Einige Zahlen: Über acht Kilometer lang zog sich die Schlange vor der Sporthalle Gatica in einem Vorort von Buenos Aires, in der der Sarg des Indio Solari zum Abschied aufgebahrt worden war, hin. Zu seinem letzten Konzert im Jahr 2017 in Olavarría, bevor er aufgrund einer Parkinsonerkrankung für immer die Bühne verließ, kamen 400.000 Menschen. In dem Chaos des größten Konzertes der Geschichte des argentinischen Rocks starben zwei Menschen. Es war das letzte Mal, dass der „größte Pogo der Welt“ getanzt wurde. Da hatte sich für seine Konzerte schon lange der Begriff „Misa ricotera“ (ricotera Messe) etabliert, eine Hommage an den Namen der Band, mit der Indio Solari berühmt wurde: Patricio Rey y los Redonditos de Ricota (Patricio Rey und seine Ricottabällchen).
Die Band gründete Solari 1976 gemeinsam mit dem Gitarristen Skay Beilinson in La Plata. Um den Namen ranken sich Legenden, wie um das Phänomen, das aus ihr wurde. Gabriela Cerruti beschreibt in einem Artikel für das Onlinemedium Revista Anfíbia, wie die Redondos zu einer Zeit, in der der Peronismus und berühmte Fußballer und Musiker durch ihre Nähe zur Macht die arbeitenden Klassen verrieten, zur Stimme der Vergessenen wurden.
Obwohl es bald ein Massenphänomen wurde, verhielten sich die Redondos dabei weiterhin wie eine Underground-Band: auf Kassetten weitergegebene Musik, Konzertankündigungen auf Flyern, keine Plattendeals, keine Musikvideos, kein Marketing. Nach dem Tod des 17-jährigen Walter Bulacio, der am Rande eines Konzerts der Redondos 1991 in Buenos Aires von der Polizei grundlos festgenommen und schwer misshandelt worden war, trat die Band eine Zeitlang in die Hauptstadt auf.
Hunderte, manchmal Tausende Kilometer pilgerten die Fans in die teils abgelegenen Orte zu den Konzerten, deren Besucher*innenzahl die der Einwohner*innen der Orte regelmäßig bei weitem übertraf. 2001, wenige Monate vor Ausbruch des sozialen Aufstands, spielten die Redondos ihr letztes Konzert in Córdoba. Mit seiner Band Los Fundamentalistas del Aire Acondicionado (Die Fundamentalisten der Klimaanlage) trat Solari weiter auf, stets vor hunderttausenden Menschen. Die Videos sind beeindruckend: Glatzköpfig, mit der charakteristischen Sonnenbrille mit runden Gläsern blickt Solari in die Massen, die zu den Akkorden von „Ji ji ji“ im Takt springen. Zu den wiedergekehrten Zeiten eines abwesenden Staates und eines gleichgültigen Individualismus waren die Konzerte für die Vergessenen, Überflüssigen eine Vergewisserung der eigenen, kollektiven Existenz, so Cerruti. Mit Indio Solari stirbt ein Stück davon – aber die Geschichten vom größten Pogo der Welt leben weiter.














