„Sie wollten uns beerdigen, aber sie wussten nicht, dass wir Samen sind“, lautet ein Slogan diverser Widerstandsbewegungen in Lateinamerika. Und auch Papaya möchte keine Wurzeln schlagen, sondern lieber die Welt kennenlernen. Ja, Protagonist*in des brasilianischen Films Papaya ist ein kleiner Papayasamen, der aus einer aufgeplatzten Frucht entkommt und neugierig durch den Wald kullert. Regisseurin Priscilla Kellen, die auf lange Erfahrung in Animationsfilmgeschäft zurückblicken kann, hat nun mit Papaya ihren ersten eigenen Lamngfilm veröffentlicht. Zusammengearbeitet hat sie dabei unter anderem mit Alê Abreu (Oscar-nominiert für Der Junge und die Welt), der Papaya mitproduziert.

Während seine Geschwister festwachsen, um zu neuen Bäumen zu werden, rupft Papaya seine Wurzeln aus und erkundet torkelnd staunend seine Umwelt. Denn es gibt so viel zu entdecken! Begleitet nur von einem großartigen Soundtrack und Geräuschen, die nie ganz zu Worten werden, interagiert Papaya mit allen Geschöpfen des Waldes, die wie der Samen aus großen Kulleraugen umherblicken und schweben, wachsen, springen. In buntesten Farben und wundervoll, manchmal fast psychedelisch animiert, wird dabei deutlich, wie alles Leben verknüpft ist – nicht durch die Wurzeln, sondern auch durch das riesige Geflecht der Pilze, das Signale durch das ganze Biotop sendet.

So unberührt wie es zunächst wirkt, ist das kleine Stück Natur, wo die Papayabäume wachsen, aber nicht: Auf einem Blatt treibend, wagt sich Papaya aufs Wasser. Der Bach wird zum Kanal, unterquert eine Straße, und versickert auf einem kargen Feld, wo Papayas vielleicht größtes Abenteuer beginnt. Nie taucht ein Mensch auf, dafür umso mehr Maschinen, die den kleinen Samen in Abgründe der industriellen Landwirtschaft verschleppen. Über eine Fabrik, in der Früchte verarbeitet werden, bis hin zu einer Müllkippe und einer Party in den Abgründen der Kanalisation zwischen Kakerlaken und Ratten muss Papaya allen Mut aufbringen, um sich selbst und andere zu retten. Wo vorher funkelnde Formen im Himmel und der Flug der Vögel zur Erkundung der Welt riefen, lockt nun sehnsuchtsvoll der große Papayabaum inmitten des aus dieser Perspektive zur Oase geschrumpften Waldes – doch dazwischen liegt noch die Straße. Am Ende muss Papaya Wurzeln schlagen, um zu überleben – und dann gelingt eine unglaubliche Verwandlung.
Papaya ist ein berührender, sanfter Film mit klarer, ermutigender Botschaft. Auf der Berlinale wird der Film in der Sektion Generation Kplus gezeigt und ab fünf Jahren empfohlen. Aber auch Erwachsene können aus der fantasievollen Reise viel mitnehmen.












