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Sklavenarbeit für Olympiapark

Auf dem Gelände der Vila Autódromo soll der Olympiapark errichtet werden. Gebaut wird er von den Unternehmen Odebrecht, Andrade Gutierrez und Carvalho Hosken. Der Besitzer der Fünf-Milliarden schweren Baufirma Carvalho Hosken erklärte der BBC, warum Arme in seinem Baukomplex nicht einziehen dürften: „Sie können nicht in einer Wohnung bleiben und mit Indios nebenan leben, zum Beispiel. Wir haben nichts gegen Indios, aber gewisse Dinge gehen einfach nicht. Sie stinken. Was mache ich? Bleibe ich in ihrer Nähe? Ich nicht, ich suche mir dann einen anderen Ort zum Bleiben.“
Die drei Baufirmen vergaben Aufträge zum Bau des Olympiaparks unter anderem an die Firma Brasil Global Serviços. Im August befreite das brasilianische Arbeitsministerium elf Arbeiter aus sklavenähnlichen Arbeitsverhältnissen – bei Brasil Global Serviços auf der Olympiapark-Baustelle. Die Subunternehmerin baut den Häuserkomplex Ilha Pura, der als Dorf der Athlet*innen bei den Olympischen Spielen als Teil des Olympischen Dorfes fungieren soll.
Die Versicherung dieses Olympiaparks hat die Münchener Rückversicherungsgesellschaft übernommen. Die Munich Re, wie sie sich neuerdings nennt, versichert die Olympischen Spiele ebenso wie die FIFA-WM gegen Ausfall. Für den weltgrößten Rückversicherer sind „WM und Olympia sportliche Großevents, die von über einer Milliarde Menschen weltweit mit Leidenschaft verfolgt werden“ und daher sähe die Munich RE es als selbstverständlich an, die Spiele mit einer Rückversicherung zu decken, so auf der Aktionärsversammlung 2015.
LN fragte vor Kurzem die Munich Re, welche konkreten Schritte sie unternehmen würde, um den sklavenähnlichen Arbeitsverhältnissen bei von ihnen in Versicherung genommenen WM- und Olympia-Projekten endgültig einen Riegel vorzuschieben. Da die Munich Re bezüglich Belo Monte und dessen sozialen und Umweltfolgen ja stets argumentierte, die Vorteile würden die Nachteile überwiegen, sei ihre Meinung zu den aus sklavenähnlichen Verhältnissen befreiten Arbeitern nun natürlich hoch interessant. Dies auch im Hinblick auf die Fußball-WM in Katar: „Oder halten Sie es eher mit der Äußerung von Herrn Beckenbauer, der in der Presse meinte, in Katar keine Sklaven gesehen zu haben?“, lautet daher die Nachfrage von LN.
Die Munich Re antwortete daraufhin, dass es bei Bauvorhaben dieses Umfangs gang und gäbe sei, dass Bauträger einzelne Bauabschnitte oder Gewerke an Dritte vergeben oder zusätzliches Personal anmieten würden. „Dies erfolgt, wie in zahlreichen anderen Industrien auch, flexibel und in Abhängigkeit von Auftragslage und eigener Auslastung. Bei dem jetzt in der Kritik stehenden Unternehmen handelt es sich um einen solchen Subunternehmer, der zum Zeitpunkt unserer Risikoprüfung und Deckungszusage naturgemäß nicht benannt war. Dass dieser Dienstleister bei den Arbeitsbedingungen gegen die Rechte seiner Mitarbeiter verstoßen hat, ist höchst betrüblich und beunruhigt uns.“, erklärte sie. Die Munich Re habe jedoch weder Einfluss auf die Auswahl dieses Unternehmens, noch habe sie eine Handhabe dagegen. „Wir haben allerdings zur Kenntnis genommen, dass die zuständigen Aufsichtsbehörden entschlossen gehandelt haben und den Geschädigten inzwischen offenbar Genugtuung widerfahren ist.“ Abschließend ließ die Munich Re verlauten: „Und wir haben Ihren Hinweis zum Anlass genommen, unsere Mitarbeiter vor Ort neuerlich für dieses Thema zu sensibilisieren. Sie werden unserem Vertragspartner unsere Haltung gegenüber Menschenrechtsverletzungen erläutern. Darüber hinaus haben wir sie angewiesen, dies bei nächster Gelegenheit – etwa bei einer Inspektion der Baustelle – auch gegenüber dem Versicherten zu tun.“ Wollen wir hoffen, dass sie dies tun.

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