Netzwerke gegen Gewalt

Migration nach Europa wird oft als Umzug an einen sicheren Ort wahrgenommen. Für tausende lateinamerikanische Frauen kann die Ankunft in Europa einen Schritt in Richtung wirtschaftlicher und persönlicher Freiheit bedeuten. Für viele Frauen führt Migration jedoch auch zu Verletzlichkeit und Isolation angesichts von Gewaltsituationen. In manchen Fällen nutzen Täter dies aus, um Frauen in einem Zustand des Ausgeliefertseins zu halten.
So war es bei Nadia (einige Namen wurden geändert, um die Identität und Sicherheit der befragten Frauen zu schützen, Anm. d. Autorin), die vor mehr als sieben Jahren nach Berlin auswanderte, um einen Deutschen zu heiraten, den sie übers Internet kennengelernt hatte. Sie verließ ihr Heimatland Peru in der Hoffnung, eine Familie zu gründen und kannte niemanden außer ihrem Partner. Kurz nach ihrer Ankunft begann sie zu arbeiten und Deutsch zu lernen. Für Freundschaften blieb nicht viel Zeit, und sie begann sich einsam zu fühlen. „Am Anfang war mein Partner sehr liebevoll, sehr aufmerksam, das war, was ich suchte”, erklärt Nadia. Aber bald zeigte ihr damaliger Mann ein Verhalten, das Nadia als aggressiv beschreibt. Er beschuldigte sie für alles Mögliche. Wenn sie diskutierten, schrie er sie an, entschuldigte sich dann und sagte, er würde sich ändern, aber nichts änderte sich. Der verbale Missbrauch verletzte Nadia so sehr, dass sie sich „dumm, unzulänglich und schuldig” für ihre Situation fühlte. Nach vier Jahren Ehe bekamen sie ihren Sohn. Obwohl Nadia in vielen Momenten überlegte, ihren Mann zu verlassen oder in ihr Land zurückzukehren, tat sie es nicht, aus Angst, dass er ihr den Sohn wegnehmen würde. Dies änderte sich erst, als die psychologische Gewalt in physischer Gewalt eskalierte.

“Verbundheit pflegen” Komplizinnen fand Nadia zunächst im Internet (Druck von Bianca @i_multipli)

Damals dachte Nadia, Grund seien ein kultureller Unterschied oder „Beziehungsprobleme”. Erst als sie professionelle Hilfe erhielt, verstand sie, dass das, was sie erlebte, Gewalt war. Laut Andrea Galán Santamarina, Gesundheitspsychologin spezialisiert auf geschlechtsspezifische Gewalt, „ist psychologische Gewalt sehr schwer zu erkennen, weil sie unsichtbare Spuren hinterlässt. Oftmals führt diese Unsichtbarkeit von psychologischer, emotionaler oder verbaler Gewalt dazu, dass man sich fragt, ob man sich wirklich so schlecht fühle oder ob man übertreibe”.
Für Frauen mit Migrationserfahrung kann es noch schwieriger sein, die Gewalttaten zu erkennen die sie erleben, weil sie in ihren Herkunftsländern teilweise als normal angesehen werden. „Von diesem Standpunkt aus sehen viele nicht, dass Gewalttaten zur Anzeige gebracht werden können, weil niemand – weder im Familien- noch im Gemeinschaftskontext – das so wahrgenommen hat. Und in einem Land mit einem anderen Kontext siehst du es oft auch nicht sofort” fügt Galán hinzu.


Nadia fand auf Facebook Gruppen wie HispaMamis Alemania oder Latinas en Alemania, wo sie sich mit anderen Frauen, Müttern, Migrantinnen und Lateinamerikanerinnen wie sie selbst austauschen konnte. Bei einem dieser persönlichen Treffen, die von diesen Gruppen organisiert wurden, erhielt sie den Kontakt einer kolumbianischen Psychologin, die ihr psychologische Hilfe auf Spanisch gab. Schließlich erhielt sie Beratung und Begleitung, die ihr die notwendigen Informationen gab, um die physische Gewalt, die sie von ihrem Ex-Partner erlitt, anzeigen zu können, und das Sorgerecht für ihren Sohn nach der Trennung zu behalten. „Dass ich da bin, wo ich bin, verdanke ich all den Menschen, die mir geholfen haben. Wenn es diese Organisationen nicht geben würde, wäre ich nicht aus diesem Haus gekommen”, bekräftigt Nadia. Sie baute sich ein Unterstützungsnetzwerk mit Menschen auf, das sie bei diesem Prozess begleitete und ihr half, aus dem Gewaltkreislauf auszubrechen, dem sie ihr Ex-Partner unterwarf.

Aus der Einsamkeit ausbrechen Gewalt geht oft mit Isolation einher (Druck von Silvana Hastamorir Torres, Colombia)

Facebookgruppen füllen die Lücken staatlicher Hilfsangebote


HispaMamis und Latinas en Alemania sind nur zwei der mehr als 130 Netzwerke, die in der grenzüberschreitenden Forschung „Bien Acompañadas” identifiziert wurden. Diese Netzwerke bieten Unterstützung für lateinamerikanische Frauen in fünf europäischen Ländern: Deutschland, Spanien, Frankreich, Belgien und dem Vereinigten Königreich. Darunter befinden sich Organisationen, Verbände, Frauenhäuser und Gruppen in sozialen Netzwerken für migrantische Frauen. Die meisten dieser Netzwerke wurden von lateinamerikanischen Frauen für Lateinamerikanerinnen gegründet, mit dem Ziel, die Gemeinschaft zu organisieren, ihr zu helfen und sie zu begleiten. Unter den Social-Media-Gruppen gibt es private Facebook-Gruppen, bei denen man einen strengen Fragebogen ausfüllen muss, um Mitglied zu sein. Dies geschieht, um die Sicherheit und Identität der Frauen, die diese Gruppen bilden, zu schützen. Dort werden nicht nur grundlegende Informationen geteilt, zum Beispiel, wie man eine*n spanischsprechenden Ärzt*in findet. Die Gruppen sind auch zu Räumen geworden, wo Frauen Fälle von Gewalt melden und ihre eigenen Erfahrungen teilen. Es wird nach Hilfe oder Informationen gesucht, wie man eine Anzeige erstattet, es werden Kontakte von Anwälti*nnen, Übersetzer*innen und sogar Frauenhäusern gesucht. Die Antworten kommen von den migrantischen Frauen selbst, die in vielen Fällen auch Gewalt erlebt haben. Diese Netzwerke bieten nicht nur emotionale Unterstützung.

In vielen Fällen sind sie die einzige Verbindung zu staatlicher Hilfe, besonders in Ländern, wo eine andere Sprache dominiert oder die Bürokratie schwer zu verstehen ist. Einige der Frauen, die heute diese Netzwerke leiten, brauchten selbst Hilfe, als sie in das Aufnahmeland kamen. Edith Espínola ist eine 46-jährige Paraguayerin, die vor etwa 16 Jahren nach Spanien auswanderte. In Paraguay hatte Edith ein eigenes Haus, ein Auto, Freund*innen und eine stabile Arbeit als Assistentin in einem Unternehmen, das mit Büromaterial handelte. Für ihre Migration musste sie ihren Sohn zurücklassen und begann als Hausangestellte zu arbeiten, da sie anfangs keine Alternative hatte. Die universitäre Ausbildung aus ihrem Land wurde in Spanien nicht anerkannt. Bis heute überrascht sie das. „Weil es diesen Rassismus gibt. Als ob Menschen, die in anderen Ländern studieren, nicht das gleiche Wissensniveau hätten”, sagt sie.

Prekarisierung bis in den Kleiderschrank


Die ersten vier Jahre im Land hatte sie keine Aufenthaltserlaubnis und verdiente unter dem Mindestlohn. Anfangs arbeitete sie für eine junge Familie, die freundlich zu sein schien, mit einem wenige Monate alten Baby und einem weiteren auf dem Weg. Ihr Vertrag war mündlich, es gab kein offizielles Dokument, das Arbeitszeiten oder Aufgaben festlegte. Ihre Arbeitsbelastung nahm zu, da sie Aufgaben übernahm, die sonst die Eltern tun würden. Sie hatte auch nicht viele freie Tage. Später arbeitete sie in einem großen Haus als Hausangestellte und lebte gleichzeitig dort. Sie schlief im Keller wie auch viele andere Hausangestellte. Sie hatte keinen eigenen Raum oder einen ihren Bedürfnissen angepassten Platz. Ihr Kleiderschrank war nicht nur klein, sondern sie teilte ihn auch mit der Sportkleidung der Familie.
Edith konnte eine formelle Aufenthaltserlaubnis erhalten, nachdem sie mehrere Jobs und die erforderliche Zeit angesammelt hatte. Nach Angaben von Intermón Oxfam arbeiten mindestens 38.143 Frauen in Spanien als Hausangestellte, und 69 % von ihnen haben eine ausländische oder eine doppelte Nationalität.

Die Arbeit als Hausangestellte versetzt Frauen oft in eine Situation der Verletzlichkeit. Hinter verschlossenen Türen gibt es keine Arbeitskontrollen, keinen Vertrag, keine Sozialversicherung oder Privatsphäre. Es gibt auch keine Zeug*innen. Dies führt dazu, dass psychologische, physische oder sexuelle Gewalt straffrei bleibt. „Es gibt Kolleginnen, die sich nachts mit Schloss in ihren Zimmern einsperren, weil ein Arbeitgeber sie sexuell belästigt. Aber da sie gerade versuchen, ihre Papiere zu bekommen, ertragen sie es, weil er ihnen versprochen hat, dass er dabei hilft”, sagt Edith. Trotz dieser Risiken entscheiden sich viele Frauen dafür, als Hausangestellte zu arbeiten, wenn sie keine sichereren Alternativen sehen. Heute arbeitet Edith als Direktorin des Zentrums zur Stärkung von Hausangestellten und Pflegekräften (CETHYC) und ist Sprecherin der Organisation Servicio Doméstico Activo (SEDOAC). In diesen Räumen helfen und begleiten sie migrantische Frauen, Lateinamerikanerinnen und Hausangestellte. Viele von ihnen haben kein Unterstützungsnetzwerk oder keine spanische Staatsbürgerschaft. Andere haben keinen Arbeitsvertrag, keine Arbeits­kolleg*innen und kennen die Stadt kaum. Organisationen wie CETHYC oder SEDOAC schaffen Räume, um Erfahrungen zu teilen und Fragen zu beantworten. Es wird psychologische und juristische Hilfe gewährt, Vorträge, Mobilisierungen und Workshops zu Arbeitsrechten und Ausländerrecht organisiert.

Die Gewalt, die sie und Nadia erlebt haben, ist kein Einzelfall. Zwischen 2022 und 2023 stieg die häusliche Gewalt laut Human Rights Watch in Deutschland um 6,5 Prozent. In Frankreich stieg sie laut dem Jahresbericht des Statistischen Ministerialdienstes für Innere Sicherheit (SSMSI) um 10 Prozent. In Spanien zeigen Daten der Statistik zu häuslicher Gewalt und Geschlechtergewalt (EVDVG) eine Zunahme um 12 Prozent. Die Dunkelziffer bei Übergriffen ist insbesondere bei migrantischen Betroffenen hoch: Viele Frauen wollen sich den Behörden nicht durch eine Anzeige sichtbar machen, aus Angst vor Abschiebung und fehlendem echten Schutz.

Gemeinsam kämpfen gegen Partnergewalt Lateinamerikanische Frauen stärken sich den Rücken (Druck von Anthea)

Europäische Statistiken und Gesetze völlig unzulänglich


Europäische Statistiken sind außerdem unvollständig, weil die Definition von geschlechtsspezifischer Gewalt nicht einheitlich ist. Dadurch, dass nicht zwischen häuslicher Gewalt und geschlechtsspezifischer Gewalt unterschieden wird, werden die Machtungleichgewichte, die speziell Frauen und Mädchen betreffen, unsichtbar gemacht. Die fehlende Definition und unzulängliche demografische Daten über Opfer und Täter machen geschlechtsspezifische Gewalt zu einem Phänomen, das schwer zu messen ist. Dies erschwert die Entwicklung echter öffentlicher Richtlinien und Präventionsprogramme, die diejenigen erreichen könnten, die sie am meisten brauchen.
Im Bereich der Migration verfehlen Länder wie Spanien, Belgien und Großbritannien die Anwendung des Istanbuler Protokolls, was Betroffene von Gewalt ohne Aufenthaltserlaubnis der Abschiebung aussetzt, wenn sie es wagen, Anzeige zu erstatten. Andererseits zeigen Deutschland und Frankreich fragmentierte Protokolle und Sprachbarrieren, die den Zugang zu Justiz blockieren.

Für Nadia waren die Unterstützungsnetzwerke, die sie auf ihrem Weg fand, der ausschlaggebende Faktor, der ihr dabei half zu erkennen, dass das, was sie erlebte, psychologische Gewalt war. Diese Gruppen ermutigten sie, Anzeige zu erstatten, als die Gewalt sich auf physische Gewalt ausweitete, und trugen dazu bei, dass sie aus der Situation ausbrechen konnte. In vielen Fällen sind die Frauen, die solche Räume ins Leben rufen und zentrale Rollen darin einnehmen, jene, die selbst Gewaltsituationen erlebt haben, wie es das Beispiel von Edith zeigt. Ihre Geschichten verdeutlichen, dass derartige Netzwerke oft eine wichtige Rolle für die Integration und vor allem für den Schutz der migrantischen Gemeinschaften spielen – auch, wenn es natürlich nicht ihr ursprüngliches Ziel war, die Versäumnisse staatlicher Institutionen auszugleichen. Sie zeigen auch: Unabhängig von den finanziellen Mitteln, dem Alter, der Sprache oder dem Land, entscheiden sich Migrantinnen dafür, sich gegenseitig zu unterstützen.


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WAS LANGE WÄHRT, WIRD TROTZDEM NICHT GUT

Mercosur-Hauptsitz in Montevideo Über 25 Jahre wurde verhandelt (Foto: Hamner_Fotos via Flickr (CC BY 2.0))

Im Jahr 2019, als die Hauptverhandlungen des EU-MERCOSUR-Abkommens beendet wurden, regierte Jair Bolsonaro in Brasilien, und die Zerstörung des Amazonas-Regenwaldes erreichte neue Höchststände. Ein schlechter Zeitpunkt, um das Abkommen den Parlamenten zur Abstimmung vorzulegen. Trotz des Widerstandes von Bäuer*innen, Gewerkschaften, Menschenrechts-, Umwelt- und Indigenenorganisationen sowie wichtigen EU-Staaten startete die EU-Kommission eine Greenwashing-Kampagne, um das Abkommen in ein möglichst grünes Licht zu rücken. Doch schon der Verhandlungsprozess selbst sorgte für erheblichen Unmut. Bis heute hat die EU-Kommission die Grundlage der Gespräche und den verabschiedeten Verhandlungstext nicht vollständig zugänglich gemacht. Viele Erkenntnisse gelangten nur auf anderen Wegen an die Öffentlichkeit.

Nach dem Abschluss der Verhandlungen im Dezember veröffentlichte die EU-Kommission die neu verhandelten Teile des Abkommens. Nach wie vor unveröffentlicht bleiben  die Teile, die die politische Zusammenarbeit definieren. Erste Analysen der Non-Profit-Organisation Veblen Institut zeigen, dass auch die bis Dezember 2024 nachverhandelten Aspekte des Abkommens mehr Probleme als Lösungen schaffen. „Die Klauseln reichen in keiner Weise aus, um die zu erwartenden Auswirkungen auf Gesundheit und Umwelt, die sich aus der Umsetzung des Handelsabkommens ergeben, einzudämmen. Einige der neuen Bestimmungen erweisen sich vielmehr als äußerst nachteilig“, so ein Bericht des Instituts.

EU-Mercosur gegen Umweltschutz-
abkommen

Ein Beispiel ist das Pariser Klimaschutzabkommen, das als „wesentliche Klausel“ in den Vertrag aufgenommen wurde. Auch wenn dies auf den ersten Blick positiv erscheint, bleibt die Umsetzung problematisch. Die Klausel greift nur, wenn ein Land aus dem Pariser Abkommen austritt. Auch dann bleibt unklar, wie genau Sanktionen aussehen würden. Technisch und politisch wäre es nahezu unmöglich, ein einzelnes Land von den Handelsvorteilen auszuschließen.

Einen weiteren Konfliktpunkt stellt die europäische Entwaldungsverordnung (EUDR) dar, die ab dem 30. Dezember 2025 in Kraft treten soll. Sie untersagt den Import von Produkten wie Fleisch, Schokolade oder Palmöl, die von entwaldeten Flächen stammen. Die EUDR wurde demokratisch verhandelt und abgestimmt – im Gegensatz zum EU-Mercosur-Abkommen. Vereinbarungen aus den Nachverhandlungen sind, dass alle Zertifizierungssysteme der Mercosur-Staaten bei der Bewertung von Entwaldung berücksichtigt werden sollen und die Mercosur-Behörden bei der Durchsetzung der EUDR intervenieren können. Außerdem sollen die Mercosur-Staaten bei der Länderrisikoklassifizierung „wohlwollend” berücksichtigt werden und die EU Umweltmaßnahmen vermeiden, die den internationalen Handel beeinträchtigen könnte. Diese Punkte widersprechen der EUDR im Kern und hindern eine konsequente Durchsetzung.

Besonders kritisch ist der sogenannte Ausgleichsmechanismus. Dieses Instrument erlaubt den Vertragspartnern, Gegenmaßnahmen zu ergreifen, wenn neue Gesetze zum Schutz von Mensch und Umwelt die Handelskonzessionen beeinträchtigen. Dadurch könnte verhindert werden, dass zukünftig strengere Umwelt- und Sozialstandards beschlossen werden.

Vorschub für Umweltzerstörung und Ungleichheit

Das EU-Mercosur-Abkommen steht exemplarisch für eine Handelspolitik, die kurzfristige wirtschaftliche Interessen über die langfristige Bewahrung unseres Planeten stellt. Die Rechte Indigener Gemeinschaften, die bereits jetzt unter Landraub und Gewalt leiden, werden durch das Abkommen weiter ausgehöhlt. Gleichzeitig werden Instrumente wie die EUDR massiv geschwächt, während die Abholzung des Amazonas weiter voranschreitet. Das Abkommen leistet damit nicht nur Vorschub für Umweltzerstörung, sondern auch für soziale Ungleichheit.

Die Zivilgesellschaften in Lateinamerika und Europa stehen bislang vereint solidarisch gegen diesen Angriff auf Mensch und Natur ein. Nach dem Abschluss der Verhandlungen folgt nun das sogenannte „Legal Scrubbing“ – der juristische Feinschliff des Abkommens. Anschließend wird der Vertragstext in alle Amtssprachen der beteiligten Staaten übersetzt. Der erste Schritt der Ratifizierung ist die Unterzeichnung durch den Rat der Europäischen Union (Ministerrat), wofür eine qualifizierte Mehrheit erforderlich ist. Danach entscheidet das Europäische Parlament über seine Zustimmung zum Vertrag. Die EU-Kommission strebt an, diesen Prozess im Juni dieses Jahres zu starten. Das Ziel ist ehrgeizig, aber nicht unrealistisch – wäre da nicht der Widerstand der organisierten Zivilgesellschaft und mehrerer EU-Mitgliedstaaten. Denn bleiben Staaten wie Frankreich, Österreich und die Niederlande bei ihrem „Nein“ und gewinnen weitere verbündete Mitgliedsstaaten, könnten sie das Abkommen durch eine Sperrminorität im Ministerrat blockieren. Ziel von zivilgesellschaftlichen Bündnissen und Partnern in den Mercosur-Ländern ist es, den Druck aufrechtzuerhalten und möglichst viele Staaten und Abgeordnete dazu zu bringen, ihre Stimme gegen das Abkommen zu erheben. Denn dieses gefährdet nachhaltige Landwirtschaft, Natur- und Klimaschutz, Menschenrechte sowie Verbraucher*innen gleichermaßen.


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