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Ein paar Anmerkungen zur Tourismusentwicklung nach Lateinamerika

Zahlen der internationalen Tourismusentwicklung werden von der sogenannten World Tourism Organization (WTO) erhoben. Sie hat ihren Sitz in Madrid und wurde 1977 als eine Unterorganisation der UNO anerkannt. Ihre Zusammensetzung stellt dabei eine etwas eigenartige Mischform aus StaatsvertreterInnen aus über 130 Mitgliedsstaaten und 350 sogenannten „Affiliate Members“ aus der privaten Tourismusindustrie dar. Sinn und Zweck dieser Organisation besteht sowohl in der Beobachtung als auch in der Förderung des weltweiten Tourismus.
Unter dem Begriff „Touristenankünfte“ zählt die WTO die Zahl der den Zoll passierenden Einreisenden, die mindestens einen Tag und nicht länger als ein Jahr ein Land besuchen. Dabei werden diese Besucher nicht im Einzelnen darüber befragt, warum sie ihre Reise eigentlich antreten. Insofern sind in den jährlich publizierten Zahlen über „Touristenankünfte“ auch normale Geschäftsleute enthalten. Um das Problem des statistischen Begriffs „Touristenankünfte“ zu veranschaulichen: Auf statistischer Basis dürfte die Zahl der „Touristenankünfte“ ins Kosovo in Zukunft mit großer Sicherheit noch stark ansteigen.
Nach Angaben der World Tourism Organization besuchten im Verlauf des Jahres 1999 hochgerechnet 44,5 Millionen Menschen Lateinamerika. Die Karibik wurde von 16 Millionen TouristInnen besucht. Das sind rund 9 Prozent aller TouristInnenankünfte weltweit. Lateinamerika gilt damit im weltweiten Vergleich als expansive Wachstumszone.
Dabei existiert eine bemerkenswerte Verteilung der Touristenankünfte in Lateinamerika. Während sich 20,07 Millionen TouristInnen auf Südamerika verteilten und weitere 4,24 Millionen TouristInnen Zentralamerika besuchten, konnte allein Mexiko 20,216 Millionen TouristInnen verzeichnen. Das ist sicher zum Teil auf Besuche aus den angrenzenden USA zurückzuführen. Zum anderen unterstreicht diese im Vergleich zum „Rest Lateinamerikas“ enorme Zahl von TouristInnen die Bedeutung Mexikos in den Urlaubsträumen der ganzen Welt. Und genau das sichert den dort stattfindenden „innenpolitischen“ Ereignissen, wie dem Aufstand der ZapatistInnen, eine ganz andere politische Resonanz als zum Beispiel eine Parlamentsbesetzung in Ecuador.
Der Löwenanteil des Tourismus nach Südamerika stammt in der Regel aus den jeweiligen Nachbarländern, gefolgt von den USA und Deutschland. Eine Ausnahme bildet Argentinien, wo die Anzahl der spanischen und italienischen BesucherInnen höher ist als die der Deutschen. In Zentralamerika stellen neben den Nachbarländern und den USA Kanada und Spanien die meisten Besucher – noch vor Deutschland.

2 Prozent Deutsche
Für deutsche Tourismuswillige wurde Lateinamerika in den letzten zehn Jahren immer interessanter. Im Durchschnitt betrug die Steigerungsrate nach Südamerika in den letzten 10 Jahren jährlich 7,75 Prozent pro Jahr und nach Zentralamerika 9,9 Prozent. In absoluten Zahlen wurde Südamerika 1997 von insgesamt 459.000, Mexiko von 206.000 und Zentralamerika von 68.000 deutschen TouristInnen besucht – das ergibt eine Gesamtzahl von 733.000 deutschen TouristInnen in ganz Lateinamerika. Nach Hochrechnungen der Arbeitsgemeinschaft Lateinamerika soll die Zahl deutscher TouristInnen für das Jahr 1999 auf rund 850.000 angestiegen sein. Selbst wenn man von dieser Zahl die aus Geschäftsgründen Mehrfachreisenden abzieht, so verbleibt immer noch die EinwohnerInnenzahl einer bundesdeutschen Großstadt. Die Anzahl der Deutschen macht knapp 2 Prozent am gesamten internationalen Tourismusaufkommen Lateinamerikas aus. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass Deutschland beziehungsweise das deutschsprachige Europa nach den jeweiligen Nachbarländern und den USA zu den wichtigsten Entsendermärkten gehört.
Dass diese Wachstumsraten steigende Tourismuseinnahmen mit sich bringen, kann nicht überraschen. Wurden im Jahr 1998 für Lateinamerika insgesamt 25 Milliarden US-Dollar verzeichnet, so wurden für das Jahr 1999 Einnahmen in Höhe von 27,3 Milliarden US-Dollar prognostiziert. Wo diese „Einnahmen“ aber genau verbleiben, soll in dieser Übersicht nicht im Einzelnen erörtert werden. Die nachfolgende kleine Karikatur aus der „Dritte Welt-Information“ des epd kann dazu erste Hinweise geben.

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