorstellung von Sünde.

Was bedeutet das Wort „indix“?
Indix entstand in Gesprächen zwischen migrantischen, rassifizierten Menschen – oft in Städten geboren, in Europa, aber nicht-weiß, nicht westlich gelesen. Es ist ein Weg, sich über Indigene Wurzeln zu definieren, ohne sich auf ein bestimmtes Volk festzulegen. Daraus entstand auch der Begriff indix-deszendent, ein Sammelbegriff ähnlich wie „rassifiziert“. Er ist konfliktiv – eine Maya-Abstammung ist nicht dasselbe wie eine andere –, aber hilfreich als kollektive Kategorie.

Ist es nicht widersprüchlich, ein kolonial belastetes Wort wie „indix“ zu benutzen?
Ja, indix war ein Begriff, der gewaltsam von Kolonisatoren auferlegt wurde. Kolumbus dachte, er sei in Indien – und so nannte er alle Völker Abya Yalas „Indios“. Diese Vereinheitlichung ist zutiefst gewalttätig. Aber sich diesen Begriff zurückzuerobern, kann auch ein Werkzeug sein: um gemeinsame Erinnerungen zu benennen, eine Sprache des Widerstands und der Aneignung zu finden.

Welche Auswirkungen hat dieser Anerkennungsprozess im Alltag?
Er ist sehr bedeutsam. Ich habe gesehen, wie Menschen sich westliche Namen abgelegt und Indigene Namen angenommen haben – als Verbindung zu den Wurzeln. Es sind mikropolitische Gesten, alltägliche Heilungen. In meiner queeren, geschlechtsdiversen Community gab es oft schwierige Situationen mit den Familien aufgrund von Homophobie. Aber die Rückbindung ans Indigene wurde auch ein Weg, wieder mit der Familie in Kontakt zu kommen, mit der Ahnen-Erinnerung – jenseits von Ablehnung und Schmerz. Es hilft uns, uns selbst vollständiger zu umarmen.


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“Ellas asumen las tareas que el estado no está llevando a cabo”

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Activistas « Auf eigene Faust » (Por cuenta propria) ponen de manifiesto la importancia de la lucha contra las violaciones de los derechos humanos (Foto: Deutsche Menschenrechtskoordination Mexiko)

¿Cómo es la situación actual de las desapariciones forzadas en América Latina?

Graciela Martínez (GM): La desaparición forzada es una grave violación de los derechos humanos que se produce en América Latina desde hace décadas. Puede que este fenómeno no sea tan visible internacionalmente cuando pasa en nuestra región, pero sigue ocurriendo. A nosotros como a Amnistía Internacional nos parecía importante tratar este tema, y por eso el año pasado lanzamos la campaña Buscar sin Miedo. Esta pretende apoyar a las mujeres que buscan a personas desaparecidas forzadamente en las Américas para que puedan realizar su labor sin temor a represalias y con dignidad. Nos hemos enfocado principalmente en México y Colombia. Eso no significa que esto no suceda en otros países latinoamericanos, pero nos parecen dos países bastante emblemáticos para dar un ejemplo de las situaciones que viven estas personas.

¿Cómo es particularmente en México y Colombia?

Mariano Machain (MM): Las desapariciones de México comenzaron en las décadas del 60, 70 y 80 con la represión de movimientos disidentes. A partir del 2006, con la fuerte militarización de la seguridad pública y la llamada guerra contra el narcotráfico, las desapariciones empezaron a subir muchísimo. Hoy en día existen oficialmente al menos 120 mil personas desaparecidas o no localizadas en México y alrededor de 10.000 nuevos casos cada año. Estas son solo las cifras oficiales; hay indicios de que el número real es mayor. Al mismo tiempo, existen solamente 36 sentencias condenatorias por el delito de desaparición forzada y más de 72 mil personas fallecidas no identificadas en los servicios forenses mexicanos.

GM: En Colombia es también un tema que persiste, que sigue sucediendo, a pesar de que se ha firmado un acuerdo de paz.

¿Por qué desaparecen tantas personas? ¿Qué factores contribuyen a esta situación?

MM: En el pasado la represión política era el principal factor estructural detrás de las desapariciones. Periodistas y defensores de los derechos humanos siguen siendo asesinados y silenciados mediante desapariciones forzadas, pero eso afortunadamente ha bajado muchísimo. Lo que ha subido mucho es el caos de la seguridad pública y las políticas que apuntan a la militarización del país. Muchas personas pueden sufrir desaparición forzada por estar en el lugar incorrecto en el momento incorrecto. Por supuesto, hay fuertes células o agrupaciones de crimen organizado que tienen los medios, las armas y la logística para desaparecer gente por sí solas, eso es posible, pero en nuestra experiencia la gran mayoría de estos casos tiene algún elemento de colusión y complicidad estatal.

GM: Un aspecto que es muy importante que señalamos en el informe, tiene que ver con la impunidad. Esta es una constante y en general hay pocos avances en la investigación de las desapariciones. Es decir, si no hay castigo a las personas responsables de violaciones a los derechos humanos, no hay forma de que se puedan parar.

¿Quiénes son las personas que buscan y a qué peligros se exponen?

MM: Las personas que se organizan para buscar son 99% mujeres y están sufriendo ataques por esta labor. Cada vez es más peligroso buscar. Tenemos registradas desde el 2019 14 personas asesinadas por buscar, de las cuales 9 son mujeres.

GM: Las mujeres buscadoras en la región han jugado un papel histórico. Ellas asumen las tareas que el Estado no está llevando a cabo. Además de la desaparición forzada como violación a los derechos humanos, se producen otro tipo de violaciones asociadas a la búsqueda: se producen ataques que van desde la estigmatización, el robo de información e incluso pueden llegar a la desaparición de las mujeres buscadoras y de sus familiares. Ellas no reciben la protección que necesitan y a menudo destinan muchos de sus muy escasos recursos económicos para la búsqueda.

El 15 y 16 de enero se llevó a cabo en Ginebra el primer Congreso Mundial sobre Desapariciones Forzadas. ¿Qué se discutió ahí?

MM: El congreso reunió un amplio conjunto de actores: colectivos de víctimas, gobiernos y organizaciones de la sociedad civil de más de 80 países, las comisiones de Derechos Humanos de las Américas, las comisiones Interamericana y Africana de Derechos Humanos, y los diferentes organismos de Naciones Unidas que trabajan en el tema de las desapariciones forzadas. Su objetivo era ver qué se puede hacer a nivel internacional para que este tema se vuelva una prioridad de una amplia gama de gobiernos, entre estos el alemán y el mexicano.

En concreto, el congreso llegó a seis principales conclusiones y puntos de acción. Un punto importante, por ejemplo, habla de fortalecer las conexiones entre mujeres buscadoras en todo el mundo. Otro compromiso mundial es fortalecer a la sociedad civil para fortalecer la conexión entre diferentes organizaciones de base, las familias y la ONU. A nivel latinoamericano es importante crear una red de solidaridad y apoyo entre organizaciones de familiares y organizaciones civiles para impulsar acciones conjuntas.

¿Qué importancia tienen los foros internacionales, por ejemplo como al que asistieron en Ginebra y este actualmente en Berlín, en el avance de políticas públicas sobre las desapariciones forzadas?

GM: Estos espacios son muy buenos para compartir los avances que hay en cada uno de los países. Por ejemplo, Andrea Torres de la Fundación Nydia Erika Bautista compartió en Ginebra su experiencia con la Ley de Mujeres Buscadoras que se aprobó en Colombia el año pasado. Esto permite que otras mujeres buscadoras en otros países conozcan de esta ley, que es única en la actualidad, y así avanzar en sus esfuerzos por sus derechos.

MM: Nos interesa movilizar a la sociedad y al gobierno alemán para que le planteen al gobierno mexicano que no se puede ser un socio comercial de primer nivel de Alemania y al mismo tolerar violaciones a los derechos humanos. Ser amigos y socios implica tener los mismos valores y luchar por las mismas causas, es decir, no permitir violaciones a los derechos humanos de manera generalizada.

Juan Carlos y Andrea, miembros de su familia han sufrido desapariciones forzadas. ¿Pueden contarnos más al respecto?

Juan Carlos Lozada (JCL): Soy hijo de Juan Carlos Lozada Mahuem, quien desapareció en el año 2009 en el estado de Hidalgo, México. A partir de su desaparición tuve que luchar para encontrarlo. Mi papá desapareció hace 15 años… La mayoría de las búsqueda fueron iniciadas por nuestras abuelas o nuestras madres, pero ahora estamos en este cambio generacional y a los hijos y a las hijas nos toca seguir lo que nuestras madres iniciaron.

Andrea Bautista (AB): Soy sobrina de Nydia Erika Bautista, quien fue desaparecida forzadamente por el Ejército de Colombia el 30 de agosto de 1987. Fui testigo de su detención el día de mi primera comunión. Desde el momento que fue desaparecida mi familia se dedicó a la labor de buscarla, a hacer la denuncia por lo que le había ocurrido.

¿Cómo es su activismo actualmente? ¿Cuáles son sus objetivos?

JCL: Yo fundé el colectivo Juntos por Hidalgo. Cuando desapareció mi papá no existía en México ningún mecanismo de protección física y jurídica para los familiares de personas desaparecidas. No existía ninguna institución para la búsqueda, investigación e identificación especializada en el tema de desaparición. Entonces las familias nos empezamos a juntar para hacer incidencia en los ámbitos políticos, para llamar a las instituciones a impulsar estas políticas públicas en materia de desaparición, y para luchar por una ley general en materia de desaparición forzada para las familias y por una declaratoria de ausencia especial. Lo que hacemos en Juntos por Hidalgo es luchar por los temas de identificación y por leyes que nos protejan en nuestra búsqueda.

AB: Soy abogada de la Fundación Nydia Erika Bautista. Mi madre la fundó con un premio de derechos humanos que ganó en Alemania. Como ella estaba en el exilio, su trabajo desde la fundación consistía en brindar acompañamiento humanitario a las familias y ayudarles con cubrir sus necesidades básicas, ya que uno de los impactos más graves de la desaparición es el empobrecimiento. Con la fundación instalada en Colombia después de su regreso al país, empezamos un trabajo más amplio de acompañamiento jurídico a los diferentes casos que acompañamos, así como también de lobbying frente a diferentes instituciones y al estado para promover políticas públicas en prevención y erradicación de las desapariciones forzadas. Creamos también una escuela de liderazgo en la que involucramos a las familias que acompañamos y hacemos varias labores de capacitación para el empoderamiento.

¿Hay algún progreso en particular del que estén muy orgullosos?

JCL: El gran logro es haber redactado la ley de desaparición en el estado de Hidalgo. Para nosotros fue un gran avance porque la ley mandata distintos mecanismos y herramientas que facilitan la búsqueda de las personas desaparecidas.

AB: Hemos tenido participación en la creación de todas las leyes que hay en Colombia para la prevención y atención de la desaparición forzada, desde la ley 589 del 2000 de tipificación hasta la reciente ley de mujeres buscadoras, aprobada en 2024. Esta ley al comienzo recibió mucha resistencia por parte del gobierno y por eso buscamos el apoyo internacional; así logramos posicionar el tema en la agenda política. Ahora estamos iniciando el proceso de implementación de esta ley, que es el reto más fuerte que tenemos en Colombia.

¿Cómo se puede apoyar y proteger mejor a lxs buscadorxs en su peligrosa tarea? ¿Cuáles son sus deseos para el futuro?

JCL: Nosotros lo que más necesitamos de México es voluntad política, porque las herramientas ya están. Países como Alemania nos pueden ayudar demasiado porque uno de nuestros grandes se dio precisamente gracias a la cooperación internacional.

AB: El deseo es que se erradiquen las desapariciones forzadas. En este momento tenemos un incremento de esta problemática, con el agravante de que la mayor parte de desaparecidos recientes son jóvenes y niños. Es el futuro de Colombia el que está desapareciendo. Y a pesar de los altos niveles de impunidad que se tienen en Colombia, soñamos con que la justicia ordinaria y los nuevos tribunales transicionales que fueron creados mediante el acuerdo de paz investiguen de manera eficiente, diligente y sancionen a los responsables.


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Ein Tag ohne Migrant*innen

 „Ignoranz bekämpfen, nicht Migration!“ Migrant*innen setzen der Entmenschlichung Würde entgegen (Foto: Canek Huerta-Martínez)

Bis zum 12. Februar 2025 hat Donald Trump mehr als 60 Exekutivverordnungen unterzeichnet – ein Rekord in den vergangenen 40 Jahren. Eine Exekutivverordnung ist eine präsidiale Anordnung ohne die Kontrolle anderer Regierungsgewalten. Diese können jedoch vor Gericht angefochten und blockiert werden, was in einigen Fällen bereits geschehen ist. Mehr als die Hälfte der Verordnungen zielen darauf ab, Migration einzuschränken und die Rechte von Migrant*innen sowie Asylsuchenden zu beschneiden.

Sie spiegeln die Kontinuität einer migrationsfeindlichen Politik wider, die auf Kriminalisierung, einer verschärften Sicherheitspolitik und Militarisierung basiert. Irregulär migrierte Personen und Asylsuchende werden als „Bedrohung“ der nationalen Sicherheit dargestellt. Am 20. Januar, Tag Eins seiner Amtszeit, unterzeichnete der Präsident mindestens sechs Exekutivverordnungen im Zusammenhang mit Migration und der sogenannten „Grenzsicherheit“. Er erklärte einen „nationalen Notstand“ an der Grenze zu Mexiko, entsandte 1.500 Polizeikräfte und setzte das Programm Quédate en México („Bleib in Mexiko“), auch bekannt als Migrant Protection Protocols (MPP), wieder in Kraft. Dieses Programm kam bereits 2019 zur Anwendung und wurde Mitte 2022 eingestellt. Es zwingt Asylsuchende, die an der US-Südgrenze ankommen, dazu, in Mexiko zu bleiben, während ihre Fälle vor US-amerikanischen Einwanderungsgerichten verhandelt werden. Trump schaffte außerdem die App CBP One ab, über die Asylsuchende zuvor ein Formular ausfüllen mussten, um einen Termin an den Grenzübergängen zwischen den USA und Mexiko zu erhalten (siehe LN 594). Dadurch wurden Tausende von bereits vereinbarten Terminen storniert, sodass Schutzsuchende an den Grenzübergängen strandeten. Zudem setzte Trump das Resettlement-Programm für Geflüchtete aus und erweiterte die grenzpolizeilichen Operationen innerhalb der USA ohne richterliche Anordnung. Dies führte dazu, dass Tausende von Geflüchteten in Unsicherheit zurückblieben und Abschiebungen ohne rechtsstaatliches Verfahren ermöglicht wurden.

60 Exekutivverordnungen in 3 Wochen

Mit einer weiteren Verordnung hob Trump den Temporary Protected Status (TPS) für Venezolaner*innen auf. Schätzungsweise hatten mindestens 600.000 Personen von diesem temporären Schutzstatus profitiert. Nun sind sie von Abschiebung bedroht sowie arbeitsrechtlicher Unsicherheit und verstärkter Ausbeutung ausgesetzt, da ihre Arbeitserlaubnisse erloschen sind. Zusätzlich drohen ihnen erhebliche Risiken, sollten sie in ein Land zurückkehren müssen, in dem Migration ebenfalls kriminalisiert wird.

Die US-Regierung, die offen feindselig gegenüber migrierten und verarmten Menschen agiert, erhöhte zudem die Mindestquoten für Verhaftungen und Abschiebungen durch die Einwanderungs- und Zollbehörde ICE. Gleichzeitig wurden verschiedene Gruppen zu Terrororganisationen erklärt – darunter mexikanische und venezolanische Kartelle wie Tren de Aragua. Dies dient nicht nur der Rechtfertigung der Aufhebung des TPS, sondern auch der Legitimierung des Einsatzes US-amerikanischer Sicherheitskräfte auf mexikanischem Boden.

Es ist zu beobachten, wie Abschiebungen mit unmenschlichen, erzwungenen Trennungen von Familien die Angst und posttraumatischen Belastungsstörungen innerhalb der transnationalen Migrant*innengemeinschaft verstärken. Berichte über Abschiebeflüge belegen, dass es dabei zu menschenunwürdiger Behandlung kommt. Zudem besteht die Gefahr eines plötzlichen Einbruchs der Rücküberweisungen von Geld, die das Überleben von Familien in Mexiko, Mittel- und Südamerika sowie in der Karibik sichern. Ein weiteres Problem für migrantische Gemeinschaften, die um ihr Überleben und das Recht auf Migration kämpfen, ist die Kürzung der Mittel für die US-Entwicklungsagentur USAID (siehe Seite 30). Paradoxerweise finanzierte diese unter bestimmten Bedingungen humanitäre Projekte, darunter Programme für irregulär migrierte Menschen auf der Durchreise. Zudem versuchte Trump, das Geburtsrecht auf Staatsbürgerschaft abzuschaffen – eine Maßnahme, die aufgrund ihrer Verfassungswidrigkeit umgehend von Bundesgerichten blockiert wurde.

Große mediale Inszenierung

Angesichts dieser Entwicklungen ist es entscheidend, die Maßnahmen Trumps und der US-amerikanischen Rechten als eine auf Hass und medialer Inszenierung basierende Strategie zu entlarven: Es gibt ein massives Ungleichgewicht zwischen der Verbreitung hasserfüllter Narrative und der tatsächlich umgesetzten Politik. Denn bis heute gibt es keine Klarheit darüber, wie viele der Exekutivverordnungen tatsächlich durchgesetzt werden und welche Auswirkungen sie haben werden. Besonders im Bereich der Abschiebungen verdeutlicht Eileen Truax, Journalistin mit Schwerpunkt Migration, gegenüber LN, wie die mediale Inszenierung die Realität der Zahlen verzerrt: „Im Jahr 2024 wurden 14.000 Menschen nach Kolumbien abgeschoben. Das entspricht 38 Abschiebungen pro Tag, 760 in 20 Tagen – doppelt so viele wie Trump in seinen ersten 20 Amtstagen durchführte“, so Truax.

Migrant*innen reagieren auf unterschiedliche Weise auf diese Situation. Viele Menschen mit einem irregulären Aufenthaltsstatus in den USA sehen ihren Alltag massiv beeinträchtigt: Sie haben Angst, zur Arbeit zu gehen, ihre Kinder zur Schule zu schicken und dort möglicherweise festgenommen zu werden. In betroffenen Haushalten mussten sich diejenigen, die von Abschiebung bedroht sind, organisieren, um notwendige Besorgungen und Erledigungen zu machen, während andere gezwungen sind, in ihren Häusern zu bleiben.

Gleichzeitig mischen sich Angst, Wut und Würde. Historische migrantische Kämpfe gegen anti-migrantische Narrative und Maßnahmen leben wieder auf und entwickeln neue Ausdrucksformen. Vor allem junge Menschen lateinamerikanischer Herkunft und Indigene Gruppen Nordamerikas organisieren sich in ihren Gemeinschaften und über soziale Netzwerke, gehen auf die Straßen und beteiligen sich an Demonstrationen. Sie protestieren und setzen der Entmenschlichung Würde entgegen: „Wir sind hier, und wir sind keine Kriminellen!“ Zudem organisierten sie eine landesweite Mobilisierung unter dem Motto „#EinTagohne-
Migrantinnen“. Menschen blieben der Arbeit fern und Geschäfte schlossen, um auf die Bedeutung von Migrantinnen für die Gesellschaft und Wirtschaft aufmerksam zu machen.

Kollektiv zusammenstehen

Es entstehen alternative Narrative, die sich gegen Hass richten, die Vielfalt, Mehrsprachigkeit, Multikulturalität und die Solidarität feiern, die Abya Yala auszeichnen – sichtbar auf Protestplakaten, in Slogans, Worten und Liedern. Organisationen, Kollektive und Einzelpersonen auf der ganzen Welt starten Kampagnen zur Unterstützung, Aufklärung und Bewusstseinsbildung.

Es gibt auch spontane Formen des Widerstands, wie der Fall eines Abschiebeflugs nach Brasilien am 24. Januar zeigt. Aufgrund technischer Probleme musste das Flugzeug zweimal zwischenlanden. Die Migrant*innen an Bord, die ohne Klimaanlage und in Handschellen abgeschoben wurden, rebellierten gegen die US-Behörde in Manaus, die für den Flug verantwortlich war. Dadurch gelang es ihnen, das Flugzeug zu verlassen und die brasilianischen Behörden zum Handeln zu bewegen. Außerdem schafften sie es, für sich selbst zu sprechen – anstatt lediglich als Bilder von gefesselten, mit gesenktem Blick gehenden Menschen in Erinnerung zu bleiben.

Kooperation zulasten von 
Migrant*innen

Andere wichtige, allerdings gegenläufige Reaktionen beziehen sich auf die internationale Zusammenarbeit einiger lateinamerikanischer Regierungen mit den USA im Bereich Migration, die sich „verpflichtet“ haben, abgeschobene Personen – sowohl Staatsangehörige als auch Nicht-Staatsangehörige – aufzunehmen. Diese Situation stärkt die Sicherheits- und Militari­sierungspolitik an den Grenzen. Zentral­amerikanische Länder haben eine Kooperation entwickelt, die ihre Interessen daran ausrichtet, Abschiebungsprozesse durchzuführen und Migration an sich aufzuhalten. Diese Kooperation ist „das Ergebnis des ersten Besuchs des US-Außenministers Marco Rubio in Zentralamerika, bei dem er die Region bereiste, um die Allianz zur Umsetzung des migrationsfeindlichen Projekts von Präsident Donald Trump zu garantieren,“ so Cindy Espina im zentralamerikanischen Onlinemedium Hora Cero. Neben den entstandenen Vereinbarungen mit Guatemala und El Salvador (siehe Seite 31) bekräftigte Panamas Regierung ihren Willen, die Grenzkontrollen im Darién-Dschungel zu verstärken und die Abschiebung regionaler und außerkontinentaler Migrant*innen fortzusetzen. Ebenso wurde Guantánamo auf Kuba erneut als extraterritoriales Haftzentrum für Migrant*innen bestätigt, wodurch eine seit 60 Jahren bestehende Politik fortgesetzt wird (siehe Seite 32).

In den fast 30 Tagen seiner Regierung hat Präsident Donald Trump Vereinbarungen getroffen, um die bereits langjährige Politik der praktischen Verschiebung der Südgrenze der USA in der Region zu verstärken. Vor dem Hintergrund des komplexen Zollstreits mit Drohungen von Strafzöllen (siehe Seite 31) ließ sich Mexiko darauf ein, 10.000 zusätzliche Soldat*innen an seiner Nordgrenze zu stationieren und die Praxis zur Eindämmung der Migration fortzusetzen. Gleichzeitig konzentriert sich die mexikanische Regierung ausschließlich auf die Betreuung abgeschobener mexikanischer Staatsbürger*innen. Sie zeigt damit ein mangelndes Interesse, Migrant*innen aus anderen Ländern, die in Mexiko gestrandet sind, zu unterstützen. Zusätzlich zu diesen Maßnahmen ist zu erwarten, dass Trump bilaterale Vereinbarungen mit Guatemala und Mexiko anstrebt, um sogenannte sichere Drittstaaten zu etablieren. Dies bedeutet, dass die USA Asylanträge von Personen ablehnen können, die zuvor durch ein anderes Land gereist sind, das als sicher gilt. Die USA wollen durch dieses Instrument ihrer asylrechtlichen Verantwortung entgehen. Gleichzeitig können sie die beteiligten Länder dazu drängen, Maßnahmen zur Eindämmung von Migration zu ergreifen, um zu verhindern, dass Migrant*innen in ihre Länder und in die USA gelangen. Dieses Verfahren, das auf der Flüchtlingskonvention von 1951 basiert, besagt, dass ein Land einem Menschen, der in seinem Herkunftsland gefährdet ist, das Asyl verweigern und ihn an ein Drittland verweisen kann, das über die nötigen Bedingungen verfügt, um der Person Sicherheit zu bieten.


Kämpfe gegen hasserfüllte Narrative

Während Länder wie El Salvador, Guatemala, Panama und Mexiko bereit sind, für Trump die Migration in die USA zu stoppen, forderten die Präsidenten von Kolumbien und Brasilien einen menschenwürdigen Umgang mit abgeschobenen Staatsangehörigen. In Argentinien und Chile haben die Regierungen ihre eigenen Pläne zur Verstärkung der politischen Grenzkontrollen, zur Erleichterung von Abschiebungen und zur Einschränkung des Zugangs zu öffentlichen Dienstleistungen für bestimmte Migrant*innen geschmiedet, beispielsweise in den Bereichen Gesundheit und Bildung. Im Fall von Chile ist dies mit einem zunehmenden Rassismus und Xenophobie gegen arme und Schwarze Migrant*innen verbunden (siehe LN 608). Die nordamerikanische Erzählung wird übernommen, Migrant*innen in irregulärem Status als Bedrohung darzustellen. In diesen dunklen Zeiten, in denen sich die Rechte in verschiedenen Ländern behauptet und die Kontexte voller Gewalt, Angst und hasserfüllter Narrative sind, müssen wir kollektiv zusammenstehen. Das bedeutet, Kämpfe von Migrant*innen zu unterstützen, die sowohl innerhalb als auch außerhalb der USA stattfinden. Und, sich den lokalen und internationalen Organisationen anzuschließen, die auf die Gewalt reagieren. Wir fordern eine Migrationspolitik – gemeinsam mit den lateinamerikanischen und karibischen Ländern – die auf dem Prinzip des pro-persona basiert. Dies bedeutet die größtmögliche Achtung, Förderung und den Schutz der Menschenrechte von Migrant*innen und Asylsuchenden. Ebenso schließen wir uns als Kollektiv den Forderungen nach einem Ende der Auslagerung der US-amerikanischen Grenzen an.


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// NACHRICHTEN AUS ABYA YALA

„Sie haben uns nicht erobert, wir leisten immer noch Widerstand“. Dieser Satz stammt von den indigenen Zapatistas aus dem Süden Mexikos, die gegen ein System rebellieren, das sie und andere bekämpft und assimilieren möchte. Ihr Diskurs widerspricht dem der Eroberung Lateinamerikas, denn dort leben Indigene noch immer, auch wenn sie systematisch unterdrückt und ihre Rechte selbst von progressiven Regierungen missachtet werden. Der Überlebenskampf der Zapatistas sorgt seit ihrem Aufstand von 1994 weltweit für Aufsehen und Sympathie, so auch aktuell bei den Lateinamerika Nachrichten, da sich eine Delegation der Zapatistas gerade auf Reise in Europa befindet (siehe S. 6).

In Mexiko dagegen werden sie von dem sozialdemokratischen Präsidenten López Obrador (AMLO) trotz dessen allgemein indigenenfreundlicher Rhetorik verbal angegriffen. Auch sein Großprojekt, der so genannte „Tren Maya“, wird auf dem Rücken der indigenen Bevölkerung vorangetrieben (siehe S. 9). Wie auch anderswo gilt: Die Ignoranz gegenüber indigenen Gemeinschaften ist ein koloniales Erbe.

Auch das Wort Lateinamerika ist eine koloniale Bezeichnung. Takir Mamani, ein Aymara und Intellektueller aus Bolivien, argumentiert, „ausländische Namen für unsere Dörfer, Städte und Kontinente“ anzuerkennen, sei „gleichbedeutend mit der Unterwerfung unserer Identität unter den Willen der Invasoren und ihrer Erben“.

Als Redaktionskollektiv, das seit fast 50 Jahren an emanzipatorische Kämpfe hier und in Lateinamerika anknüpft, setzen wir uns mit dieser Debatte auseinander. Wir verstehen uns als links-progressive Zeitschrift und bemühen uns um eine differenzierte, kritische und solidarische Berichterstattung, vor allem auch hinsichtlich (neo-)kolonialer Machtverhältnisse. Warum also führen wir im Namen noch eine Fremdbezeichnung, die von Invasor*innen stammt, welche sich im Namen von Kirche und Krone gewaltsam das Land angeeignet sowie Indigene degradiert und vielfach versklavt haben?

Dem sich ergebenden Widerspruch möchten wir uns stellen, wenn wir ihn auch nicht auflösen können. Nach unserem Beginn als Chile Nachrichten aus Solidarität mit dem sozialistischen Präsidenten Salvador Allende kurz vor dem Putsch gegen ihn, erweiterte sich unser Fokus danach auf die benachbarten Militärdiktaturen der 1970er Jahre und wir benannten uns mit dem damals wie heute gebräuchlichen Wort Lateinamerika.

Gibt es eine aus Sicht der indigenen Bevölkerung bessere Bezeichnung? Takir Mamani schlug in den 1980er Jahren vor, dass alle Indigenen Amerikas ihren Kontinent „Abya Yala“ nennen sollten, nachdem er die Bezeichnung bei den in Panama und Kolumbien lebenden Guna kennengelernt hatte. Abya Yala bedeutet wörtlich „Land in voller Reife“ oder „Gerettetes Land“ und wird inzwischen von vielen Indigenen sowie bekannten indigenen Dachverbänden wie der CONAIE in Ecuador oder APIB in Brasilien anstelle des eurozentristischen Begriffs „Amerika“ verwendet und bezeichnet somit den gesamten Kontinent. Abya Yala ist also nicht nur eine neutrale indigene Bezeichnung für die Region, sondern auch ein politischer Begriff und vermittelt eine klare Position dekolonialer Kämpfe.

Wir möchten in Zukunft ebenfalls stärker den Begriff Abya Yala sowie die Selbstbezeichnungen indigener Gemeinschaften für ihre jeweiligen Territorien verwenden, wenn wir zu entsprechenden Themen berichten. Dafür haben wir ein erstes kurzes Glossar angelegt (siehe Kasten unten) und für diese Ausgabe eine besondere Titelseite gestaltet. Einen ausführlichen Text zum Thema könnt ihr in Kürze auch auf unserer Homepage finden. Als Redaktion ist uns klar geworden, dass die Verwendung indigener Selbstbezeichnungen nur ein kleiner Schritt in der Auseinandersetzung mit dekolonialen Debatten sein kann. Seit unserer Gründung haben dekoloniale Themen einen festen Platz in den Ausgaben. Unser Umgang mit ihnen wie auch unser Selbstverständnis entwickeln sich in unserer kontinuierlichen Auseinandersetzung mit emanzipatorischen Kämpfen. Diesen Prozess möchten wir hier transparent machen. Wir werden über die Kämpfe indigener Gemeinschaften weiterhin solidarisch sowie respektvoll berichten und dabei dazulernen – getreu dem Motto der Zapatistas: „Fragend schreiten wir voran!“


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VOM KONTINENT ABYA YALA

Auf eine erfrischende Weise reflektiert Silvia Rivera Cusicanqui aktuelle Praktiken und Diskurse der Dekolonisierung. Ihre Erkenntnisse bieten gleichzeitig Lösungsvorschläge an und machen das Buch zu einem notwendigen Debattenbeitrag.
Es gibt keinen Diskurs über Dekolonisierung ohne die zugehörigen Praktiken „unserer Gesten, unserer Taten und der Sprache“. Diese Botschaft steht im Zentrum der Texte, die das Buch zum Teil erstmalig auf deutsch zugänglich macht. Obwohl postkoloniale Studien auf den Lehrplänen vieler Universitäten im globalen Norden stehen, wird eine Trennung zwischen dem akademischen Diskurs und dem „Dialog der aufständischen Kräfte der Gesellschaft etabliert“, beschreibt die bolivianische Soziologin und Aktivistin Silvia Rivera Cusicanqui. Sie holt damit die politische Dringlichkeit des Handelns aus der (akademischen) Versenkung und stellt sie in den Mittelpunkt ihrer Arbeit, die sie „eine Wissenschaft des Lebens“ nennt.

Worte im Kolonialismus benennen nicht, sondern sie verschleiern

Rivera Cusicanqui gehört damit zu den wenigen Sozialwissenschaftler*innen, deren intellektuelle Arbeiten nicht nur durch eigene Erfahrungen in widerständigen und subalternen Gruppen inspiriert wurden, sondern darüber hinaus ihr Wirken in deren Dienst stellen. Sie beteiligt sich an der Denunziation und Aufklärung von Menschenrechtsverletzungen sowie an der Verteidigung indigener Rechte seit den 1980er Jahren. Damals gründete sie eine Forscher*innengruppe mit dem Namen Taller de Historia Oral zur mündlich überlieferten Geschichte Boliviens, die seitdem die hegemoniale Geschichts­schreibung mit „dissidenten Erinnerungen“ he­rausfordert und erweitert.
Das Buch versammelt vier akademische Aufsätze in unprätentiöser Sprache, die ver­deckte (neo)koloniale Hand­lungen sichtbar machen und ebenfalls Vorschläge zu deren Überwindung liefern. Rivera Cusicanqui analysiert dafür die Zeichnungen eines indigenen Chronisten des frühen 17. Jahrhunderts und reflektiert euphemistische Praktiken des Neokolonialismus der Gegenwart.
Waman Puma de Ayala schrieb zwischen 1612 und 1615 einen über tausendseitigen Brief an den spanischen König, der hunderte Zeichnungen enthielt. Ein paar davon sind im Buch abgedruckt und werden von Rivera Cusicanqui mithilfe ihrer Soziologie des Bildes analysiert, denn Worte im Kolonialismus „benennen nicht, sondern sie verschleiern“. So zeigt sie in den Bildern einerseits die extremen als auch subtilen Mechanismen der Unterdrückung und Ausbeutung auf. Waman Puma benutzt dafür die Metapher der „umgekehrten Welt“ (Mundo al Revés), in welcher die soziale Ordnung der Inka durch die spanischen Invasoren umgedreht wird: Aus einer indigenen Gesellschaft, „verstanden als gerechte Ordnung und >gute Regierung<“ wird im Kolonialismus Erniedrigung und Unordnung. Andererseits verraten die Zeichnungen viel über die prähispanische Ordnung der indigenen Gesellschaft und vermitteln zudem Eindrücke von der gegenseitigen Fremdwahrnehmung zwischen den Inkas und den Konquistadoren – „das Nicht-Menschsein des Anderen.“
In der hier abgedruckten Zeichnung fragt der Inka-Herrscher Wayna Qhapaq den Spanier Cando: „Dieses Gold isst du?“ Candia antwortet: „Dieses Gold essen wir.“. In Verbindung mit dem Angriff auf den letzten Inka-Herrscher Atahualpa schlussfolgert Rivera Cusicanqui: „Die Fremdheit, das Erstaunen und der Gedanke an eine kosmische Katastrophe scheinen der Grund für die Hilfslosigkeit der Tausenden Soldaten des Inka zu sein; sie konnten das Heer von gerade einmal 160 Mann, aber ausgerüstet mit unbekannten Waffen und Tieren, nicht besiegen.“
Einen weiteren Schwerpunkt setzt sie durch den Begriff des „internen Kolonialismus“, mit welchem sie die Internalisierung der Werte der Unterdrücker*innen beschreibt. Sie plädiert für die Entwicklung eigener Ideen und Reflexionen, die sich nicht von den (akademischen) Machtzentren der nördlichen Hemisphäre abhängig machen. Sie zeigt beispielhaft wie Ideen aus Abya Yala – wie der amerikanische Doppelkontinent aus einer eigenen Kosmologie heraus bezeichnet wird – von Wissenschaftler*innen in den nördlichen Universitäten aufgegriffen und in einen unpolitischen Diskurs über Verschiedenheit übersetzt werden. Stattdessen verweist sie auf Ideen der Aymara in Bolivien, die sich zum Beispiel in dem Begriff Ch‘ixi finden. Etwas kann gleichzeitig sein und nicht sein. Das Mestizische oder ch‘ixi vereint „die indigene Welt mit ihrem Gegenteil, ohne sich jemals damit zu vermischen.“ Sie wendet den Begriff als Gegenrede und Alternative zum Begriff Hybridität von García Canclini an (siehe LN 514) und betont: „Der indigene Vorschlag für die Modernität basiert auf einem Verständnis der Staatsbürgerschaft, das nicht Homogenität, sondern Differenz sucht.“
Rivera Cusicanquis scharfe Analysen und ihre konsequente Haltung lassen sich auch an ihrer persönlichen Erfahrung nachvollziehen. So beschreibt sie als prägend für ihre Biografie die Beziehung zu ihrer Kinderfrau Rosa ihres mittelständischen Elternhauses in der Hauptstadt La Paz der 1950er Jahre. Sie hielt die Hausangestellte ihrer Eltern bis zu deren Tod für ihre tatsächliche Mutter. Die Eltern reagierten mit Geringschätzung gegenüber Rosa, welche eine indigene Aymara war. Das sollte die emotionale Bindung zu ihrer Tochter durchbrechen und die „rassistisch-klassizistische Gesellschaftsordnung“ wiederherstellen, die aus ihrer Tochter eine Señora machen sollte. Doch das führte Rivera Cusicanqui dazu sich sowohl von den Erwartungen ihrer Eltern als auch von der Verachtung gegenüber der indigenen Bevölkerung zu distanzieren. „Mir ist das mit dem >Blut< egal. Ich hasse dieses Reden über >Blut<. Denn ich denke, dass meine Identität durch das Leben in der Gegenwart bestimmt ist.“

 


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Streit um ein anderes Amerika

Am Ende stand es 29 zu fünf. Mar del Plata wurde nicht zur Grabstätte von ALCA, wie Venezuelas Präsident Hugo Chávez noch vor dem Amerikagipfel der 34 Staats- und Regierungschefs verkündet hatte. 29 Staaten, darunter die USA, Kanada, Mexiko und Chile, sehen die Möglichkeit, den seit zwei Jahren ruhenden Verhandlungsprozess über die Freihandelszone ALCA 2006 wieder aufzunehmen. Die vier Mercosur-Staaten Argentinien, Brasilien, Uruguay und Paraguay sowie Venezuela sind unter den gegenwärtigen Bedingungen dagegen. Da das Konsensprinzip galt, wurden die unterschiedlichen Positionen in der Abschlusserklärung festgeschrieben.
Zugespitzt hatte sich die Lage mit dem Streit um die US-amerikanischen Subventionen und Handelsbeschränkungen im Agrarsektor. Erst wenn hier eine Lösung erzielt werde, könne wieder über eine Freihandelszone verhandelt werden, so die Position der Mercosur-Staaten. Diese Frage wird die so genannte Doha-Runde im Rahmen der Welthandelsorganisation WTO weiter beschäftigen, deren nächstes entscheidendes Treffen für Mitte Dezember vorgesehen ist.
Das Ergebnis von Mar del Plata ist nicht mehr als eine Momentaufnahme der gegenwärtigen politischen Kräfteverhältnisse. Alle Länder haben sich in der Abschlusserklärung für die weitere Integration der Staaten des amerikanischen Kontinents ausgesprochen. Aber der Süden möchte sich die Bedingungen dafür von Washington nicht diktieren lassen. Der Hinterhof der USA ist kleiner geworden. Néstor Kirchner hat den internationalen Finanzinstitutionen in seiner Eröffnungsrede deutlich die Leviten gelesen und ihnen die Mitverantwortung für die große Armut in der Region zugeschrieben. Die Politik des IWF gegenüber Argentinien bezeichnete er vor den 33 Staats- und Regierungschefs als „pervers“. Er rief dazu auf, eine “neue Entwicklungsstrategie für die Region” zu finden und kritisierte damit indirekt die von den USA favorisierte Freihandelshandelzone ALCA.
Der Süden drängt auf die Berücksichtigung der unterschiedlichen wirtschaftlichen Entwicklungsniveaus. Aus argentinischen Regierungskreisen wird immer wieder das Vorbild des Integrationsprozesses der Europäischen Union ins Spiel gebracht: intensive Verhandlungen über den Eingliederungsprozess; finanzielle Beihilfen und Schutzklauseln für die kleinen und schwächeren Volkswirtschaften. Doch das ist eine Horrorvision für die US-Administration.
Das Abschlussdokument lässt zu, dass die 29 Befürworterstaaten 2006 über eine ALCA „Light“-Version verhandeln können. Aber die Länder, die gegen ALCA stimmten, produzieren immerhin 75 Prozent des Bruttoinlandsproduktes von Lateinamerika. Die USA setzen deshalb weiter auf ihre bilaterale Verhandlungsstrategie, mit deren Hilfe sie Keile in die Allianzen treiben will. Kaum traf Bush aus Mar del Plata kommend zum Staatsbesuch in Brasilien ein, da lobte er seinen „Freund“ Lula „für die Führungsrolle in der ganzen Welt und auf dem amerikanischen Kontinent.“
Von der Allianz Mercosur-Venezuela ist auch keine große Umwälzung zu erwarten. Hugo Chávez’ Vorschlag einer Alternativa Boliviariana de las Americas (ALBA) ist in den beiden großen Mercosurstaaten Brasilien und Argentinien nicht durchzusetzen. Da stehen die Regierungen Lula und Kirchner gegen die Macht und den Einfluss der multinationalen Firmen und Banken in ihren Ländern.
Chávez arbeitete jedoch weiter an seiner Führungsrolle bei den sozialen Protestbewegungen. Als einziger Regierungschef trat er sowohl auf dem Regierungsgipfel als auch auf den Protestveranstaltungen auf. „Ich werde jetzt zum anderen Gipfel gehen und dort eure Stimme vertreten,” versprach er nach seiner knapp dreistündigen Rede den 30.000 Menschen im Weltstadion von Mar del Plata. Und seinen nächsten großen Auftritt hat er auch schon sicher: im Januar 2006 auf dem 6. Weltsozialforum in seiner Hauptstadt Caracas.
Chávez wurde auf dem 3. Gipfel der Völker, dem Gegengipfel zum Amerika-Gipfel, als Hoffnungsträger gefeiert. Rund 12.000 Menschen nahmen an der dreitägigen Veranstaltung teil. Unter dem Motto „Ein anderes Amerika ist möglich” diskutierten rund 150 Foren unterschiedliche Themen. In der Abschlusserklärung wurde ein alternativer Integrationsprozess in Anlehnung an die Alternativa Bolivariana de las Americas (ALBA) vorgeschlagen.
Als 15.000 DemonstrantInnen unter der Losung: „Nein zu ALCA – Nein zu Bush” friedlich durch Mar del Plata zogen, war an der Spitze noch ein anderer Hoffnungsträger mit dabei: der bolivianische Präsidentschaftskandidat und Bauernführer Evo Morales. Eine Straßenschlacht lieferten sich dagegen einige hundert DemonstrantInnen am Nachmittag mit den Sicherheitskräften an den Absperrungen der Sicherheitszone. AntiimperialistInnen und VertreterInnen des kompromisslosen Teils der Piquetero-Bewegung hatten die Aktionen zuvor angekündigt.


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