
Das venezolanische Publikum im Finale der Baseball-Weltmeisterschaft erhebt sich. „Pooooonche! Pooooonche!“, schallt es bis in die letzte Ecke des Stadions in Miami. Ponche steht im venezolanischen Baseball für Strikeout und der Ruf soll Druck auf den gegnerischen Schlagmann erhöhen. Venezuela spielt gegen die USA im Finale und führt kurz vor Schluss 3:2. Ein letzter Wurf, der US-Spieler verfehlt, Venezuela wird Weltmeister! Es ist der größte Erfolg im Teamsport der venezolanischen Geschichte.
Zum Start der World Baseball Classic (WBC), wie die Baseball-WM offiziell heißt, besiegte Venezuela die Niederlande, Israel und Nicaragua in der Gruppenphase und qualifizierte sich für die nächste Runde. Im letzten Gruppenspiel verloren sie gegen die Dominikanische Republik, was viel Kritik nach sich zog.
Baseball ist der wichtigste Sport in Venezuela.
Nach den USA und der Dominikanischen Republik stellen sie die meisten Spieler in der US-Baseball-Liga. Doch es geht nicht nur um die Anzahl der Profis, Baseball ist Teil der venezolanischen Kultur. „Es ist ein Sport, den die Menschen täglich mit Leib und Seele leben“, sagt der Sportjournalist Carlos Mauricio Ramírez auf Instagram. Er vereint die Nation. Der Nationalmannschaftstrainer Omar López stimmt zu: „Baseball liegt uns am Herzen, im Blut. Es tut uns weh.“
1895 gründeten Rückkehrer aus den USA und karibische Migranten die erste Baseballmannschaft in Venezuela. Ende der 1920er Jahre entstand eine Liga und US-Ölkonzerne förderten den Sport, indem sie Spielfelder bauten und Ausrüstung bereitstellten. Eine Amateur-Weltmeisterschaft 1941, die Venezuela gewann und die über das Radio übertragen wurde, etablierte Baseball im ganzen Land. Dadurch war es enttäuschend, als sie in den fünf vorherigen WBCs mit talentierten Einzelspielern scheiterten. Dieses Jahr war anders. Viele Stars fehlten, doch der Teamgeist war stark. Sie spielten mit Freude und vereint, um den Venezolaner*innen einen Grund zur Freude zu geben. Zum Feiern gehört auch das Gewinnen. Im Viertelfinale besiegte Venezuela überraschend die Favoriten aus Japan. Im Halbfinale schlugen sie Italien. Zum ersten Mal stand Venezuela im WBC-Finale, ausgerechnet gegen die USA.
Ein Baseballspiel wird zum Moment der Einheit – inmitten politischer Spaltung
Die Mannschaft brachte Trommeln ins Stadion und feierte ihre Siege tanzend. Dieses Gefühl übertrug sich auf die Ränge, wo die Fans mit einstimmten. Der karibische Baseballstil der Venezolaner*innen ist gewagt, rhythmisch und voller Lebensfreude, wie ein Fest, das sich über das ganze Stadion legt. Sinnbild dafür ist der Tambores-Tanz der Spieler, verwurzelt in afro-venezolanischen Traditionen und Ausdruck eines Sports, der mit Leib und Seele gelebt wird. Die US-Mannschaft war nicht nur der Gegner, der Venezuela zuvor aus dem Turnier warf, sondern repräsentierte auch das Land, das Anfang des Jahres militärisch gegen Venezuela vorging und den Präsidenten entführte. Auf die politische Lage angesprochen, sagte López: „Ich bin nicht hier, um über Politik zu sprechen.“
Vor dem Endspiel rief er zur Einheit auf: „Ich hoffe, dass dieses Ergebnis ein Zeichen ist, dass sich heute Abend alle zusammenschließen, um das Spiel zu verfolgen, und dass wir gemeinsam bessere Generationen für unser Land heranbilden können – vereint, ohne politische Unterschiede.“ Auch im Team gibt es unterschiedliche politische Ansichten. Miguel Cabrera, einer der besten venezolanischen Spieler, der in diesem Turnier als Coach tätig war, wurde mit der Interimspräsidentin Delcy Rodríguez fotografiert. Andere Teammitglieder kritisierten die Regierung scharf. Nach den umstrittenen Präsidentschaftswahlen 2024 schrieb Maikel García in einem inzwischen gelöschten Tweet: „Wer als Letzter geht, macht bitte das Licht aus.“ Willson Contreras sprach am selben Wahltag von der Notwendigkeit eines Wandels in Venezuela. Er lehnte es ab, 2023 im WBC zu spielen, bereute es aber. Jetzt, 2026, ist er dabei. Während des Turniers gab es keine politischen Äußerungen von ihm oder anderen Spielern, und laut Yahoo Sports wurden die Spieler angewiesen, nicht über Politik zu sprechen.
Trotz Differenzen vereinte das Ziel, Venezuela an die Spitze des Weltbaseballs zu führen. Kurz vor Schluss schien der Traum zu platzen. Venezuela führte 2:1, als der US-Spieler Bryce Harper einen Home Run schlug und das Spiel ausglich. Vor drei Jahren war es den USA gelungen, Venezuela in einer ähnlichen Situation aus dem Turnier zu werfen. Dieses Jahr lief es anders. Venezuela nutzte seine letzte Chance und bekam noch den entscheidenden Punkt, der zum Sieg führte. Mit dem letzten Out, das den Sieg sicherte, stürmten die venezolanischen Spieler das Feld. García kniete mit dem Gesicht in den Händen. Alle umarmten sich. Kurz danach erhielten die Spieler auf dem Podium ihre Goldmedaillen, während die venezolanische Hymne erklang. Die Spieler sangen mit Tränen in den Augen, in Venezuela feierten Tausende jubelnd auf öffentlichen Plätzen und Korsos fuhren durch die Städte.
Autokorsos fahren durch die Städte
Auch aus den politischen Lagern kamen Reaktionen. US-Präsident Trump deutete in seiner provokanten Rhetorik an, dass Venezuela ein US-Bundesstaat werden solle. Er schrieb nach dem Halbfinalsieg auf seinem Netzwerk Truth Social: „STATEHOOD, #51, ANYONE?“ Diese Aussagen sind eine Drohung sowohl gegen die Regierung in Caracas als auch gegen andere Staaten Lateinamerikas, dass er auf US-Dominanz setzt. Auf Venezuela gezielt erhält er den Anspruch von Januar aufrecht, als er sagte, er regiere das Land. Interimspräsidentin Rodríguez lobte den Sieg und erklärte den 18. März zum Feiertag. Sie beteiligte sich jahrelang am harten Kurs gegen die USA, doch seit Januar unterstützt sie fast jede Forderung aus dem Weißen Haus. Ein neues Erdölgesetz gibt mehr Profite und Kontrolle an internationale Konzerne ab, und die US-Botschaft in Caracas wurde wieder eröffnet. Wenige Tage nach dem WBC-Ende landet der Pokal in Venezuela, doch die Spieler und Trainer sind nicht dabei. Sie sind direkt zum Start der US-Liga geblieben. López sagte, sie hoffen, Ende des Jahres nach Venezuela zu kommen, um den Sieg mit allen zu feiern. Dieser Triumph bedeutete, inmitten politischer Spannungen und für eine Bevölkerung, die in der Welt verstreut ist und Heimweh hat, mehr als nur einen Baseballsieg: Er erlaubte dem Land, gemeinsam zu feiern.











