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Gesundheit im Befreiungskampf

Metzi beschreibt in 15 Kapiteln sehr eindrucksvoll seine Erfahrungen, die er in den 3 Jahren als Gesundheitshelfer in den, von der FMLN kontrollierten Gebieten machte. Seine Intention ist es, die Menschen dort zu Wort kommen zu lassen, den abstrakten Informationen über Hunger, Tod und Leid Gesichter zu geben. Es werden “Alltagsprobleme” beim Aufbau eines Gesundheitswesens in einem Kriegsgebiet geschildert, das nicht “um Personen und technische Strukturen herum” aufgebaut werden soll, und “das genau deshalb für die meisten uner­reichbar sein würde.” Vielmehr soll ein Gesundheitswesen eingerichtet, das den unmittelbaren Bedürfnissen der Bevölkerung entsprechen und gleichzeitig ihr Vertrauen in sich selbst stärken soll.
Metzi beschreibt jedoch nicht nur den Mangel an den elementarsten Voraus­setzungen zur Heilung Leicht- und Schwerverletzter, wozu medizinische Instrumente, Medikamente und entsprechend geschultes Personal, aber auch Zeit, Ruhe und hygienische Verhältnisse gehören. Er läßt vor allem teilnehmen an den Versuchen und der Kraft der Bevölkerung, Wege aus dieser Situation zu finden. Daß er “abenteuerlich anmutende Notoperationen unter freiem Himmel am Rande militärischer Konfrontationen” schildert, wie es im Umschlagtext heißt, stimmt so nicht. Seine Perspektive bleiben die dortigen Menschen. Den Hauch von Abenteuer empfindet allenfalls der europäische Leser; zu oft endet das “Abenteuer” einer solchen Notoperation tödlich.
Wirklich miserabel ist der Einband bzw. das Titelbild des Buches. Es wird eine schwarze Gruppe von Frauen und Kindern gezeigt, die anscheinend Wäsche waschen. Daneben steht eine vermummte Frau, die ein Maschinengewehr in die Luft hält. Von oben prasseln riesige rote Bomben auf die Gruppe, die teilweise schon explodiert sind, den Frauen scheinbar aber nichts anhaben können. Die Entmystifizierung des Befreiungskampfes, die Metzi durch seine präzise Schilde­rung vornimmt, wird durch solch ein Titelbild konterkariert.
Ralf Syring, der das Vorwort schrieb, schließt mit dem Satz: “In seinem Gespräch mit Renarto Camarda sagt der Autor, daß er dieses Buch als “Ausdruck der Liebe zur Bevölkerung von Chalatenango” geschrieben habe. Liebe hat mit Kennen­lernen zu tun. Die folgenden Seiten ermöglichen den Fernen eine Annäherung.” Dies kann nur bekräftigt werden – aber auch denen, die mit der Problematik schon vertraut sind, ist das Buch sehr zu empfehlen!

Francisco Metzi, Aus eigenen Füßen stehen; Wege zur Gesundheit in El Salva­dors Befreiungskampf
Rotpunktverlag, Zürich 1990, 238 Seiten

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