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Canción Chilena mit tango

„Die Musik von Inti Illimani ist ein Bestandteil der chilenischen Kulturgeschichte und eine Stimme der fortschrittlichen Kräfte unseres Landes“, so wird Michelle Bachelet in der neuen Veröffentlichung von Inti-Illimani histórico Vivir en libertad (Leben in Freiheit) zitiert. Neben Quilapayún sind Inti Illimani die wohl bekanntesten Vertreter der in den 1960er Jahren entstandenen Musikrichtung La Nueva Canción Chilena (Das Neue Chilenische Lied). Sie baut auf lateinamerikanischen Musiktraditionen auf und verbindet politische Inhalte mit Musik. Dieses Jahr hat Inti Illimani in veränderter Besetzung eine neue CD herausgebracht.
Inti-Illimani histórico ist eines der beiden Nachfolgeprojekte der 1967 an der Universidad de Chile von Studierenden gegründeten Gruppe Inti Illimani. In dieser Zeit des politischen Aufbruchs in Lateinamerika überraschte sie der Militärputsch vom 11. September 1973 auf einer Europatournee. Die Zeit der Militärdiktatur verbrachten sie im italienischen Exil. Schon zuvor war die Gruppe zu einem Symbol chilenischer Musik geworden und trug nun über ihre Musik auch dazu bei, dass das Thema Chile in der europäischen Linken nicht von der Bildfläche verschwand.
Nach dem Ende des Militärputsches und der Rückkehr nach Chile begannen die einzelnen Musiker von Inti Illimani mit Soloprojekten, darunter auch der musikalische Leiter der Band, Horacio Salinas. 2004 schloss er sich mit den anderen Altvorderen Horacio Durán und José Seves sowie anderen Musikern zusammen: Sie beanspruchten für sich, die wahren Inti Illimani zu sein. Mit den unter fast vollständig neuer Besetzung spielenden Inti Illimani entbrannte ein Rechtsstreit um die Frage, welche Gruppe das Erbe und den Namen Inti Illimani weitertragen durfte. Als Folge nannte sich Salinas’ Band Inti-Illimani histórico.
Auf dem Mediabook Vivir en Libertad, das Inti-Illimani histórico nun bei Heupferd Musik veröffentlicht hat, befinden sich eine CD mit der Studioproduktion Esencial und eine CD mit den Aufnahmen eines Konzerts im Estadio Víctor Jara in Santiago de Chile. Außerdem gibt es ein ausführliches Booklet mit einem Text über die Geschichte Inti Illimanis, mit den Liedtexten zu beiden CDs sowie einigen historischen Bildern und einem Aufsatz zum Exil in BRD und DDR. Musikalisch schließen die Aufnahmen an die Traditionen der Nueva Canción Chilena an; Saiteninstrumente und Percussion sorgen für treibende Rhythmen, Holz- und Blechbläser harmonieren wunderbar mit dem choralen Gesang der Bandmitglieder. Im Vergleich zu älteren Aufnahmen fällt auf, dass mit Horacio Salinas‘ Sohn, Camilo Salinas, neue Instumente den Weg in die Musik der alten Inti-Illimani gefunden haben. Der Pianist und Akkordeonspieler bringt teilweise Tango-Atmosphäre in die sonst eher von kubanischen und andinen Einflüssen geprägte Musik und gibt gerade den Studioaufnahmen eine neue Tiefe und Melancholie.
Ansonsten hält das Mediabook, was es verspricht: Die Studioaufnahmen können, was die Intensität betrifft, nicht mit den Live-Aufnahmen mithalten, überraschen aber gerade durch den dezenten Einsatz von Akkordeon und Piano. Auch fast alle Lieder, die man erwarten würde, finden sich auf den beiden CDs. „Mercado de testaccio“, der im italienischen Exil entstandene Song, fehlt genauso wenig wie „Tinkú“ und „El Pueblo Unido“, die heimliche Hymne der chilenischen Linken. Leider fehlt eine übersichtliche Auflistung d

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