DAS VIRUS HAT ALLE PROBLEME VERSCHÄRFT

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Yuliana Ortiz Ruano, 27, lebt und arbeitet in Guayaquil. Sie ist Poetin, forscht und studiert im Bereich Kunst und Literatur und ist aktiv in verschiedenen afrofeministischen Organisationen. Sie gibt die Literaturzeitschrift Cráneo de Pangea heraus.

Foto: Ricardo Bohórquez Gilbert

 

Es gingen Bilder aus Guayaquil um die Welt, in denen die Leichen in den Straßen lagen. Wie kam es zu dieser Situation?

Es kamen sehr viele Dinge zusammen. Menschen hatten Angst, in die überfüllten Krankenhäuser zu gehen. Der Notruf funktionierte nicht, Bestattungsunternehmen kamen nicht, um Verstorbene abzuholen. Das war ein sehr fahrlässiger Umgang mit der Situation. Alles ist in den ersten Tagen kollabiert, es gab Familien, die Leichen zuhause hatten, die nicht abgeholt wurden, bis zu zwölf Tage dauerte dies. Es gab Menschen, die die Leichen heraus auf die Straße gelegt haben, weil sie Angst hatten, sich zu infizieren. Es wurde nicht rechtzeitig reagiert.

Das mit den Toten in den Straßen ist beschämend und schrecklich schmerzhaft. In Ecuador gibt es einen starken Bezug zum Tod, den damit verbundenen Ritualen des Abschieds. Durch unsere Schwarzen Vorfahren oder die indigene Kultur. Dass man sich nicht von seinen Familienangehörigen verabschieden kann und keine angemessene Beerdigung machen kann, ist ein schwerer Schlag für uns in Ecuador.

Warum ist das gerade in Guayaquil passiert?

Guayaquil ist eine sehr verarmte Stadt, es gibt sehr viele Menschen, die im Servicebereich und bei externen Dienstleister*innen arbeiten. Es gibt sehr viel, was auch normalerweise nicht innerhalb der Regeln abläuft. Der Philosoph Paul B. Preciado hat in einem Artikel geschrieben, dass das Virus all die Problematiken, die es schon vorher in einer Stadt gab, nochmal exponentiell ansteigen lässt. Guayaquil hatte schon viele Probleme. Es ist eine segregierte Stadt, die Armut ist überall sichtbar, es ist die Stadt, wo der Gegensatz von Zentrum und Peripherie am offensichtlichsten wird. Es gibt sehr viele wohnungslose Menschen in Guayaquil, sie schlafen im Zentrum auf der Straße, Menschen, die aus Venezuela gekommen sind, aber auch aus Guayaquil selbst, Sexarbeiter*innen oder Jugendliche, die Drogen konsumieren. Das Gesundheitssystem war schon vorher kollabiert. Das Virus hat all die Probleme verschärft, die schon vorher da waren.

Inwiefern zeigt sich die Problematik von Zentrum-Peripherie in Guayaquil besonders deutlich?

In Guayaquil kommen die meisten Migrant*innen vom Land in die Stadt. Aus der umliegenden Provinz Guayas, aber auch aus anderen Teilen Ecuadors. Aus den ärmeren Stadtteilen kommen viele, um in den Häusern der Wohnbezirke zu arbeiten, als Hausangestellte, Putzkräfte, Gärtner*innen, Chauffeure. Vor allem Frauen, Schwarze Frauen, Indigene, Cholas, angestellt von der weißen Bevölkerung. Bestimmte koloniale Relikte erhalten sich immer noch.

Es gibt massenweise Menschen, die im Service arbeiten oder als Straßenhändler*innen, die zu Fuß verkaufen. Sie haben keine Lebensversicherung und auch keine sonstigen Versicherungen. Sie leben von Tag zu Tag. Sie sind diejenigen, die am stärksten durch das Coronavirus betroffen sind. Es gibt Viertel, in denen es kein Wasser gibt, keine Kanalisation, keine asphaltierten Straßen und andere, die sogar Golfplätze haben. All dies kommt in der gleichen Stadt zusammen. Abgrundtiefe wirtschaftliche Unterschiede.

Wie schaffen es die Personen, die täglich ums Überleben kämpfen, nun mit der Krise umzugehen?

Dass fast 70 Prozent der Todesfälle in Ecuador in der Region Guayaquil vorkommen, liegt auch daran, wie die Stadt aufgebaut ist. Fast die ganze Arbeit befindet sich im Zentrum, alle müssen immer weite Wege zurücklegen, um zur Arbeit zu kommen. Der Nahverkehr ist total überfüllt, eine Virenschleuder. Jetzt gibt es eine strenge Quarantäne, aber viele Personen müssen trotzdem weiter verkaufen, weil sie sich ernähren müssen. Es ist verständlich, dass die Abstandsregelung manchmal nicht eingehalten wird. Für die informell arbeitenden Menschen gibt es keine Rettungspakete, die für entgangene Einnahmen aufkommen. Es gibt keine Unterstützung für die laufenden Kosten, die wir auch jetzt tragen müssen.

Das Krisenmanagement der Regierung wurde stark kritisiert. Warum?

Die Art und Weise, wie die Regierung die Epidemie managt, ist sehr unverantwortlich. Präsident Lenín Moreno hat den Ausnahmezustand über Twitter verkünden lassen. Und währenddessen gibt es Gerüchte, dass er auf Galapagos ist. Die Regierungspolitik ist höchst wirkungslos. Sie hat versagt, weil es keine Rettungspakete für Menschen gibt, die von Tag zu Tag überleben. Das, was die Regierung verbreitet, ist Angst und Repression.

Inwiefern?

Es herrscht Angst, seitdem über die „Patientin Nummer Null“ (eine Mitte Februar aus Spanien eingereiste Frau, die im März an Covid-19 verstarb, Anm.d.Red.) informiert wurde. Das war ein sehr schlechtes Informationsmanagement und alles, was die Regierung über ihre Medien kommuniziert hat, war ineffektiv. Die Leute sind massenweise in Läden gegangen, um Sachen zu kaufen. Mit den Preisen für Medizin und Masken wurde spekuliert, es gab unzählige Regelverstöße und die Regierung hat nicht reagiert.

Die Bürgermeisterin aus Guayaquil Cintia Viteri hat die Leute sich selbst überlassen. Es gab sogenannte Lebensmittelkörbe, in denen K-Chitos (eine Art Flips aus Mais Anm.d. Red.) waren – das sind Snacks. Dass die Stadt Snacks spendet, ist eine Beleidigung für die arme Bevölkerung.

Die Menschen, die nicht die Möglichkeit haben, zuhause zu bleiben, müssen unterstützt werden. Lebensmittelhilfen sollten mit den indigenen und kleinbäuerlichen Organisationen abgesprochen und der Anbau unterstützt werden. Die Menschen zu retten, ist überlebenswichtig. Geld muss in das Gesundheitssystem fließen. Damit alle ein Beatmungsgerät und Sauerstoff bekommen, die es brauchen.

Ecuador hatte doch den Ruf, soziale Fortschritte bei der Armutsbekämpfung in der Ära von Rafael Correa erreicht zu haben (Präsidentschaft 2007-2017). Geht mit der Coronakrise ein neuer Absturz einher?

Ecuador ist ein Land, das sich in der Phase des Correismo (Präsidentschaft von Rafael Correa, Anm.d.Red.) wirtschaftlich etwas erholt hatte. Bei all dem, was man gegen Correa sagen kann, gab es doch eine Veränderung in den Programmen der Politik. Alles, was bisher unter dem neuen Präsidenten Lenín Moreno geschieht, sind Rückschritte. Es haben wieder die Unternehmen und Banken Priorität. Über die Hälfte der Budgets für öffentliche Gesundheit und Bildung wurde gekürzt, Arbeit ausgelagert, es gab massenweise Entlassungen im öffentlichen Sektor. Vor diesem Panorama kommt Covid-19 und macht alles kaputt.

Gibt es angesichts der Untätigkeit der Regierung andere solidarische Initiativen, mit denen sich die Leute untereinander unterstützen?

Ja, zum Beispiel haben die Bewegungen der Kleinbauer*innen es möglich gemacht, dass man nun Obst auf der Straße kaufen kann, was vorher kaum möglich war. Sie kämpfen damit gegen die Spekulation mit Lebensmittelpreisen. Aber alle Hilfsprogramme kommen aus sozialen Organisationen. Es ist immer diese Art souveräner Politik, die uns letztendlich schützt.

 

EL VIRUS HA DISPARADO TODOS LOS PROBLEMAS

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Yuliana Ortiz Ruano, 27 años, es oriunda de Limones (Esmeraldas) y vive en Guayaquil. Escribe poesía y ensayos, se dedica a la investigación y estudia una licenciatura en artes y literatura. Yuliana colabora con varios grupos afrofeministas con luchas de mujeres que trabajan políticas de liberación. Es editora de la revista de poesía Cráneo de Pangea.

Foto: Ricardo Bohórquez Gilbert

 

Imágenes de Guayaquil en las que se vieron cadáveres en las calles dieron la vuelta al mundo. ¿Cómo se llegó a esa situación?

Tal vez la forma en que se visibilizó toda esta problemática fue la peor. Es escalofriante, pero sí es cierto. Las funerarias, el 911, los números de ayuda no funcionaban para que retiren los cuerpos de las familias en las casas. Era muy negligente, todo colapsó y hubo un montón de irregularidades, hubo personas que tenían cadáveres en su casa y no venían a retirarlos en los primeros días. Hubo gente que tuvo familiares hasta 12 días en su casa. Hubo gente que sacó cadáveres a las calles, porque tenía miedo. Nadie respondía a tiempo.

Lo de los muertos en las calles es una vergüenza y un dolor terrible. En Ecuador tenemos un vínculo fuerte con el tema de la cultura mortuoria, del despedir, por nuestros ancestros negros o la cultura indígena. Lo que está pasando ahora de no poder despedirte de tu familia, de no poder hacer un entierro acorde golpea muchísimo a las poblaciones del Ecuador.

¿Por qué pasó justo en Guayaquil?

Guayaquil es una ciudad bastante empobrecida, trabaja con terciarizaciones laborales, hay un montón de irregularidades en general. En un artículo, el filósofo Paul B. Preciado decía que el virus hace que todas las problemáticas que ya existían en una ciudad se acrecienten de una manera exponencial. Guayaquil tenía unas problemáticas de segregación, de empobrecimiento diariamente visibles. También es una de las ciudades donde más se puede ver el contraste entre centro y periferia. Hay muchísimas personas en situación de calle. En el centro se ve gente durmiendo en la calle, gente migrante de Venezuela, pero también de Guayaquil, trabajadoras sexuales y adolescentes consumiendo sustancias. El sistema de salud ya estaba colapsado. El virus ha disparado todos los problemas que ya existían.

¿En qué aspecto se muestra de manera particular el contraste entre centro y periferia en Guayaquil?

Guayaquil es una de las ciudades donde llega la mayoría de las personas migrantes del campo a la ciudad. De distintas zonas del campo de la provincia Guayas, y de otras partes del Ecuador. Todos los días se movilizan un montón de personas a los barrios residenciales y ciudades cerradas, a trabajar en casas, en jardinería, como choferes, limpiando y en el sector doméstico. Sobre todo, mujeres, mujeres negras, indígenas, cholas. Se siguen replicando ciertos vestigios coloniales, gente blanca mestiza empleando trabajadoras domésticas.

Un montón de gente tiene trabajo en servicio o trabaja como vendedores ambulantes en la calle, vendiendo a pie. No tienen un seguro de vida, no tienen un seguro de nada. Viven del día a día, son ellos los que han sido más golpeados por el Covid-19. Existen personas que viven en barrios que no tienen agua ni baño con tubería, ni calles asfaltadas, ningún tipo de servicio básico para la vida. Y hay otros lugares que tienen hasta campo de golf. Todo confluye en la misma ciudad. Son unas brechas económicas abismales.

¿De qué manera pueden manejar la crisis aquellas personas que luchan diariamente por su vida?

Que el 70 por ciento de los fallecidos por COVID-19 en el Ecuador sean de Guayaquil también es por las características mismas con las que se consolida la ciudad. Casi todo el trabajo está en el centro, siempre las personas tienen que movilizarse un montón, el transporte público tiene unas problemáticas fuertes de hacinamiento. Todo eso hace que se genere este vehículo viral. Trabajando en el comercio, implica movilizarse, moverse y abrir las tiendas.

Ahora seguimos en cuarentena, pero hay muchas personas que abren, tienen que vender, porque tienen que alimentarse. Es entendible que a veces no se respete la política de distanciamiento. No hay ninguna política  para salvaguardar la economía de las personas que trabajan de esta manera y no hay ningún tipo de ayuda para los gastos que ahora tenemos que cubrir de la misma manera.

El manejo de la crisis por parte del gobierno ha sido muy criticado. ¿Por qué?

La forma en que el gobierno ha manejado la pandemia ha sido bastante irresponsable, hay una falta de liderazgo y de políticas frente a ésta. Cynthia Viteri, la alcaldesa de Guayaquil, ha dejado la gente a mansalva, el 911 no funciona. Es una cadena de cosas terribles, que con el virus se ha acrecentado.

El presidente Lenin Moreno ha pronunciado el estado de emergencia a través de su Twitter. Se rumora que está en Galápagos – mientras se decretó el estado de emergencia, la cuarentena, el presidente se va a Galápagos. Hay una incoherencia que no sorprende. Las políticas del gobierno son sumamente inoperantes. Ha fracasado porque no hay políticas de salvaguarda, lo que hace es propagar el miedo y la represión.

¿En qué aspecto?

Ya hay un miedo desde la manera que se informó sobre la paciente cero (una mujer que a mediados de febrero llega de España y en marzo muere a raíz del Covid-19, nota de la redacción). Todas las formas La gente se acumuló en lugares a comprar cosas, mascarillas, medicinas, se especuló con los precios de éstas, y empezaron a pasar un sin número de irregularidades y el gobierno no hizo nada para enfrentar esto.

Las ayudas siempre son inoperantes, la alcaldía de Guayaquil donó un montón de ‘canastas’, y dentro de estas canastas había cachitos – snacks. Que el municipio done snacks es un insulto a la gente empobrecida.

Hay que salvaguardar primero a las personas que no tienen posibilidad de quedarse en la casa, generar un tipo de ayuda de alimentos que se negocie con los campesinos, los movimientos indígenas que cultivan, una política de expansión de alimentos. Salvaguardar las personas es vital. Por lo menos que se asegure la alimentación. Invirtiendo el dinero en la salud, que no se especule con los precios de oxígeno para la gente enferma. Los espacios de lo público y privado al servicio de la gente.

Ecuador tenía fama de haber alcanzado un progreso social en el combate de la pobreza durante le gestión de Rafael Correa (Presidencia 2007-2017). ¿Viene un nuevo desplome junto a la crisis del coronavirus?

Ecuador es un país que había levantado la economía un poco en el Correismo. Con todo lo que se puede decir en contra de Correa, sí, se vieron cambios en las políticas públicas. Lo que pasó con el nuevo presidente Lenin Moreno fue un retroceso total. Se dio prioridad a las empresas y a los bancos: antecedentes de caída económica. Se cortó más de la mitad del presupuesto para la salud y la educación pública, se generó más trabajo tercerizado, hubo despidos masivos de trabajadores públicos y frente a este panorama viene el Covid-19 a arruinarlo todo.

Frente a la inacción del gobierno, ¿hay otras iniciativas solidarias con las que las personas se apoyen mutuamente?

Se pueden vender frutas en la calle gracias a los movimientos campesinos que están tratando de luchar contra la especulación de alimentos, pero todas las políticas de ayuda vienen de la organización social. Son las políticas soberanas, que son siempre las que nos salvaguardan.