Lyrik aus Lateinamerika

Illustration: Joan Farías Luan (cuadernoimaginario.cl)

Jet Lag

Foi a viagem que te trouxe até os meus braços
é a viagem que agora me afasta de ti
amamos por isso mais ou menos
as viagens?

a distância é erótica
mas quem deseja deseja
uma saída

guardo na boca fechada
as três sílabas
do teu nome

a memória é agora o lugar
diário dos nossos
únicos encontros

(que não me possas ler, que eu escreva numa língua
que não é a tua
é o que me parece de tudo
o mais triste
e houve tantas coisas tristes)

Jetlag

Es war die Reise, die dich in meine Arme getrieben hat
und die Reise wird mich dir wieder nehmen
ist es ungefähr das, was wir lieben
am Reisen?

die Distanz ist erotisch
aber Begehren verlangt
einen Ausweg

in meinem verschlossenen Mund
bewahre ich die drei Silben
deines Namens

nun ist die Erinnerung
täglich der einzige Ort
an dem wir uns begegnen

(dass du mich nicht lesen kannst, ich eine Sprache schreibe,
die nicht deine ist
scheint mir bei all dem
das Traurigste
und es gab so viel Trauriges)

Ana Martins Marques wurde 1977 in Belo Horizonte geboren und ist eine der beliebtesten zeitgenössischen Dichter*innen ­Brasiliens. Sie hat einen Abschluss in Literatur und promovierte in vergleichender Literaturwissenschaft. Ihre Gedichtbände wurden vielfach prämiert, unter anderem mit dem Preis der Biblioteca Nacional und beim Oceanos-Preis. In deutscher Übersetzung von Michael Kegler erschienen bisher ihr aktueller Gedichtband Risque esta palavra (Companhia das Letras, 2021) als zweisprachige Ausgabe unter dem Titel Streich dieses Wort (Hagebutte Verlag, 2024) und eine an O livro dos jardins (Quelônio, 2019) angelehnte Auswahl unter dem Titel Gärten (Axel Dielmann Verlag, 2022).

Michael Kegler, geboren 1967 in Gießen und ­aufgewachsen in der Nähe von Belo Horizonte, übersetzt seit den 1990er-­Jahren Literatur aus dem Portugiesischen. Für seine Arbeit erhielt er unter anderem den Straelener Übersetzerpreis der Kunststiftung NRW. Neben Ana Martins ­Marques ­übersetzte er in den letzten Jahren Lyrik von Ana Luísa Amaral, Hélia Correia, Al Berto und Yara Nakahanda ­Monteiro.


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